Brunegg
Gemeindepräsidentin sieht dank Saviva-Zuzug ein Licht am Horizont

Ab Januar agiert die Gastro-Firma vom neuen Hauptsitz in Brunegg aus, wo sie in das ehemalige Lekkerland-Gebäude zieht. Für die Gemeinde könnte dies den lang erhofften Mehrertrag bei den Aktiensteuern bedeuten – zumindest für die nächsten zwei Jahre.

Anja Suter
Drucken
Im ehemaligen Lekkerland-Gebäude in Brunegg richtet die Saviva AG ihren neuen Hauptsitz inklusive Logistikzentrum ein.

Im ehemaligen Lekkerland-Gebäude in Brunegg richtet die Saviva AG ihren neuen Hauptsitz inklusive Logistikzentrum ein.

Florian Wicki

«Als wir hörten, dass die Saviva AG nach Brunegg kommen wird, haben wir gejubelt», sagte die Brunegger Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati am Polit-Apéro am Dienstagabend. Man habe auf eine Schweizer Traditionsfirma gehofft, die ihren Hauptsitz von Regensdorf nach Brunegg verlegt. Mit der Saviva AG, deren Eigentümer die Heba Food Holding aus Lenzburg ist, (dazu gehört unter anderem auch die Traitafina) hat sich diese Hoffnung für Brunegg erfüllt.

Lena Steiner, CEO der Saviva AG, und Stephanie Schaffner, Leiterin der Unternehmensentwicklung, nutzen den Polit-Apéro, um das KMU mit 530 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Anwesenden selbst vorzustellen. Die beiden Frauen betonten ihre Freude über den neuen Standort in Brunegg. «Wir möchten nicht anonym sein, uns ist es wichtig, dass Sie mit Ihren Problem und Fragen zu uns kommen können», sagte Lena Steiner.

Die Saviva AG ist eine Grosshändlerin für die Gastrobranche. Sie bietet Beschaffung, Sortiment, Logistik und Beratungsdienstleistungen aus erster Hand. Unter anderem beliefert die Saviva AG auch die Kioske der Valora mit frischen Sandwiches. Die Firma verfügt über 13 Standorte in der ganzen Schweiz mit zentralen und dezentralen Lagern.

Stephanie Schaffner (links), Unternehmungsentwicklung Saviva AG, und Lena Steiner, CEO der Saviva AG.

Stephanie Schaffner (links), Unternehmungsentwicklung Saviva AG, und Lena Steiner, CEO der Saviva AG.

Anja Suter

Derzeit werden am ehemaligen Lekkerland-Gebäude einige Anpassungen vorgenommen. Ab dem 1. November läuft der Mietvertrag der Saviva AG. Bereits ab Dezember beginnt das Unternehmen mit dem Einräumen der ersten Ware. Ab dem 24. Januar sollte die gesamte Ware vor Ort sein und die Leistungen werden vom neuen Standort her erbracht.

Ab Januar 2022 wird Brunegg zum Hauptsitz für alle Geschäftsbereiche der Saviva AG. Das bedeutet, dass sowohl die Logistik (mit Lager und Transport) als auch das Büro vom neuen Standort aus agieren. Was dies in Zahlen bedeutet, erläuterte Stephanie Schaffner: «Von unseren total 530 Mitarbeitenden werden 240 in Brunegg arbeiten. 35 unserer 200 Fahrzeuge fahren ab Brunegg.»

Die Leiterin der Unternehmungsentwicklung hob auch die positiven Aspekte hervor, die die Saviva AG Brunegg bringt. Unter anderem die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Einbeziehen der lokalen Gastronomie in das Verpflegungskonzept.

Verschiedene Massnahmen gegen das Verkehrsaufkommen und Lärm

Doch auch der Firma ist bewusst, dass sie nicht nur positiven Einfluss auf die kleine Gemeinde hat. Der Betrieb werde zu einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen und damit verbundenen Lärmemissionen führen. Darum wurden vorab Massnahmen getroffen.

So sollen die Mitarbeitenden zu einem grossen Teil auf dem Vianco-Parkplatz auf der anderen Seite der Bahnlinie parkieren. Die Lastwagen werden zudem bis auf einen Sattelschlepper auf dem Gelände parkiert, wodurch es keinen zusätzlichen Verkehr gibt. Und auch die Vorkühlung findet elektrisch und auf der Bahnseite des Gebäudes statt.

«Wir haben der Saviva AG die Lekkerland-Historie ans Herz gelegt», sagte Ruth Imholz Strinati. Damit die Mitarbeitenden bei der Vianco Arena parkieren können, brauche es eine Änderung in der BNO. «Wir sind bereits mit dem Kanton in Kontakt», so die Gemeindepräsidentin.

Um die Sicherheit für die Mitarbeitenden zu erhöhen, die zu Fuss vom Parkplatz zur Saviva AG gelangen, sei zudem geplant, Tempo 30 schon vor dem Tunnel einzuführen. «Ab der Höhe der Bushaltestelle», präzisierte Imholz Strinati.

Steuerfuss bleibt in Brunegg bei 105 Prozent

Imholz Strinati betonte auch, wie wichtig der Zuzug der Saviva AG für Brunegg ist. «Wenn wir mehr Aktiensteuern möchten, müssen wir dem Gewerbe Hand bieten.» Denn auch das Budget 2022 basiert auf einem Aufwandüberschuss von 281'939 Franken (im Vorjahr 527'314 Franken) bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 105 Prozent.

Brunegg wird 2022 das erste Mal Geld vom Finanzausgleich erhalten. «Das ist gut – aber auch grottenschlecht.» Sie sei aber vorsichtig optimistisch, sagte die Gemeindepräsidentin. «Die Aktiensteuern sind nach wie vor das Hauptproblem, wir sehen aber ein Licht am Horizont.» Wie lange die Saviva AG in Brunegg bleiben wird, steht derweil noch in den Sternen. Die Firma hat nicht nur in Brunegg Baugesuchsunterlagen eingereicht, sondern auch in Lenzburg (AZ vom 25.05).

Dabei handelt es sich um den ehemaligen «Office Depot»-Komplex neben der Traitafina. «Auch das Projekt in Lenzburg wird weiterverfolgt», so CEO Lena Steiner. «Für die nächsten zwei Jahre sind wir sicherlich in Brunegg, aber der Standort ist von der Grösse nicht optimal.» Wie es dann mit dem Standort in Brunegg weitergehe, sei derzeit jedoch noch völlig offen.

Brunegger Gemeinderat rät von «Wasser 2035» ab

Das Grossprojekt «Wasser 2035» soll die Wasserversorgung der Region Reusstal und Bünztal langfristig sichern. Initiiert wurde das Projekt durch IB Wohlen AG. Es sieht vor, die bestehende Wassertransportleitung durch das Bünztal mit einer neuen Leitung durch das Reusstal zu einem «Wasserring» zu ergänzen. Damit erhalten alle 24 am Projekt beteiligten Gemeinden und Wasserverbände Anschluss an das Grundwasserpumpwerk Hard II bei Niederlenz und damit an die Grundwasserströme des Aaretals und des Seetals. Wegen der steigenden Bevölkerungszahl und des erhöhten Wasserbedarfs der Landwirtschaft werde das Wasser in der Region mittelfristig knapp. Für den sicheren Betrieb des Systems ist geplant, dass die teilnehmenden Wasserversorgungen eine Interkommunale Anstalt (IKA) gründen. Diese funktioniert ähnlich wie ein Gemeindeverband und wird vom Kanton beaufsichtigt. Der Beitritt zum IKA ist mit variablen und Fixkosten verbunden. Für Brunegg bedeutet dies unter anderem ein Dotationskapital von 90'000 Franken, ein Mitgliederbeitrag von 1 Franken pro Einwohner pro Jahr (momentan 878 Einwohner) und eine Haftungsquote von 225'000 Franken. «Wasser 2035 wird nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Bezüger teurer», sagt Vizepräsidentin Beatrice Zandonella Klingele. Der Gemeinderat sei sehr skeptisch. Der Ring wäre für Brunegg nur als drittes Standbein neben Othmarsingen und Birr interessant. «Gegenwärtig sind wir daran, den Wasserlieferungsvertrag mit Othmarsingen zu erneuern.» Parallel dazu möchte die Gemeinde sich auch an die Rewa Brugg-Windisch anschliessen, um den Wasserbezug über Birr weiterhin zu gewährleisten. Der Anschluss an den Ring sei zudem auch nach dem Bau noch möglich. «Die Kosten dürften in einem ähnlichen Rahmen liegen.» Darum sei der Gemeinderat der Meinung, man solle abwarten, und empfiehlt das Geschäft, das an der Wintergmeind traktandiert ist, zur Ablehnung. (asu)

Aktuelle Nachrichten