Rupperswil
Das «Länzerthus» hatte eine Corona-Welle mit Todesfällen zu bewältigen – was ist passiert?

Eine Bewohnerin hat das Virus aller Wahrscheinlichkeit nach vom Spital ins Rupperswiler Alters- und Pflegeheim eingeschleppt. Innerhalb weniger Tage sind 18 Bewohnerinnen und Bewohner erkrankt, die meisten aus dem näheren Umfeld der erstinfizierten Person.

Ruth Steiner
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Verwaltungsratspräsident Roland Huggler.

Verwaltungsratspräsident Roland Huggler.

SB (25.3.19

Am Mittwoch hatte sich das Alterszentrum Obere Mühle (AZOM) in Lenzburg von der verbreiteten Meinung distanziert, dass die Altersheime im Zusammenhang mit der Pandemie gewissermassen zur Todesfalle geworden sind. AZOM-­Zentrumsleiter Michael Hunziker betonte, dass kein einziger der 35 Todesfälle im Lenzburger Alterszentrum seit Ausbruch von Corona auf das Virus zurückzuführen ist.

Im Alters- und Pflegeheim Länzerthus in Rupperswil durfte man dieses Glück lange mit den Lenzburgern teilen. Doch im letzten Herbst passierte etwas, womit die «Länzerthus»-Verantwortlichen nicht gerechnet hatten, wie Verwaltungsratspräsident Roland Huggler erklärt. Eine Corona-­Welle schwappte über das «Länzerthus» und führte zu Todesfällen. Huggler möchte die genaue Zahl nicht nennen, spricht jedoch von «Todesfällen mit Corona im einstelligen Bereich».

Was ist passiert? «Eine Bewohnerin ist an Corona erkrankt, unmittelbar nachdem sie von einem Aufenthalt im Kantonsspital Aarau zurückkehrte. Wir müssen also davon ausgehen, dass die Frau das Virus aus dem Spital ins Alters- und Pflegeheim eingeschleppt hat», sagt Huggler. Innerhalb weniger Tage seien 18 Bewohnerinnen und Bewohner erkrankt, die meisten aus dem näheren Umfeld der erstinfizierten Person. «Die Verantwortlichen haben umgehend gehandelt und die betroffene Abteilung vollständig isoliert», erklärt Hugg­ler.

Die Isolation dauerte vom 11. November bis am 12. Dezember 2020. Dann konnte sie wieder aufgelöst werden. Auch von den 150 Mitarbeitenden hätten sich 21 mit dem Virus infiziert. «Aktuell sind alle gesund, weder unter den Bewohnern noch unter den Mitarbeitenden gibt es positiv Getestete.» Im «Länzerthus», so Huggler, sei man sich der Verantwortung gegenüber den nicht betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern durchaus bewusst gewesen.

Deren soziale Kontakte sollten nicht beeinträchtigt werden durch die Situation. «Für jene, die im Umfeld der positiv getesteten und erkrankten Personen leben, haben wir rasch eine Lösung gesucht, damit diese ihre Angehörigen trotzdem sehen konnten und bestmöglich geschützt waren», erklärt der Verwaltungsratspräsident. Zwei Räume wurden in Besuchszimmer umfunktioniert. Dort konnten sich je zwei Personen persönlich treffen, getrennt durch eine Plexiglasscheibe.

Alle Besucher müssen sich im «Länzerthus» einem strengen Anmeldeprozedere unterziehen, welches eine Selbstdeklaration beinhaltet. Und Fiebermessen. Und die Besuchszeit ist beschränkt: Täglich, von 13 bis 17 Uhr, während maximal einer Stunde dürfen zwei Angehörige oder nahestehende Personen ihre Liebsten besuchen.

«Corona fordert den Mitarbeitenden alles ab», sagt Hugg­ler und windet ihnen ein Kränzchen. «Obwohl alle an ihre Grenzen kommen, ist eine grosse Bereitschaft vorhanden, Ausfälle von Kollegen zu kompensieren und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.»

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