«Diese Umgebung ist einzigartig», sagt sie und strahlt. Am Samstag ist Saisoneröffnung, und dann wird die Leutwilerin zum ersten Mal im Café im Erdgeschoss des ehemaligen Stapferhauses stehen. Sie wird Hotdogs und Hörnli mit Gehacktem über die graue Küchentheke reichen, Bierflaschen öffnen, und wenn die Wetterprognose recht hat, sicher auch die eine oder andere Glace aus der Tiefkühltruhe fischen. «Ich freue mich sehr auf diese Arbeit», sagt Nicole Calonder. Auch wenn es viel zu tun gibt. Oder gerade deswegen. Sie mag es so. Lieber, als wenn die Arbeit ausgeht.

Ganzes Leben in Gastronomie

An den Wochentagen herrscht sie alleine über das Bistro, am Wochenende und in den Ferien erhält sie Verstärkung. Der Gedanke, allein für das Essen und die Kundschaft zuständig zu sein, macht ihr keine Sorgen. «Ich habe mein ganzes Leben in der Gastronomie gearbeitet», sagt sie. Als Letztes als stellvertretende Leiterin im Restaurant Gnadental im Reusspark. «Aus der Gastronomie kommt man nicht mehr weg.» Und sie will auch gar nicht weg, zu sehr mag sie die Arbeit und den Kontakt zu den Leuten. Sollte es mal zu einem Ansturm auf das Bistro und längeren Wartezeiten kommen, könne man ja miteinander reden. Sich das vorzustellen, ist nicht schwer. Nicole Calonder ist gesprächig, ohne geschwätzig zu sein, und freundlich dazu. Am ersten Wochenende der Saison erhält die Wirtin Unterstützung von ganz oben; «Krone»-Direktor Harald Raab wird ihr im Bistro als Springer zur Seite stehen.

Dass sich das Mutterhaus nur unweit unterhalb des Schlosses befindet, hat für beide Seiten Vorteile. Falls bei Calonder Not an der Frau aufkommt, kann schnell jemand hochgeschickt werden. «Und Gäste können nach einem Apéro auf dem Schloss in der ‹Krone› Znacht essen.» Auch das Essen im Schloss-Bistro kommt aus der «Krone». Die Besucher können aus verschiedenen kalten und warmen Gerichten auswählen: Im Angebot sind unter anderem Salate, ein Schlossbrettli, Suppe, Wienerli, Hotdogs, aber auch Hauptmenüs von 12 bis 18.50 Franken wie Pastetli, Flammkuchen und Lenzburger Buurehamme mit Kartoffelsalat. Auf den 40 Aussensitzplätzen gibt es dazu noch eine spektakuläre Aussicht über das Land. Im Bernerhaus hat das Bistro zirka 60 Sitzplätze. Alle Getränke und Speisen erhält man an der Selbstbedienungstheke. Wer ein Menu mit Wartezeit bestellt, bekommt von Nicole Calonder einen Buzzer, der vibriert, wenn das Mahl fertig ist.

Dreigänger auf Wunsch

Die Möblierung im Bistro passt gut zum frisch sanierten Haus; stabile schwarze Holzstühle und quadratische Tische mit einer steinernen Platte. «Wertig soll es sein», sagt Raab. Das Bistro soll dem Mutterhaus keine Schande machen. In der ersten Zeit gehe es darum, herauszufinden, was im Bistro funktioniert. Auch die Karte sei noch nicht in Stein gemeisselt, sagt Raab. «Wir werden wohl ein Jahr brauchen, bis sich eine Routine einstellt.»

Die Stiftung Schloss Lenzburg bietet in den oberen Geschossen des Bernerhauses neue Räume verschiedener Grösse (20 bis 90 Plätze) für Anlässe von privaten Feiern bis Seminare an. Auch hier wird mit der «Krone»-Dépendance zusammengearbeitet. Und für solche Anlässe kann man auf das ganze Angebot des Viersternehauses «Krone» zurückgreifen: «Auf Wunsch servieren wir Ihnen hier oben einen Dreigänger», sagt Raab. Hinter dem Bistro befindet sich eine Küche, bereits am Sonntag bekocht das Bistro eine dreissigköpfige Gruppe zum Zmittag.

Bis zum Samstag gibt es im Bistro noch einiges zu tun. Am Freitag wird gereinigt. Dann muss schnell eingeräumt werden. «Das gibt eine Nachtschicht», sagt Calonder. Der Sonnenuntergang nach dem ersten Arbeitstag wird sie für die Anstrengungen entschädigen.