Lenzburg

Das Mitwirkungsverfahren ist kein Freipass für Luftschlösser

Blick vom Schloss Lenzburg auf die Stadt

Blick vom Schloss Lenzburg auf die Stadt

Analyse zum Mitwirkungsverfahren für die Räumliche Entwicklungsstrategie (RES) Lenzburg: Die Stadtgrenze setzt einer Vergrösserung in die Breite klare Schranken. Künftiges Wachstum kann nur mit Verdichten und höheren Gebäuden realisiert werden.

Soll auch im Lenzburg der Zukunft das Schloss als das herausragende Wahrzeichen bestehen bleiben, oder sollen gezielte Hochbauten weitere «Landmarker» sein? Klar ist: Die Stadtgrenze setzt einer Vergrösserung in die Breite klare Schranken. Künftiges Wachstum kann nur mit Verdichten und höheren Gebäuden realisiert werden.

Bevor man sich an die Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) und damit die aktuell 9000 Einwohner zählende Stadt für 12 000 Bewohner fit macht, soll mit einem Strategiepapier die Stossrichtung für die städtebauliche Entwicklung festgelegt werden. Die BNO ist das Planungs-Instrument für die ökonomisch und ökologisch sinnvolle Nutzung des städtischen Baugebiets und sorgt für eine zweckmässige Durchmischung von Wohnen, Arbeiten und Erholen.

Der Stadtrat hat das einzig Richtige gemacht: Er hat die Bevölkerung in den Prozess eingebunden. In vier Workshops wurde in den vergangenen zwei Monaten intensiv darüber debattiert, wo näher zusammengerückt werden muss und wo einzig die Flucht in die Höhe bleibt. Diskutiert wurde zudem die Frage, wie die derzeit holperige Bahnhofstrasse zu einer pulsierenden Lebensader der Stadt wachsen könnte. Und: Wie kann die weitere Urbanisierung in einem ökologisch vertretbaren Mass durchgeführt werden? Das heisst: Wo und wie kann Raum für naturnahe Erholung geschaffen und erhalten werden?

Die Mitwirkung hat so ihre Tücken

Klar ist es schön, wenn ungeachtet von bestehenden Auflagen, wie dem kantonalen Richtplan, der regionalen Planung (Lebensraum Lenzburg Seetal) dem Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) und unabhängig von finanziellen Konsequenzen Ideen gebündelt werden dürfen: Die Vorschläge, den Aabach als Flussbad ins Schwimmbad Walkematt einzubetten oder auf dem Gofi ein Hochhaus zu bauen, sind jedoch wenig realistisch und gehören in den Bereich der Luftschlösser. Das kann in der Bevölkerung die unnötige Haltung schüren, dass alles möglich sei. Jedoch selbst dann, wenn derartige Anregungen eher unterhaltenden Charakter haben, so haben sie in einem Entwicklungsprozess durchaus ihre Legitimation. Nicht selten sind es gerade solch kreative Exkurse, die schliesslich den Weg für gangbare Lösungen ebnen.

«Es besteht Spielraum, Erkenntnisse aus den Diskussionsforen aufzunehmen» (az 16. 4.)Mit Luftschlössern ist in Lenzburg wohl auch künftig nicht zu rechnen. So hat Stadtplanerin Helen Bisang bereits an der Informationsveranstaltung im Februar deutlich festgehalten: «Aufgrund der topografischen, baulichen und freiräumlichen Voraussetzungen und der Gemeindegrenzen sind nicht unbeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten gegeben.». Bisang kontert jedoch die Kritik, dass die vier Workshops lediglich Alibizwecken dienten und die strategische Ausrichtung bereits in der Schublade stecke. Sie sagt: «Es besteht Spielraum, Erkenntnisse aus den Diskussionsforen aufzunehmen» (az 16. 4.).

Tatsache ist: Die angestrebten 11 000 bis 12 000 Einwohner können mit der aktuellen BNO erreicht werden. Kräftigen Schub in diese Richtung verleihen die Bauten entlang der Ammerswilerstrasse und im neuen Quartier «Im Lenz». Wenn die Rede von Entwicklungsperspektiven bis 2030 ist, so geht es bei der Diskussion um das Bevölkerungs-Wachstum, das die Zahl 12 000 übersteigt.

Bedenkenträger des Wachstums halten sich noch bedeckt

Lenzburg schafft nun die Voraussetzungen für seine künftige Entwicklung. Jetzt wird die Suppe eingebrockt, welche die Nachkommen künftig auszulöffeln haben. Wichtig ist, dass diese nicht zu heiss gekocht wird. Planer sollen nicht nur sich selber verwirklichen, die Häuser müssen auch gefüllt werden. Verdichtetes Bauen birgt die Gefahr der Gettoisierung. Auch dieser Aspekt muss berücksichtigt werden. Und: In einer Stadt, wo die Häuser näher zusammenrücken, ist es umso wichtiger, Grünraum zu erhalten und wenn nötig, neuen zu schaffen.

An den Workshops gefehlt haben die notorischen Skeptiker einer Urbanisierung. Sie haben eine grosse Chance für die Mitsprache ungenutzt verstreichen lassen. Doch wird man auch von ihnen ganz bestimmt noch hören. Spätestens dann, wenn es das eigene Quartier betrifft. Heutzutage ist es oft die persönliche Betroffenheit, die darüber bestimmt, was akzeptiert wird und was nicht.

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