Beinwil am See
Asylunterkunft in Beinwil am See: Bevölkerung äussert Bedenken und Mitgefühl

Das ehemalige Bürgerheim in Beinwil am See soll zur Asylunterkunft werden. Nun hat der Kantonale Sozialdienst orientiert. Er mietet die Liegenschaft für mindestens zwei Jahre und will dort bis zu 29 Asylbewerber unterbringen.

Fritz Thut
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Im «Huus uf dr Weid» in Beinwil am See ziehen im September die ersten Asylbewerber ein.

Im «Huus uf dr Weid» in Beinwil am See ziehen im September die ersten Asylbewerber ein.

Peter Siegrist

«Asylbewerber sind auch Menschen und Individuen», fasste Gemeindeammann Peter Lenzin den Informationsabend über die Umnutzung des ehemaligen Bürgerheims von Beinwil am See in eine Unterkunft für Asylsuchende zusammen.

Von Respekt, auch vor den erwarteten künftigen Bewohnern des «Huus uf dr Weid», war vorher die Orientierung im «Löwensaal» geprägt. In einem sachlichen Rahmen lieferten der Gemeinderat sowie Roland Juen (Leiter Sektion Asyl) und Stephan Müller (Leiter Fachbereich Unterbringung und Betreuung Asyl) vom kantonalen Sozialdienst (KSD) des Departements Gesundheit und Soziales (DGS) Gründe und Hintergründe zur geplanten Unterbringung von Asylbewerbern in der Gemeinde.

«In sehr gutem Zustand»

Die Veranstaltung war gut besucht, jedoch platzte der «Löwensaal» nicht aus allen Nähten, als Ammann Lenzin zu Beginn die Hintergründe zur Vermietung des gemeindeeigenen «Huus uf dr Weid» an den Kanton schilderte.

1825 von der Gemeinde als Armenhaus erstellt, später als Bürgerheim und zuletzt – vermietet an eine private Trägerschaft – als Pflegeeinrichtung benützt, überlässt die Einwohnergemeinde die Liegenschaft gegen Bezahlen nun für mindestens zwei Jahre dem Kanton.

Bis der Gemeinderat Klarheit über die künftige Nutzung des Areals in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen hat, werden in den 15 Zimmern maximal 39 Asylbewerber untergebracht. «Für unsere Bedürfnisse ist das Haus geeignet. Es befindet sich in einem guten Zustand; nicht luxuriös, aber grosszügig», lobte DGS-Vertreter Müller die Infrastruktur der hoch über dem See, ausserhalb des Dorfs gelegenen Liegenschaft.

Vorgesehen ist die Unterbringung von Personen mit einem laufenden Asylverfahren, also keine Ausreisepflichtige. «Im Vordergrund stehen Familien, Frauen mit Kindern und höchstens ein kleiner Anteil von Einzelmännern», so Müller weiter.

Beschäftigung, Schule und Sicherheit

In der anschliessenden Diskussion drehten sich Fragen im Wesentlichen um drei Bereiche:

Beschäftigung: «Hat die Gemeinde schon ein Konzept, was sie mit den Asylanten vorhat, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen?»

Integration der Kinder in den Schulbetrieb: «Wir rechnen mit höchstens einem Kind pro Klasse», so Gemeinderätin Jacqueline Widmer.

Sicherheit: «Jede Nacht schaut der KSD-interne Nachtdienst vorbei», so Müller.

Neben Bedenken wurde auch Mitgefühl geäussert: «Gibt es Unterstützungsmöglichkeiten? Kann man Spiele oder Kleider für Kinder vorbeibringen?», wurde aus der Runde gefragt. Man solle den Betrieb zuerst starten lassen und anschliessend mit den Betreuungspersonen direkt Kontakt aufnehmen, gab Müller einen Tipp.

In Beinwil am See wird auch die Integration in Vereine und Gesellschaft nicht ausgeschlossen: «Wir machen unsere Badi sicher nicht zu» verteilte Gemeinderätin Widmer einen Seitenhieb in Richtung Bremgarten.