Birrwil
Früher entstanden hier Arbeitskleider – heute sind es 22 Wohnungen und bald ein Thai-Restaurant

Bis 1992 war die Färberei in Birrwil eine Firma, die vielen in der Region einen Arbeitsplatz bot. 2018 wurden hier Wohnungen und Gewerbe realisiert. Ein Teil der alten Fabrik wurde aber erhalten.

Anja Suter
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Kasama Stamm, Besitzerin des «bkk urban bistro», und David Büeler von der Aparte AG.

Kasama Stamm, Besitzerin des «bkk urban bistro», und David Büeler von der Aparte AG.

Chris Iseli

1850 wurde in Birrwil der Grundstein für eine Fabrik gelegt, die das Dorf über 170 Jahre lang prägen sollte. Die Regeln für die Arbeiterinnen und Arbeiter waren streng. Schwatzten sie zu viel oder blieben sie zu lange auf der Toilette, mussten sie zehn oder 20 Rappen von ihrem Lohn an ihren Arbeitgeber abgeben. Das zeigen Unterlagen, die Karl Schrag, ein ehemaliger Betriebsleiter, auf dem Estrich der Textilfirma fand.

Ursprünglich gehörte die Firma hoch über dem Hallwilersee dem Fabrikantenherren Steiner-Nussbaumen. 1916 wurde sie jedoch von der Fehlmann und Söhne AG gekauft, zu der Zeit, als der Textilhandel aufblühte.

Jakob Fehlmann war es, der schon einige Jahrzehnte zuvor den richtigen Riecher für ein grosses Geschäft hatte. Er gründete 1854 westlich vom Seetal, in Schöftland, seine eigene Sattlerei. Neun Jahre später wandte er sich nebenbei auch der Produktion von Arbeitskleidern zu – mit viel Erfolg. Seine Firma wuchs und wuchs. Kurz vor der Jahrtausendwende übernahmen seine drei Söhne das gut laufende Unternehmen und expandierten nach Birrwil – die Färberei fand so eine Besitzerfamilie für fast acht Jahrzehnte.

Alle 22 Wohnungen sind bereits verkauft

Die grossen Maschinen auf dem Areal der Färberei rattern seit Jahrzehnten nicht mehr. Die grosse Konkurrenz aus dem Ausland sorgte dafür, dass die Textilproduktion 1992 eingestellt wurde. Doch auch wenn auf dem Gelände seit vielen Jahren keine Arbeiterinnen und Arbeiter mehr aus und ein gehen, blüht das Areal wieder auf. 2018 fuhren die Bagger auf, um hier Raum zum Wohnen und Arbeiten zu schaffen, damit das nächste Kapitel der «Färberei» beginnen kann.

Die 22 Wohnungen, die in den letzten Jahren hinter den historischen Mauern entstanden sind, konnten inzwischen alle verkauft werden, bestätigt David Büeler von der Aparte AG. Entstanden sind Wohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern. «Uns war es wichtig, hier etwas umzusetzen, was Wiedererkennungswert hat, wir wollten keinen gesichtslosen Neubau erstellen», sagt Büeler. Die angebotenen Wohnungen waren nicht lange auf dem Markt. Doch auf dem Areal soll nicht nur gelebt werden, geplant ist auch, dass hier acht Gewerbebetriebe Fuss fassen können.

Die typischen Sheddächer erinnern noch heute an die Vergangenheit.

Die typischen Sheddächer erinnern noch heute an die Vergangenheit.

Chris Iseli

Acht Gewerberäumlichkeiten sind auf dem Areal vorhanden. Ein Teil davon ist noch im Edelrohbau. «Die zukünftigen Mieterinnen oder Mieter sollen bei der Umsetzung mitentscheiden können, wie die Lokale aussehen sollen», begründet Büeler. Zwei Gewerbetreibende sind bereits bekannt, es sind eine Coiffeuse und ein Thai-Restaurant. Kasama Stamm ist die Inhaberin des neuen Restaurants in Birrwil. Mitte Juni öffnet das «bkk urban bistro» seine Türen. Nebst traditionell thailändischem Essen gibt es am Morgen auch Gipfeli und Kaffee. Stamm wird zudem über eine grosse Terrasse verfügen können.

So sah die «Färberei» in Birrwil früher aus.

So sah die «Färberei» in Birrwil früher aus.

zvg

Für die restlichen sechs Gewerberäumlichkeiten wünsche man sich unter anderem jemanden, der einen kleinen Shop für Lebensmittel betreiben würde, sagt David Büeler. «Aber wir geben nichts Genaues vor. Insgesamt tut es der Gemeinde sicherlich gut, wenn sie noch zusätzliche Infrastruktur erhält.» Auch wenn die Bauarbeiten bei der «Färberei» weitgehend fertig sind, schreitet der Wohnungsbau in Birrwil weiter fort. Hinter der «Färberei» sind bereits weitere Neubauten von anderen Firmen geplant, wie die aufgestellten Baugespanne zeigen.

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