Die Rede ist von «Bauwahnsinn» und «Bausünden». Das Unbehagen gegenüber der Bautätigkeit und dem damit verbundenen Wachstum in Beinwil am See ist gross. Das ist spätestens offensichtlich, seit sich 2016 die Opposition gegen den Überbauungsplan «Tschuepli» zu formieren begann. Die entsprechende Interessengemeinschaft hat heute über 250 Mitglieder. Sie ist politisch so stark geworden, dass sie vom Gemeinderat noch einmal angehört wird, bevor der Plan demnächst öffentlich aufgelegt wird.

Mit der Überbauung des 1,9 Hektaren grossen Areals etwa 300 Meter oberhalb der Aarauerstrasse (Seetalbahn) könnte Wohnraum für gegen 300 Personen geschaffen werden. Weniger gross (sieben Einfamilienhäuser), aber noch seenäher gelegen ist die «Seehalde», für die der Gemeinderat in absehbarer Zeit den Gestaltungsplan genehmigen wird. Auch hier ist die Opposition seit Jahren gross.

BNO bald Thema an Gmeind

Weder «Tschuepli» noch «Seehalde» haben direkt etwas mit der Gesamtrevision Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland (BNO) zu tun, die seit gestern öffentlich aufliegt (bis 9. April). Indirekt könnten «Tschuepli» und/oder «Seehalde» zum Thema werden, wenn die Gemeindeversammlung voraussichtlich im November die revidierte BNO wird genehmigen müssen. Der Präsident der IG «Tschuepli» hatte unlängst im «Wynentaler Blatt» erklärt, dass Abklärungen und Umfragen ergeben hätten, dass die IG von der Bevölkerung am stärksten unterstützt werde, wenn sie die Auszonung der beiden Gebiete beantrage.

Nur 1,3 Hektaren ausgezont

Bei der BNO-Revision sind die «zu gross dimensionierten Bauzonen» (abschliessender Vorprüfungsbericht des Kantons) das Hauptproblem. Das hängt auch damit zusammen, dass die Einwohnerdichte in der Gemeinde mit den vielen Hanglagen (schlecht geeignet für grössere Mehrfamilienhäuser) vergleichsweise tief ist. Beinwil am See hat 3260 Einwohner (Ende 2018). Das theoretische Fassungsvermögen beträgt rund 4270 Personen. Es liegt 600 Personen über dem Prognosewert.

Der Kanton attestiert dem Gemeinderat, dass er sich darum bemüht hat, die Bauzonen im Rahmen der aktuellen Revision zu reduzieren. Er ist dabei aber nicht über 1,3 Hektaren hinaus gekommen – bei aktuell 131 Hektaren (davon 24,4 unüberbaut). Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens hatte er noch versucht, zwei Liegenschaften an allerbester Lage in Seenähe (südwestlich der Jugendherberge) auszuzonen.

Kanton lobt Gemeinde

Doch stellte sich dann heraus, dass die Gemeinde entschädigungspflichtig geworden wäre. Im abschliessenden Vorprüfungsbericht bringt der Kanton klar zum Ausdruck, dass er die nur 1,3 Hektaren Auszonungen aus fachlicher Sicht für haltbar erachtet. Er lobt die Gemeinde für ihre Bemühungen, mit der neuen Zentrumszone beim Bahnhof den Ortskern zu stärken.

Es wird allgemein erwartet, dass während der Auflage Einsprachen eingehen. Denkbar ist, dass der Landschaftsschutzverband Hallwilersee (LSVH) ebenfalls eine Eingabe macht. Er hat seine Skepsis gegenüber den Seetaler Zonenplanrevisionen bereits zum Ausdruck gebracht.