Musikverein Lenzburg
Aus der Stadtkirche ertönte wunderschöne, aber traurige Musik

Der Musikverein Lenzburg setzte Chormusik aus England virtuos um. Die Trauermusik war so traurig, dass sie an das Erdbeben in Nepal erinnerte. Vier Solisten bereicherten das Konzert.

Jürg Nyffenegger
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In der Stadtkirche Lenzburg konzertierte der Musikverein.

In der Stadtkirche Lenzburg konzertierte der Musikverein.

Toni Widmer

Es ist immer wieder eindrücklich zu hören, mit wie viel Fantasie und Tiefe Komponisten aus Vergangenheit und Gegenwart die virtuelle Welt des Glaubens in Töne umgesetzt haben und damit auch jene tief zu berühren vermögen, die dem Thema Religion eher skeptisch gegenüber stehen. Das war auch am Samstagabend so in der Stadtkirche Lenzburg, wo Chor und Orchester des Musikvereins Lenzburg unter der Leitung von Beat Wälti Chormusik aus England zu Gehör brachten.

Das an Informationen reiche Programmheft stellte Henry Purcell ins Zentrum der Konzeption. In der Tat kamen die zahlreichen Zuhörenden in den Genuss von drei Werken des barocken Meisters, der auf dem Höhepunkt seines Schaffens viel zu jung starb: ein «Te Deum», die Trauermusik für die Königin Mary, die 1694, ein Jahr vor Purcell selber, 32-jährig starb, und, zum Schluss des Konzerts, eine Ode an die heilige Caecilia, der Schutzherrin der Musik. Dazwischen erklangen zwei kurze Gebete für Chor a cappella von William Byrd, der rund hundert Jahre vor Purcell gelebt hat.

Ebenso gut hätte man Benjamin Brittens dritten Teil aus seinem Jugendwerk «The Company of Heaven», ein collagenartiges Werk zu Ehren der Engel, ins Zentrum stellen können: eine wahrhaftige Entdeckung. Gerne würde man bei Gelegenheit das ganze, rund einstündige Werk hören!

Chor und Orchester sorgten für eine reife, homogene und fein differenzierte Wiedergabe der recht unterschiedlichen Tonschöpfungen. Der Chor glänzte durch rhythmische Sicherheit, saubere Intonation und präzise Diktion. «O Lord (...), deliver us not into the bitter pains of eternal death»: diesem Schluss von Purcells Trauermusik konnte sich keiner entziehen. Die Interpretation war so aufwühlend, dass man unvermittelt Bilder von den unsäglichen Flüchtlingsdramen oder von Nepal zu sehen glaubte.

Das Orchester ist mit den keineswegs leichten Partituren erstaunlich gut zurechtgekommen. Von Konzert zu Konzert spürt man die sorgfältige Weiterentwicklung des Ensembles, die Ernst Wilhelm begonnen hat und die Beat Wälti mit Hingabe weiterführt. Besonderes Lob verdienten die beiden jungen Trompeterinnen, aber auch die Cellistin Ursula Bircher-Grenacher und der Lautenist Andreas Schlegel, die für das Continuo zuständig waren.

Wunderbar fügten sich die vier Solisten ins Ganze ein, so der Brasilianer Victor de Souza Soares, ein Altus, zum Beispiel mit den wunderbaren Soli in der Ode an Caecilia. Der Tenor Jan-Martin Mächler sang seine Partien nicht nur einwandfrei, er gestaltete sie mit Leib und Seele. Michael Kreis verfügt über eine sonore, weit tragende Bassstimme, mit der er in Brittens Werk auch die verbindenden Texte sprach. Schliesslich die Sopranistin Regula Konrad, die mit glockenheller Stimme und ohne Mühe auch in hohen Lagen Sicherheit ausstrahlte.

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