Möriken-Wildegg

Die «kleinen Heiligen» bringen weihnachtliche Provence auf Schloss Wildegg

Zur Eröffnung der Krippe steuerte auch ein Engel eine Krippenfigur bei.

Zur Eröffnung der Krippe steuerte auch ein Engel eine Krippenfigur bei.

Museum Aargau zeigt eine private Sammlung mit über 120 Krippenfiguren aus dem Atelier Carbonel in Marseille.

Wer die massige Tür zur Eingangshalle von Schloss Wildegg aufstösst, der sieht sie sogleich im Scheinwerferlicht: die kleinen, bunt bemalten Krippenfiguren aus der Provence.

Sie bieten in einer detailreichen Umgebung ein Schauspiel provenzalischer Kultur und gehören dem Chefkurator Sammlung und Ausstellungen des Museums Aargau, Rudolf Velhagen. Nachdem er sie letztes Jahr im Museum Kloster Muri ausgestellt hatte, zeigt er seine private Sammlung nun ein zweites Mal der Öffentlichkeit.

Biblische und alltägliche Situationen aus der Provence

Die «Kleinen Heiligen», wie die Santons auf Deutsch heissen, stammen vom Atelier Marcel Carbonel aus Marseille. Dieses hat über 800 solcher Figuren kreiert, die sowohl biblische wie auch alltägliche Situationen aus der Provence darstellen.

So gibt es nebst den klassischen Krippenfiguren wie die Heiligen Drei Könige beispielsweise einen Korbflechter, einen Messerschleifer oder Persönlichkeiten aus Volksmärchen der Provence. Jedes Jahr erscheint mindestens eine neue Figur, die von Carbonels Fangemeinde mit Spannung erwartet wird.

«Ich fahre seit 20 Jahren jedes Jahr nach Paris, um beim legendären Jacques Thuillier neue Figuren zu kaufen», sagt Rudolf Velhagen über seine Sammelleidenschaft. Diesen November hat er in Paris extra 20 neue Figuren ausgesucht, die zu einem Bauernhof und damit zur Schlossdomäne Wildegg passen.

Jede Figur erzählt eine Geschichte

Die farbigen, handbemalten Tonfigürchen erzählen alle eine eigene Geschichte oder stehen in Beziehung zueinander, wie Velhagen an der Vernissage erläuterte. So etwa die eigenwillige Ziege «Blanquette» aus Alphonse Daudets «Briefe aus meiner Mühle», die sich erst erfolgreich von ihrer Herde getrennt hatte, später jedoch vom Wolf gefressen wurde.

Oder die Figur Frédéric Mistral, Gründer einer provenzalischen Unabhängigkeitsbewegung, dessen Platzierung durchaus politische Aussagekraft hat: «Wer Frédéric Mistral nahe bei der Krippe platziert, gibt damit ein politisches Statement ab», sagte Velhagen und machte damit klar, dass das korrekte Aufstellen einer solchen Krippe viel Fachwissen erfordert.

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