Auf Alois Hubers Hof ist alles bio, auch die Rähmli, die seine Frau zum Kaffee serviert. Der SVP-Nationalratskandidat ist seit 1999 Pächter des Bauernhofs Schlossgut Wildegg und hat hier mit seiner Frau fünf Kinder grossgezogen. Ein SVPler als Biobauer? Die Partei steht sonst der ökologischen Landwirtschaft eher kritisch gegenüber. Huber, heute Präsident des Bauernverbands Aargau, hat schon auf die umweltschonende Landwirtschaft umgestellt, als Bioprodukte in den Regalen der Grossverteiler noch nicht allgegenwärtig waren.

Mit 29 Jahren war er Betriebsleiter auf einem Hof im Freiamt. «Dort haben wir eng mit dem ‹Murimoos› zusammengearbeitet, das auf Bio umgestellt hat.» Das habe ihn von Anfang an überzeugt. «Ich lebe von der Umwelt und vom Boden und ich will dem Boden auch etwas zurückgeben», sagt Alois Huber (57). Damals sei er ein Exot gewesen. Doch die Umstellung gelang und als das Schlossgut als Biohof ausgeschrieben war, «hatte ich vielleicht einen Vorteil». Beinahe wäre die Familie nach Kanada ausgewandert, um sich den Traum vom eigenen Hof zu erfüllen. In letzter Sekunde hat es doch nicht geklappt.

Alois Huber, hellblaues Hemd, dunkelblaue Augen, sitzt am Esstisch im Wohnhaus. Manchmal überlegt er kurz, bevor er Antwort gibt, nach Wörtern suchen muss er nie. In seiner Partei fühlt er sich wohl, doch «jeden Schrei mache ich nicht mit». Er sieht sich als Sachpolitiker, der sich vor 35 Jahren der SVP zugehörig fühlte, als dort Handwerker und Bürger ihren Platz fanden, wie er sagt. Als letztes Jahr ein Schaf von seiner Weide gestohlen und tot im Kühlschrank einer Asylunterkunft gefunden wurde, hat er den Fall nicht politisch ausgeschlachtet. «Ein richtiger Asylant darf hier sein», sagt er. Auch Bauern würden einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten. Der polnische Praktikant auf dem Schlossgut beispielsweise lebe mit der Familie. Heute Abend wird Huber in Seon 100 Jahre SVP Bezirk Lenzburg feiern, Albert Rösti und Thomas Burgherr kommen auch. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Agrarpolitik kommt aus Bern

Der Sprung nach Bern würde den Grossrat reizen, das Stichwort Agrarpolitik bringt ihn ins Schwärmen. «Die Agrarpolitik wird in Bern gemacht, da haben wir in Aarau nicht mehr viel zu sagen», sagt er. Seit Walter Glur sei kein Aargauer Bauer mehr im Nationalrat vertreten gewesen. Falls er gewählt würde, würde er das Beste herausholen. Nicht für sich, sondern für die Bauern. «Es muss aber auch für die Bevölkerung etwas bringen», sagt er. Als Landwirt müsse man Lebensraum zur Verfügung stellen, zu dem ein schönes Weizenfeld gleichermassen gehöre, wie das Tierwohl und die Ökologie. Und – als ob er es fast vergessen hätte – schiebt er nach: «Und ich würde auch nach Bern für den einfachen Bürger, der jeden Tag aufsteht und sein Bestes gibt.»

Die Bauern verfügen über eine starke Lobby, Zusammenschlüsse von links bis rechts erreichen viel. «Wir sind stark, weil wir gute Argumente haben.» Das Klischee vom jammernden Bauern findet er veraltet. «Ich sage nicht, dass es uns allen sehr gut geht.» Aber es gebe auch andere Bevölkerungsschichten in der Schweiz. Er erklärt es an der Produktionskette seiner Milch. «Die wird am Morgen bei mir abgeholt und nach Suhr gebracht, wo sie verarbeitet wird. Dort gibt es Leute, die von dieser Arbeit leben. Dann kommen die Produkte weiter in die Geschäfte.»

Alois Huber sagt mit Überzeugung: «Ich möchte mit niemandem in dieser Kette tauschen.» Der Verkäufer an der Kasse habe zwar geregeltere Arbeitszeiten. Aber für Huber sei es das Schönste, wenn er am Morgen früh in den Stall trete. Mit einem Lächeln erzählt er von der Stunde, die er morgens um halb fünf im Stall verbringt, allein mit den Kühen. «Dort hole ich die Kraft für den Tag.»

Doch nicht nur das Bauern, auch das Politisieren scheint Alois Huber zu liegen. Er erzählt vom Vorstoss zur Sicherstellung der Bewässerung, den er zusammen mit Landwirten der SVP, BDP, CVP und SP eingereicht hat und schlüpft dabei, ohne seine Rede zu unterbrechen, in Schuhe und Jacke. Silvia Huber ist am Backen, es duftet aus dem Ofen. Die gute Partnerschaft mit seiner Frau sei für ihn das grösste Glück. Den Grossteil der Erziehungsaufgaben habe seine Frau übernommen. «Doch ich habe auch meinen Teil dazu beigetragen.» Als Bauer habe man das Privileg, die Zeit freier einteilen zu können.

Falls er gewählt würde, müsste er auf dem Hof eine Fachkraft engagieren. Huber geht über den Hof des herrschaftlichen Guts. «Und wenn ich nicht gewählt werde, mache ich hier und ‹in Aarau› weiter», sagt er. Es gefalle ihm, den Besuchern die Tiere und die Landwirtschaft näherzubringen. Über dem Bauernhof schaut das Schloss Wildegg aus den Regenwolken auf den umtriebigen Pächter hinunter. «Und wer darf schon auf einem solchen Hof buure.»