Boniswil

Die unendliche Geschichte um die alte Schmiede: Bereits zweites Referendum gegen Sanierung ergriffen

Seit 2015 wird über das Schicksal der alten Schmiede diskutiert.

Seit 2015 wird über das Schicksal der alten Schmiede diskutiert.

Die alte Schmiede ist baufällig und ihre Zukunft nach wie vor ungewiss. Am Sonntag stimmen die Boniswiler zum fünften mal darüber ab.

An der Mündung der Mättlistrasse zur Seengerstrasse in Boniswil steht ein baufälliges Haus: die alte Schmiede. Über die Zukunft der 1865 erbauten Schmiede stimmen die Boniswiler am kommenden Sonntag zum fünften Mal ab.

Begonnen hat die Odyssee jedoch schon 2015. Der Boniswiler Gemeinderat sah die unübersichtliche Verkehrslage an der Seengerstrasse als ein Problem. Aus diesem Grund entschied er, dass es am besten wäre, die alte Schmiede abzureissen. Das über 150-jährige Gebäude stammt aus der Zeit der Frühindustrialisierung und untersteht als Kulturobjekt von kommunaler Bedeutung dem Substanzschutz.

Um die Schmiede aus dem Substanzschutz zu entlassen, benötigte es ein Fachgutachten. Dieses ergab, dass das Gebäude Sanierungsbedarf hat, aber die Bausubstanz intakt ist. Geplante Projekte scheiterten an den hohen Kosten, kein Mieter wollte sich der alten Schmiede annehmen. Es blieb also nur der Abbruch der alten Schmiede, welchen der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung am 2. November 2015 beantragte. Die Boniswiler lehnten dies ab. Die Mehrheit war der Meinung, dass die Schmiede kein Verkehrspro­blem darstelle, einen Unfall habe es noch nie gegeben.

Alte Schmiede soll ein Warteraum werden

Der Gemeinderat lies ein Nutzungskonzept erarbeiten, welches er an der Gemeindeversammlung vom 29. November 2016 vorstellte. Der Vorschlag sah vor, die alte Schmiede zu einem Buswarteraum umzubauen. Doch nicht nur das: Die alten Werkzeuge wie Amboss und Esse sollten hinter einer Glaswand Platz finden. Zusätzlich sollte das «Mini-Museum» Bänke erhalten, um für die Busfahrgäste die Wartezeit bequem zu gestalten. Kostenpunkt für das Projekt: 100000 Franken. Der Swisslos-Fonds sicherte der Gemeinde einen Beitrag von 40000 Franken zu. Das Traktandum wurde an der Wintergmeind 2016 mit 42 zu 38 Stimmen angenommen.

Gegen den Entscheid wurde jedoch das Referendum ergriffen. Am 21. Mai 2017 machten ihn die Boniswiler an der Urne wieder rückgängig und schickten die Diskussion um die Zukunft der alten Schmiede somit in die nächste Runde.

An der Gemeindeversammlung am 11. Juni 2019 wagte der Boniswiler Gemeinderat einen neuen Versuch. So schrieb er in der damaligen Gmeinds-Botschaft: «Die Schmiede weist für die Gemeinde Boniswil einen historischen Wert auf. Es ist daher die Aufgabe, dieses kleine Baudenkmal vor dem Abbruch zu schützen. Daher erlaubt sich der Gemeinderat, den Stimmbürgern den gleichen Antrag wie vor zweieinhalb Jahren, leicht abgespeckt, nochmals vorzutragen.» Auch das neue Konzept sah es vor, die alten Werkzeuge hinter einer Vitrine zu schützen und die Schmiede mit Bänken für die Buspassagiere auszustatten. Nach längerer Diskussion hiessen die Boniswiler den zweiten Vorschlag mit 36 zu 13 Stimmen gut. Doch auch dieser Entscheid zog wieder ein Referendum nach sich.

«Es geht um den ideellen Wert»

Somit befassen sich die Boniswiler am 24. November abermals mit der alten Schmiede. Gemeindeammann Gérald Strub legt im Dorfheftli die Sicht der Gemeinderats dar und wirbt für ein «Ja» zur alten Schmiede. Unter anderem schreibt er: «Im vorliegenden Fall geht es aber weniger um einen Geld- als vielmehr um einen ideellen Wert.»

Die Gegner des Projektes präsentieren ihre Meinung direkt am Ort des Geschehens. Auf Plakaten, die an der alten Schmiede angebracht sind, steht: «Boniswiler – Schrott – Immobilie Nein Danke!» Sie ­votieren für eine bessere Übersicht, eine bessere Verkehrs­sicherheit und gegen wiederkehrende Kreditanträge und fordern ein zweites Mal ein «Nein» an der Urne.

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