Staufen
Der «Freihof» wird abgerissen: Büezer-Beiz weicht Business-Appartements

Das Restaurant Freihof an der Kantonsstrasse zwischen Hunzenschwil und Lenzburg wird abgerissen und durch einen Neubau mit 15 1-Zimmer-Wohnungen und zwei Gewerbeflächen ersetzt.

Samuel Schumacher
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Der «Freihof» wird abgerissen und durch 15 1-Zimmer-Wohnungen ersetzt. (SAS)

Der «Freihof» wird abgerissen und durch 15 1-Zimmer-Wohnungen ersetzt. (SAS)

Samuel Schumacher

Die Proben für das Freilichttheater «Ueli de Chnächt 2016» in Staufen laufen auf Hochtouren. Doch während das Gotthelf’sche Knechtenstück auf den Theaterbühnen auflebt, hat die Staufner Arbeiterkultur im wahren Leben eine schweren Stand. Mit dem Restaurant Freihof schloss Ende des vergangenen Jahres die letzte richtige Büezer Beiz. Vor allem bei LKW-Fahrern war das Restaurant direkt an der Kantonsstrasse zwischen Hunzenschwil und Lenzburg beliebt. Günstige Menüs, schneller Service und ein riesiger Parkplatz, von dem die Lastwagenfahrer ohne Wendemanöver wieder losfahren konnten: 30 Jahre lang hatte der Familienbetrieb «Freihof» mit diesem Rezept Erfolg.

_Wohnungen für Kinderlose

Nach 13 Jahren als Wirtin hat Dora von Känel die Tore nun aber endgültig geschlossen und das Grundstück an die Zuger Bauunternehmung Thavo Immobilien AG verkauft. Wieso die Wirtin das Handtuch schmiss, wollte sie gegenüber der az nicht sagen. Klar ist aber: Die Innerschweizer Bauunternehmer wollen den Freihof abreissen und auf dem Areal einen Flachdachbau mit 15 1-Zimmer-Wohnungen, einer Tiefgarage und zwei Gewerbeflächen im Erdgeschoss realisieren. Thavo Immobilien schreibt im Baugesuch (liegt bis zum 8.2. auf der Gemeindeverwaltung Staufen auf), dass man sich wegen der lärmigen und verkehrsreichen Lage bewusst gegen Familienwohnungen und für Wohnungen für eine «kinderlose Klientel» entschieden habe. Wer in die beiden Gewerberäume im Erdgeschoss einziehen soll, ist noch unklar. Die Bauprofile für den geplanten Neubau stehen bereits. Der «Freihof» ist bis auf eine fahl leuchtende «Feldschlösschen»-Werbetafel, einen Weihnachtsstern auf dem Bartresen und einen angestaubten Elefantenfuss auf dem Fenstersims leergeräumt.

Beizenrückgang unaufhaltbar

Der Staufner Gemeindeammann Otto Moser bedauert, dass die Beiz geschlossen wurde. «Mit dem ‹Freihof› wird auch ein Stück Dorfgeschichte abgebrochen. Der Beizenrückgang in der Region ist offensichtlich ein Trend, der sich kaum aufhalten lässt.» Immerhin hätten die Staufner mit dem Restaurant Zur Linde und dem «Sternen» aber zwei gute Alternativen im Dorf.

Den Camionneuren, die im «Freihof» zum Zmittag einkehrten, bringt das allerdings wenig. In der kurvenreichen 30er-Zone im Dorfzentrum haben sie nichts verloren. Und die Suche nach einem valablen «Freihof»-Ersatz entlang der Kantonsstrasse bleibt vorerst erfolglos.