Seengen

Die goldene Zeit der Erdbeerernte: Auf Aargauer Feldern herrscht Hochbetrieb

Seit Ende April stehen Erntehelferinnen wie Naemi Weber und Mariann Christen auf den Feldern der Familie Siegrist in Seengen und pflücken schon ab halb sechs Uhr morgens Erdbeeren. Das Ernten der Früchte geschieht manuell. Jede Erdbeere wird von Hand bewertet und geerntet.

In der Schweiz werden gemäss dem Schweizer Bauern im Durchschnitt jährlich 23'000 Tonnen Erdbeeren konsumiert. Die roten Beeren sind beliebt und werden oft bei den Hofläden in der Region gekauft. In Seengen, im Hofladen von Christa Siegrist und ihrer Familie, kosten 500 Gramm Erdbeeren fünf Franken. Wer am Nachmittag beim Hofladen ein Schälchen der roten Früchte kauft, isst Erdbeeren, die am Morgen noch auf dem Feld an der Staude hingen und von einem professionellen Erdbeerernter gepflückt wurden.

Damit die frischen Erdbeeren täglich rechtzeitig im Hofladen eintreffen, beginnen die Ernter früh mit ihrer Arbeit. «Tagwacht auf dem Feld ist immer um halb sechs Uhr in der Früh», sagt Siegrist. Gearbeitet wird ungefähr bis zwölf Uhr, aber nicht länger. «Die Erdbeeren müssen frisch und kühl sein. Zudem ist Pflücken auch Kopfarbeit, nach sechs Stunden lässt die Konzentration nach», so Siegrist. Auf den beiden Feldern arbeiten zur Hochsaison jeweils 30 Person. Als Erntehelfer bewerben kann sich jeder, Ausdauer und Konzentration sind jedoch gefragt. «Viele Erntehelfer sind schon seit Jahren dabei», sagt Christa Siegrist. «Die Arbeit auf dem Feld ist jedoch hart und wird oft unterschätzt.»

Auch faule Erdbeeren müssen gepflückt werden

Wer Erdbeeren professionell ernten möchte, hat einige Punkte zu beachten: «Die Erdbeeren werden immer am Stiel gepflückt, die Frucht wird dabei nicht berührt», erklärt Siegrist. Das gepflückte Beeri darf nicht zuviel, aber auch nicht zuwenig Stiel haben – zirka einen halben Daumennagel. Die Erdbeeren werden schon beim Pflücken der jeweiligen Klasse zugeteilt. «Erdbeeren der ersten Klasse sind nahezu perfekt und haben keine Mängel. Sie kommen direkt in die Schälchen», sagt Siegrist. Erdbeeren mit leichten Makeln werden der zweiten Klasse zugeteilt und können nicht an die grossen Lebensmittelhändler verkauft werden. Sie stehen den Erntehelfern zur Verfügung. Auch faule Beeren werden gepflückt, auch wenn sie nicht mehr verwendet werden können. «Dabei geht es vor allem um die Pflanzenpflege», so Christa Ziegler.

Ein Erntehelfer pflückt im Schnitt 33 Kilo Erdbeeren pro Tag

Jeweils zwei Personen arbeiten von beiden Seiten an einer der langen Bahnen. So klappt auch das Abstandhalten in Zeiten von Corona gut. «Wir haben zusätzlich immer Desinfektionsmittel vor Ort und die Mitarbeiter angewiesen, bei Krankheitssymptomen zu Hause zu bleiben», erklärt Siegrist. Eine Bahn wird während der Erntezeit zwischen zehn bis 15 Mal abgeerntet. Schon weit fortgeschritten beim Ernten ihrer Bahn ist Naemi Weber aus Beinwil am See. Weber arbeitet Teilzeit und absolviert zusätzlich die Bäuerinnenschule. «Ich komme aus einer Bauernfamilie und arbeite sehr gerne draussen», erklärt sie. «Ich unterstütze zudem gerne Betriebe aus der Region.» Am Ende des Arbeitstages merke man aber auch, was man geleistet habe: «Der Rücken schmerzt dann schon recht fest», sagt sie.

Ohne sie ginge es nicht: Erntehelferinnen Naemi Weber und Mariann Christen.

Ohne sie ginge es nicht: Erntehelferinnen Naemi Weber und Mariann Christen.

An derselben Bahn wie Naemi Weber arbeitet auch Mariann Christen. Die Pensionärin ist im vergangenen Jahr nach Fahrwangen gezogen, zuvor arbeitete sie in Zürich für die Blutspende. «Eigentlich habe ich mir schon letztes Jahr überlegt, ob ich mich als Erntehelferin melden soll», erklärt sie. Damals sei sie aber beruflich noch zu eingespannt gewesen. «Es war aber definitiv eine gute Idee», so Christen. Auch wenn ihre Tage derzeit vor dem Sonnenaufgang beginnen. «Ich stehe immer um halb vier Uhr morgens auf, damit ich mit dem Velo von Fahrwangen nach Seengen fahren kann.»

Christa Siegrist ist auf Erntehelfer wie Naemi Weber und Mariann Christen angewiesen. 33 Kilo Erdbeeren pflückt ein Erntehelfer im Durchschnitt pro Tag. «Häufig wird unterschätzt, wie viel Arbeit hinter so einem Schälchen Erdbeeren steckt, dass man im Laden kaufen kann», sagt Christen.

Für die Erntehelfer ist dieser Arbeitstag um halb 11 Uhr zu Ende. Die gepflückten Erdbeeren werden verladen und auf dem Hof nochmals gewogen, damit jede Schale genug Gewicht hat. Danach stehen sie im Hofladen zum Verkauf bereit.

In Dottikon kann man die Erdbeeren selber pflücken:

So werden in Dottikon Erdbeeren geerntet

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