Es riecht nach frischem Brot und ein zarter Hauch von Schokoladenduft liegt in der Luft. Die Bäcker Daniel Hächler (30) und sein Vater Max Hächler (70) sitzen am Tisch, blättern in der Jubiläums-Schrift «Bäckerei Hächler» und erzählen von ihren Umbauplänen, mit denen der Familienbetrieb für die Zukunft gerüstet werden soll: «Wo heute der Teig geknetet wird und die Croissants gerollt werden, wird in gut zwei Jahren Kaffee und Tee serviert.»

Aus der Backstube an der Poststrasse 4 wird ein Café. Gebacken wird künftig in einem neuen Gebäude mit einer Fassade aus Holzschindeln. Dieses kommt gleich hinter dem heutigen Verkaufslokal zu stehen. Der Eingang des Lokals bleibt, nur das Innere wird etwas grösser. «Der Verkaufs- und Cafébereich sind getrennt und ein Durchgang wird sie verbinden», erklärt Daniel Hächler. 1987 wurde die Bäckerei das letzte Mal erweitert und aus der ehemaligen Scheune das heutige Wohn- und Geschäftshaus gebaut.

Baubeginn im Herbst 2019

Nun stehen Vater und Sohn vor einem neuen Projekt. «Ich bin extrem froh, das Umbau-Projekt mit meinen Vater realisieren zu können. Wir unterstützen uns gegenseitig und vernachlässigen so den Betrieb nicht», sagt Daniel Hächler. Es wird ein bedientes Café, in dem Kaffee- und Teegenuss an oberster Stelle steht. Zusätzlich wird ein verfeinertes Patisserie-Sortiment angeboten. Auf der Karte werden Wähen, saisonale Salate und Suppen stehen. Daneben wird auch das bestehende Sortiment wie Sandwiches und Canapés angeboten. Und natürlich ihre hausgemachte Glace.

Es hat 45 bis 50 Plätze. «Wir möchten eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, die die Leute zum Verweilen einlädt», sagt Daniel Hächler. Dafür haben die Hächlers eigens eine Innenarchitektin aus Zürich beauftragt. Auf der Rückseite des Verkaufslokals werden zudem 35 neue Parkplätze gebaut. Diese stehen dem angrenzenden Wohnhaus mit fünf Mietwohnungen und den Kunden zur Verfügung.

«Unsere Produktion werden wir aber nicht gross expandieren», erklärt der 30-jährige Bäcker. So kommen in die neue Produktionsstätte auch nicht Riesenmaschinen, sondern einfach ein neuer Ofen, in dem weiterhin auf Schamottstein gebacken wird, und eine neue Kühlanlage. Ansonsten wird weiter mit den Händen gearbeitet. Baubeginn ist für den Herbst 2019 geplant. Eröffnung wird voraussichtlich im Frühling 2021 gefeiert. In Seengen, entlang der Poststrasse, soll eine Flaniermeile entstehen, wo sich die Leute mit frischen Waren eindecken können, so die Vorstellung von Daniel Hächler. «Ich finde die Poststrasse sehr attraktiv: angefangen bei der Metzgerei Rebstock bis zur Käserei Chäs Paradies, und dann hat es auch noch die ‹Bären›-Lounge.» Dazwischen, so Daniel Hächler mit einem Augenzwinkern, deckt man sich bei uns noch mit einem frischen Brot ein.

144 Jahre Bäckerei Hächler

Der Grundstein für die Bäckerei Hächler legte Ludwig Hächler II. Im Frühling 1875, vor 144 Jahren, eröffnete er die erste Bäckerei an der Poststrasse in Seengen. Und seither wird sie von Generation zu Generation weitergeführt. «Dank den richtigen Entscheidungen meiner Vorfahren gibt es uns heute noch», sagt Daniel Hächler zufrieden.

1976 übernahmen Max Hächler und seine Frau Heidi die Bäckerei-Konditorei. In den letzten 40 Jahren beaufsichtigte er einen Geschäftsumbau und eröffnete eine zweite Filiale in den ehemaligen Geschäftsräumen der Bäckerei Wolleb in Gränichen. Zudem stand er täglich in der Backstube.

Heute ist Max Hächler der Verwaltungsratspräsident der Hächler AG und sein Sohn Geschäftsführer. Der Betrieb soll schrittweise an ihn übergeben werden. Mit Daniel Hächler steht bereits die sechste Generation im Familienbetrieb. «Ich bin stolz, dass mein Sohn das Geschäft übernehmen wird. Und es erfüllt mich mit Stolz, dass unsere Kunden nach all den Jahren immer noch zufrieden sind mit unseren Backwaren», sagt Max Hächler.

Vergessene Rezepte

Daniel Hächler hat schon in seiner Kindheit in der Backstube gespielt und hie und da frisch produzierte Pralinen genascht. Trotzdem wusste er in seinem letzten Schuljahr nicht recht, was er in seinem Leben machen möchte. Er entschied sich, eine Bäckerlehre zu absolvieren. Danach ging er, wie schon seine Vorfahren, auf «Wanderjahre». Er arbeitete in verschiedenen Regionen der Schweiz und vertiefte so sein Handwerk:« Ich hatte hervorragende Bäckermeister, die mir die Freude am Beruf vermittelten.»