Bis Ende 2020 sollen 4000 Menschen im ehemaligen Bauerndorf Staufen wohnen. Damit wäre die Bevölkerungszahl innerhalb von acht Jahren um 50 Prozent angestiegen.

2016 wurden die ersten 200 Wohnungen im 120'000 Quadratmeter grossen Mega-Quartier Esterli-Flöösch fertiggestellt. In diesem Jahr folgen die Überbauungen «Lindenblick» und «Zelgli» sowie ein Teil der Überbauung «Am Staufberg».

Fast alle Wohnungen verkauft

Die Überbauung «Lindenblick» zwischen der Aarauerstrasse und dem Chrüzweg besteht aus sieben Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 169 Wohnungen. Vier Liegenschaften gehören der Anlagestiftung und Pensionskasse der Helvetia, zwei der Wohnbaugenossenschaft Lenzburg (WGL), und eine ist im Besitz des Autocenters Di Pietro aus Schafisheim. Mit ihrer Investition von 18,5 Millionen Franken will die WGL für preiswerten Wohnraum im Quartier sorgen, wie deren Präsident Charly Suter gegenüber der AZ 2016 erklärte. Die Coop, in deren Nordwestschweizer Regionalausschuss Suter sitzt, beteiligte sich finanziell am Projekt. Mit der Auflage, dass Coop-Mitarbeiter, die sich als Mieter im «Lindenblick» bewerben, bevorzugt werden. Ab April sind die ersten Wohnungen bezugsbereit. 

In die Überbauung «Am Staufberg» zwischen dem Chrüzweg und der Alten Bernstrasse mit acht Mehrfamilienhäusern investierte der Generalunternehmer Häberlin AG aus Müllheim 76 Millionen Franken. Die 62 Mietwohnungen in drei Gebäuden sind ab dem 1. Juni bezugsbereit, die 49 Eigentumswohnungen, verteilt auf fünf Häuser, ab dem 1. April 2020. Letztere befinden sich noch im Rohbau, doch schon jetzt sind 42 Wohnungen verkauft.

Im Herbst fertig wird die Überbauung «Zelgli» an der Aarauerstrasse mit vier Gebäuden. Die Brugger Reliag AG als Bauherr investiert in das Projekt 40 Millionen Franken. In einem Gebäude sind Gewerberäume untergebracht, bei den anderen drei handelt es sich um Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 63 Mietwohnungen. 

Befürchtungen nicht eingetroffen

2012 fiel mit der Erschliessung des Mega-Quartiers Esterli-Flöösch der Startschuss für die Erweiterung des Dorfes. Mit insgesamt 1000 Neuzuzügern rechnet die Gemeinde, wenn das ganze Quartier am Dorfrand überbaut ist. Einige Staufner äusserten sich 2016 noch skeptisch zu den künftigen Bürgern. Sie befürchteten, die verkehrstechnisch gut gelegene Gemeinde könnte sich zu einer Schlafgemeinde entwickeln, die Neuzuzüger würden im in sich geschlossenen Quartier bleiben, sich nicht integrieren. Dies scheint jedoch nicht eingetroffen zu sein, wie Gemeindeammann Otto Moser sagt. «Die neuen Bürger zeigen sich interessiert», sagt er. «So sehen wir immer wieder neue Gesichter am Polit-Apéro oder an den Gemeindeversammlungen. Die Neuzuzüger beteiligen sich rege am Geschehen im Dorf.» Moser ist überzeugt, dass dies auch auf die künftigen Neo-Staufner zutreffen wird.

Bau-Boom ist 2020 vorerst fertig

Neuzuzüger bedeuten auch neue Steuerzahler. Doch bevor das Geld sprudelt, musste das Dorf investieren. 8,5 Millionen Franken kostete die Erschliessung des Quartiers. Weitere fast 10 Millionen Franken gab die Gemeinde für ein neues Gemeindehaus und ein neues Schulhaus aus, um sich für den Ansturm zu wappnen. Der Steuerfuss wurde 2015 von 80 auf 85 Prozent, 2016 auf 89 Prozent angehoben. Doch die Rechnung scheint für Staufen aufzugehen: Die Gemeinde verbuchte 2018 einen Steuerertrag von rund 8,24 Mio. Franken. Die Budget-Erwartung wurde damit um 536 000 Franken (+7 Prozent) übertroffen. Auf den 1. Januar 2019 senkte die Gemeinde den Steuerfuss von 86 auf tiefe 76 Prozent.

Noch ist eine kleine Parzelle an der Alten Bernstrasse grün. Ein Projekt gebe es da noch nicht, sagt Ammann Moser. Doch der grosse Bauboom im Quartier Esterli-Flöösch sollte aber mit der Fertigstellung der Überbauung «Am Staufberg» im Frühling 2020 fertig sein.