Bundesfeier Dintikon

«Dä muess eifach abe!»: Schwinger Nick Alpiger Optimismus fürs Eidgenössische

Ein feines Näschen bewies der Dintiker Gemeinderat dieses Jahr: Er buchte Alpiger Nick, den Mann der Stunde im Schwingsport, sicher im Aargau, in der Nordwestschweiz, im Moment an Krücken, und auch die Innerschweizer wissen von diesem starken Staufner ein Liedchen zu singen. Oder spucken noch heute Sägemehl.

Alpiger reiht sich ein in die Reihe prominenter Redner im «schönsten Dorf zwischen Rheinfelden und Ascona». Wenn man die richtige Strasse erwische. Das sagt Gemeindeammann Ruedi Würgler augenzwinkernd. «2006 hatten wir Renzo Blumenthal, den Mister Schweiz», so Würgler, damals Gemeinderat und seit 2010 Ammann des «SVP-Dorfes» mit 2260 Einwohnern.

Und schmunzelnd fügt er hinzu, dass auch Ueli Maurer (ebenfalls an Stöcken!) und Christoph Blocher in Dintikon gesprochen hätten, bevor sie Bundesrat wurden. Sein messerscharfer Schluss: Einem Auftritt in Dintikon folgt ein Karriereschritt. Ergo wird Alpiger Nick Schwingerkönig. «Kann ja auch in drei Jahren noch sein, wenns dieses Jahr nicht klappt», meint der Ammann. Oder später: Alpiger wird dieses Jahr am Tag vor St. Nikolaus erst 23.

Gut 200 Personen haben den Weg zum Holzhof der Ortsbürgergemeinde gefunden, wo die Bundesfeier samt Höhenfeuer im Zeichen der Tradition steht. Schwingen als Nationalsport. Und nicht nur Bier und Gärmost werden den Gästen an den Festbänken von den Feldschützen in der Glasflasche serviert, auch das Rivella.

Ruedi Würgler stellt Alpiger Fragen, und es entwickelt sich ein kurzweiliges Gespräch. Der Mann, der mit Schuler Christian am Innerschweizer Schwingfest in Flüelen im Schlussgang kurzen Prozess machte, mit einem «Lätz», macht nichts verkehrt. Mit launigen Kommentaren zum störanfälligen Mikrofon des Interviewers hat er das Publikum im Sack.

Wie geht es dem «Oberschenkel der Nation»?

Wie es dem «Oberschenkel der Nation» gehe, will Würgler wissen. Auf dem Weissenstein vor zehn Tagen hat Alpiger sich bekanntlich verletzt. Der Schwinger in der Toggenburger Tracht klingt optimistisch: «Ich bin mit der Physio jeden Tag dran; das Ziel ist Zug.» Am 25. August wird da der neue Schwingerkönig gekürt.

Natürlich habe ihn die Verletzung aus der Bahn geworfen, sagt Alpiger. Doch aufgeben oder jammern zählt nicht. Typisch Schwingen. «Lebenseinstellung, Lebensschule», sagt Alpiger Nick, und er streicht die Bedeutung der Familie, des ganzen Umfeldes heraus. Er machts nicht mit Grösse und Gewicht; sein Trumpf ist die Technik. Dünn und klein sei er als Jugendlicher gewesen, sagt er. Seinen ersten Kranz gewann er 2013 mit 1,76 Metern Körpergrösse und knapp 80 Kilo Gewicht. Heute misst er zehn Zentimeter mehr und wiegt 98 Kilo.

Ein Sack mit Innerschweizer Sägemehl

Fairness, Respekt, Anstand. Das zeichne das Schwingen aus und «grundsätzlich auch den Schweizer». Er lerne am meisten aus Niederlagen: Wo liegt der Grund? Das Kämpfen gegen unterlegene Gegner im Klub bringe auch ihm etwas: «Ich muss nicht meine stärkste Waffe einsetzen, kann andere üben.»

Im Namen zahlreicher Fans und Freunde überreicht Jürg Wüst aus Möriken Alpiger Sägemehl vom Innerschweizer Schwingfest. Und die geklaute und nun verzierte Siegerhose. Vom Ammann erhält er lokale Köstlichkeiten, bevor zur Nationalhymne alle aufstehen. Immerhin der Refrain scheint allen ab der zweiten Strophe bekannt zu sein.

Doppelt traditionell wirds am 25. August auf dem Lindenhof in Dottikon zugehen: Public Viewing des Eidgenössischen mit Jassen. Und wen wünschte sich Alpiger für einen eventuellen Schlussgang in Zug? Das spiele keine Rolle, «dä muess eifach abe!»

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