Brestenberg

Die «Brestenberg»-Badi wird wachgeküsst: Grünes Licht für ein neues Gebäude

Für den Seenger Gemeindeammann Jörg Bruder ist die Sanierung der «Brestenberg»-Badi eine Herzensangelegenheit.

Für den Seenger Gemeindeammann Jörg Bruder ist die Sanierung der «Brestenberg»-Badi eine Herzensangelegenheit.

Die Nachkommen von Bruno Stefanini haben dem Gemeinderat Seengen grundsätzlich grünes Licht für ein Infrastrukturgebäude gegeben.

In der jahrzehntelangen Trauergeschichte rund um den Brestenberg in Seengen zeichnet sich ein Durchbruch ab. Möglich gemacht hat dies eine personelle Veränderung an der Spitze der Stiftung «Kunst Kultur und Geschichte». Mitte Dezember ist im Alter von 94 Jahren der Stifter Bruno Stefanini gestorben. Ein eigenwilliger Unternehmer, der zuerst den «Brestenberg» retten wollte, ihm dann aber die Liebe kündigte. Seit 1993 ist nicht mehr viel passiert, das ganze Areal faktisch in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die Gemeinde verhindert, dass die Seebadi völlig verkommt – in einem vertragslosen Zustand. Das einsturzgefährdete Blockhaus wurde abgerissen (Mitte der Neunzigerjahre), das Wahrzeichen, eine kranke, 150-jährige Buche, gefällt (1994). Es hat heute ein ToiToi und das Areal wird in den Sommermonaten vom Bauamt täglich gereinigt. 

Der «Brestenberg» hat für viele Seenger einen hohen emotionalen Wert. Aber auch für viele Freunde des Hallwilersees. Darum hat der Gemeinderat die Chance gepackt, die sich nach dem todesfallbedingten Wechsel in der Führung der Stiftung ergab. Neu haben die beiden Stefanini-Kinder Bettina und Vital die Entscheidungsgewalt. Es fand ein erstes Treffen statt. Dieses sei, so Gemeindeammann Jörg Bruder, konstruktiv und vielversprechend gewesen. Man habe einen ersten Erfolg verzeichnen können, auf den der Gemeinderat sehr stolz sei.

Projekt hat für den Gemeinderat hohe Priorität

Dabei geht es nicht um das Schloss, sondern um das Strandbad, das auch zum Brestenbergareal gehört und sich nicht – wie viele meinen – im Eigentum der Gemeinde Seengen befindet. Die Grundeigentümerin, die Tonarag AG, hat der Einwohnergemeinde Seengen unter Vorbehalt mehrerer Bedingungen ihre grundsätzliche Zustimmung zur Realisierung eines einfachen, zweckmässigen und auf den Badebetrieb abgestimmten Infrastrukturgebäudes erteilt.

Der Gemeinderat ist willens, die Sache mit hoher Priorität voranzutreiben. «Wir haben uns unter grossen Druck gesetzt», erklärt Jörg Bruder. Das Projekt soll raschestmöglich umgesetzt werden. In einem nächsten Schritt sind die Details mit der Grundeigentümerin zu klären. Dabei geht es zur Hauptsache um die Vertragsform und um das Vorgehen, das zu einer möglichst schnellen Realisierung des Projekts führt. Im Rahmen der Planung werden auch die Interessen und Vorgaben von verschiedenen Organisationen und Amtsstellen zu berücksichtigen sein. Im Sommer 2020 soll die Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit genehmigen, 2021 («allenfalls früher») einen Baukredit.

Einstöckiger Bau mit WC, Garderoben und Kiosk

Es soll im Prinzip das «Projekt 1991» neu geplant werden. Dasjenige Projekt, für das es einen Baukredit gab und einen Pachtvertragsentwurf mit der Grundeigentümerin. Das Projekt scheiterte dann aber aufgrund der ablehnenden Haltung von Bruno Stefanini. Konkret soll dort, wo einst die Blockhütte stand (heute nur noch die Bodenplatte aus Beton) ein einstöckiger Bau entstehen.

Mit Garderoben, Duschen, WC-Anlagen und einem einfachen Kiosk. Zudem soll das ganze Areal leicht saniert, sein Charakter mit den Feuerstellen aber beibehalten werden. Strom- und Wasseranschlüsse gibt es bereits, das Abwasser ist kein Problem, weil unmittelbar oberhalb der Badi der Sammelkanal von Meisterschwanden in Richtung ARA Hallwilersee durchläuft. Es ist kein Ausbau von Zufahrtstrassen geplant, Parkplätze sind östlich des Schlosses vorhanden (106 Plätze, seit 2015 kostenpflichtig).

Badi soll auch in Zukunft für alle gratis sein

Seengen verfügt über fünf Badis: Neben dem Strandbad Brestenberg das Frauen-, das Männer- und das Kinderbad sowie das Dornisbad. Die Benutzung ist bei allen gratis. Das soll auch so bleiben. Beim «Brestenberg» ist nach der Investition weder eine Aufsicht (Bademeister) noch ein Eintritt vorgesehen. Die künftige «Brestenberg»-Badi wird wohl auch weiterhin durch das Bauamt Seengen gereinigt und unterhalten. Sie wird die viertgrösste Badi am Hallwilersee sein (nach Beinwil, Meisterschwanden und Tennwil) – einfach gratis. Bis es so weit ist, sind noch ein paar Hürden zu meistern. Am Willen des Gemeinderats Seengen wird es nicht fehlen.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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