Hallwil

Bauern fällen zwei Dutzend Obstbäume: Anwohner reagieren empört

Zwei Landwirte haben in den vergangenen Monaten rund zwei Dutzend Obstbäume in der Hallwiler Weid gefällt – aus «Bequemlichkeit und wegen der Subventionen», wie Anwohner kritisieren. Die Bauern weisen die Vorwürfe zurück.

Was seit Frühjahr 2011 in der Hallwiler Weid/Kapellen an der Grenze zu Boniswil passiert ist, lässt das Herz von Thomas Frei bluten. Innert neun Monaten rodeten Landwirte zwei ganze Baumgärten und fällten rund zwei Dutzend Obstbäume. «Einige Bäume waren alt und krank, die Mehrheit aber kerngesund und eine Bereicherung der Landschaft», sagt Frei, der im gleichen Quartier wohnt.

«Das ist pure Bequemlichkeit»

Diese Rodungen hat Thomas Frei mit drei Anwohnern zu verhindern versucht. «Wir schlugen den beiden Bauern vor, zumindest die alten und gesunden Bäume stehen zu lassen», sagt Frei. «Wir haben auch angeboten, das Obst wegzuräumen und die Bäume zu pflegen.» Ohne Erfolg. So musste Thomas Frei vor einer Woche mitansehen, wie erneut schwere Maschinen auffuhren und rund ein Dutzend Bäume zu Boden krachten - zu viel für den Naturschützer und Konservator vom Schloss Hallwyl.

Frei wirft den Landwirten vor, die Bäume aus «purer Bequemlichkeit» gefällt zu haben, um «hoch subventionierte Kulturen anzubauen». Dies sei vor allem auch stossend, weil es immer weniger Hochstammbäume gebe.

Vier von fünf Bäumen sind weg

Tatsächlich sind seit den 1950er-Jahren auf Hallwiler Boden vier von fünf Obstbäume verschwunden. Laut Hochstamm-Zählung gab es 1951 in der Seetaler Gemeinde knapp 6000 Bäume, bei der letzten Zählung 2001 waren es noch 951. «Eine alarmierende Entwicklung, die in der ganzen Schweiz im gleichen Ausmass zu beobachten ist», sagt Victor Condrau, Geschäftsführer der Stiftung Kultur-Landschaft Aare-Seetal (Klas).

Und die Zukunft sieht nicht viel besser aus: «Ich bin überzeugt, dass im Aargau immer noch mehr Bäume verschwinden als angepflanzt werden.»

Landwirte wehren sich

Aus den Baumgärten soll nun Ackerland entstehen. Die beiden verantwortlichen Landwirte weisen Kritik an diesem Vorgehen zurück: «Wir haben die Bäume gefällt, weil sie zum Teil alt und hohl waren sowie fast umgestürzt wären», sagt Irene Zobrist aus Hendschiken. Zudem hätten die Stämme die landwirtschaftliche Arbeit erschwert. «Wir kamen mit den Maschinen kaum zum Grundstück.»

Ähnlich argumentiert der Seenger Landwirt Robert Siegrist, der ebenfalls Bäume in der Hallwiler Weid gefällt hat. «Die Bäume nur stehen zu lassen, weil diese schön sind, macht doch keinen Sinn.» Die Bewirtschaftung sei schwierig gewesen und habe nicht rentiert. «Es ist einfach, von uns den Erhalt der Bäume zu fordern», sagt Siegrist an die Adresse von Organisationen, die sich für Hochstammbäume engagieren. «Pflegen müssen diese aber wir Bauern.»

Siegrist und Zobrist halten zudem fest, dass sie Hochstammbäume generell schätzten. «Wir haben 60 Aren mit Bäumen und pflanzen ständig neue», sagt Irene Zobrist. «Der Standort muss jedoch Sinn machen.» Robert Siegrist, der Kurse im Bereich Obstbau leitet, ergänzt, «Wir haben gleichzeitig mit der Rodung Ökoflächen in der Nähe geschaffen.»

Faire Preise für Obstprodukte

Klas-Geschäftsführer Victor Condrau hat für den Entscheid der Landwirte gewisses Verständnis, hält aber fest: «Es gibt andere Wege.» So könnten Bauern wertvolle Hochstammbäume in jene sieben Prozent Ausgleichsfläche einbeziehen, die Voraussetzung für die Landwirtschaft-Subventionen sind. Condrau nimmt aber auch den Konsumenten in die Pflicht: «Der Kunde muss bereit sein, den Bauern einen fairen Preis für die Produkte von Hochstammbäumen zu bezahlen.»

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