Lenzburg

Die Moscheen der Region öffnen ihre Türen

Imam Besir Emini vor der Gebetsnische, die nach Mekka zeigt.Bild: Janine Gloor

Imam Besir Emini vor der Gebetsnische, die nach Mekka zeigt.Bild: Janine Gloor

Der Lenzburger Imam Besir Emini lädt alle ein, unbekanntes Terrain – in diesem Fall Teppich – zu betreten.

Lies. Das ist das erste Wort im Koran; die Aufforderung zum Lesen. Für Besir Emini ist dieser Anfang sinnbildlich für den Islam und seine Tätigkeit als Imam. «Der Koran befiehlt nicht, was man tun soll», sagt er. «Er fordert zum Lesen und zum selbstständigen Denken auf.» Der Glaube und der Koran an sich seien nicht bindend. «Es kommt auf die Interpretation an.»

Besir Emini zieht die Schuhe aus und betritt den Teppichboden der Moschee. Am Samstag wird das Gebetshaus (siehe Hinweis unten) seine Türen öffnen. Im Rahmen der Woche der Religionen können Besucherinnen und Besucher selber einmal diesen Teppichboden betreten und vielleicht zum ersten Mal eine Moschee von innen sehen. Von aussen sieht man nicht viel. Die Moschee in Lenzburg befindet sich an der Niederlenzerstrasse 29, in einem ehemaligen Fabrikgebäude, wo unter anderem auch eine Met-Bar, eine Shisha-Bar, ein Escape Room und ein türkischer Lebensmittelladen untergekommen sind. «Das ist eine Multikulti-Nachbarschaft», sagt Besir und lacht. Das Nebeneinander funktioniere bestens.

Auf der Website der Islamischen Gemeinschaft Lenzburg prangen schlanke Türme einer Moschee. Wie bei den christlichen Kirchen müssten auch Moscheen von aussen erkennbar sein. Der Imam lächelt. «Man muss glücklich sein mit dem, was man hat.»

Am Freitag wird es in der Moschee eng

Die Islamische Gemeinschaft Lenzburg hat 230 Mitglieder. Das Freitagsgebet ist im Islam das wichtigste der Woche. Wem es möglich ist, sollte in einer Moschee daran teilnehmen. Der grüne Teppichboden ist mit orientalischen Mustern in einzelne Abteile für die Betenden eingeteilt. «Am Freitagabend ist es hier jeweils eng», sagt Emini. Alle Abteile zeigen nach Mekka, der heiligsten Stadt des Islams, zuvorderst befindet sich eine golden ausgekleidete Gebetsnische, wie sie jede Moschee hat. Darüber ein Zitat aus dem Koran, Sure 2, Zeile 144: «Richte dein Antlitz beim Gebet in Richtung der heiligen Moschee.» Am Freitag, Samstag und Sonntag hält Besir Emini eine Predigt.

Der Imam mit mazedonischen Wurzeln ist in der Schweiz aufgewachsen. Er hat von seinem Vater gelernt, den Koran zu lesen und bei seiner Einschulung die Lehrerin verwirrt, weil er seinen Namen auf Arabisch schrieb. «Ich bin ein typisches Beispiel der 2. Generation», sagt er. Aufgewachsen in zwei Kulturen, will er Brücken schlagen. Zwischen Generationen, Sprachen und Schweizern und Ausländern. Seine Predigten hält er auf Albanisch und auf Deutsch. Die Gebete werden im Islam stets auf Arabisch gehalten. Ein Teil der Moschee kann mit einem Vorhang abgetrennt werden. «Damit Frauen unter sich beten können», sagt der Imam. Ausser an Feiertagen oder dem Ramadan nehmen aber in Lenzburg keine Frauen an den täglichen fünf Gebeten teil. «Frauen sind nicht verpflichtet, am Freitagsgebet in der Moschee teilzunehmen.»

Vor dem Raum der Moschee befindet sich ein grosser Aufenthaltsraum mit Tischen, Stühlen, Bar und einem Kühlschrank. Der Imam macht Tee für den Besuch, ein Mann, der zum Gebet in die Moschee kommt, macht Espresso für den Imam. Besir Emini diskutiert hier nach seinen Predigten mit den Gläubigen. Er will zur Debatte anregen. In seinen Predigten spricht er auch über weltliche Themen, wie das Leben in der Schweiz. Schlägt Brücken zwischen alter und neuer Heimat. «Ich will, dass die Leute etwas erreichen im Leben», sagt Emini. «Egal, welche Herkunft oder welchen Beruf sie haben.» Der Imam ist ein gesprächiger Mann, der trotz jahrelangem Studium der Religionen und des Islams im Speziellen mit beiden Beinen auf der Erde steht. «Das Leben ist realistisch», sagt er.

Tag der offenen Moschee Samstag, 9.11, 14 bis 17 Uhr. Führungen jeweils zur vollen Stunde. Folgende Moscheen können besucht werden: Lenzburg, Niederlenzerstr. 29. Buchs: Brummelstr. 2. Oberentfelden: Aarauerstr. 57. Reinach, Hauptstr. 3.

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