Seetal

Der Feldhase soll überleben

Die Feldhasen sind auf der Flucht: Mit gezielten Massnahmen will man in der Region den Bestand wieder erhöhen.

Die Feldhasen sind auf der Flucht: Mit gezielten Massnahmen will man in der Region den Bestand wieder erhöhen.

Ein Pilotprojekt der Stiftung Wildtiere Aargau ergreift zusammen mit der Landwirtschaft Massnahmen zur Hebung der schrumpfenden Bestände.

«Gerade jetzt sind die Osterhasen in den Grossverteilern und Bäckereien noch die einzigen Hasen, die die Leute zu Gesicht bekommen.» Thomas Laube, Präsident der Stiftung Wildtiere Aargau des Aargauischen Jagdschutzvereins, tönt mit diesem Satz an, dass es nahezu unmöglich geworden ist, in der Region einen richtigen lebendigen Feldhasen zu erspähen.

Angesichts des «dramatischen Rückgangs der Bestände in der Region» (vgl. Grafik rechts) lancierte Laubes Stiftung das «Pilotprojekt Feldhasen-/Feldlerchenförderung Lenzburg-Seetal». Interessierten Vertretern aus Gemeinden, Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz wurden in der Seenger «Roos» Details des Projekts präsentiert.

Eigentlich gute Voraussetzungen

Projektleiter Werner Werder, der einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe vorsteht, will mit Sensibilisierungsaktionen und vertraglich fixierten konkreten Vorkehrungen mit Landwirten erreichen, dass «der Feldhase nicht still und leise aus unserer Region verschwindet». Vieles rund um den Hasen ist noch unklar, weshalb Werder den Zuhörern nicht sagen konnte, «ob es ‹5 vor 12›, ‹12› oder gar ‹5 nach 12› ist».

Das nun angelaufene Projekt wurde indirekt ausgelöst durch die Anfrage des Grünliberalen Daniel Fischer im Lenzburger Einwohnerrat. Die Stadt gab die Frage nach dem Verbleib der Feldhasen an die Landschaftskommission der Kerngruppe Regionalplanung des Gemeindeverbandes «Lebensraum Lenzburg Seetal» weiter. Diese stellte den Kontakt zur Stiftung Wildtiere her.

Der Raum Lenzburg-Seetal ist auch deshalb interessant, weil hier, wie Werder ausführte, die «Voraussetzung für den Feldhasen eigentlich gegeben sind». Die hohen Populationen von 46 und 50 Hasen, die im Jahr 2001 in den Revieren Seengen und «Seon-Staufen» gezählt wurden, sind ein deutliches Indiz. Aktuell ist der Bestand fast überall auf Null gesunken. «Die Jäger sind sicher nicht schuld», so Werder. Die Waidmänner verzichten seit langem freiwillig auf die Bejagung der Hasen.

Lockere Getreidefelder nützen

Darius Weber, Wildtierbiologe und führender Schweizer Hasenspezialist aus Rodersdorf SO, hielt fest, dass sich selbst die Wissenschaft noch nicht sicher ist, welche Details zur Reduktion der Hasenzahl führte und wie mit Sicherheit Gegensteuer gegeben werden kann. Gemäss einer neuen Erkenntnis hilft die für viele andere Tiere nützliche Biodiversitätsförderung in der Landwirtschaft den Hasen nicht: «Hecken schaden!»

Europäisch betrachtet nutzen den Hasen sogar intensiv genutzte Agrarflächen – wenn gewisse Regeln beachtet werden. Hier will man nun auch den Hebel im Seetal ansetzen. In den zwei Gebieten «Schafisheim-Staufen» und «Schlatt» (Gemeinden Seon, Egliswil, Hallwil) will man Landwirte motivieren, Felder «hasenfreundlich» zu bewirtschaften.

Konkret sind bei Getreidefeldern Reihen bei der Ausssaat auszulassen, damit die Hasen, vor allem die am meisten gefährdeten Jungtiere, besser zirkulieren können. Buntbrachen sind nicht an Weg-, Wald- und Siedlungsränder zu legen, wo sich Haustiere (Hund und Katze) schnell zu den Raubtieren (Fuchs, Greifvögel) gesellen können.

Im «Schlatt» hat man für dieses Jahr bereits Verträge über 6 Hektaren abgeschlossen, «Schafisheim-Staufen» soll folgen. Die Landwirte werden für allfällige Ertragsausfülle vom Kanton entschädigt. Ob und wie stark die Massnahmen wirken, wird laufend überprüft. Mitte 2020 wird ein erstes Mal über Abbruch oder Weiterführung des Projekts entschieden.

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Autor

Fritz Thut

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