Lenzburg

Diese Brüder erhalten keine Weihnachtsgeschenke – und vermissen sie auch nicht

Eine zufriedene Lenzburger Familie: v.l. Silvan, Linus und Andrin. Hinten die Eltern Beatrice (Einwohnerrätin, SP-Fraktionspräsidentin Lenzburg) und Daniel Taubert. Die fehlenden Weihnachtsgeschenke haben die Stimmung nicht getrübt.

Eine zufriedene Lenzburger Familie: v.l. Silvan, Linus und Andrin. Hinten die Eltern Beatrice (Einwohnerrätin, SP-Fraktionspräsidentin Lenzburg) und Daniel Taubert. Die fehlenden Weihnachtsgeschenke haben die Stimmung nicht getrübt.

Die Taubert-Buben aus Lenzburg haben von ihren Familien noch nie Weihnachtsgeschenke erhalten. Das hat weder erzieherische Gründe noch sind sie Weihnachtsmuffel.

Es war Weihnachten 2018, als es dem 18-jährigen Andrin zum ersten Mal auffiel: Die Eltern hatten keine Geschenke für ihn und seine Brüder unter den Weihnachtsbaum gelegt. Letztes Jahr nicht und in allen Jahren zuvor auch nicht.

Das machte den Ältesten der drei Taubert-Brüder stutzig und er erkundigte sich bei den Eltern, Beatrice und Daniel Taubert: «Wo sind eigentlich die Geschenke von euch?». Die in buntes Geschenkpapier eingepackte Bescherung, die unter der geschmückten Tanne lag, war von Grosseltern, Gotte und Götti.

«Wir sind keine Weihnachtsmuffel»

Familie Taubert sitzt am grossen Esstisch im Wohnzimmer. Und erzählt ihre Geschichte über Weihnachtsgeschenke, die fast zwei Jahrzehnte lang nicht vermisst wurden.
Man hat es sich lange überlegt im Hause Taubert, ob diese Anekdote tatsächlich vor die Haustüre und in dieser Zeitung als Adventsgeschichte an die Öffentlichkeit getragen werden soll. Oder doch eher nicht.

Die Eltern hatten zuerst etwas Bedenken. «Wir möchten lieber nicht als Rabeneltern dastehen», sagt Mutter Beatrice Tauber und schmunzelt. «Und Weihnachtsmuffel sind wir schon gar nicht», ergänzt sie lachend und zeigt auf die drei riesigen Adventskalender, welche die Wände im Wohnzimmer zieren.

Daran sind kleine Jutesäckli mit knallroten Schleifen angebracht. Auf jedem Säckchen ist eine Nummer aufgenäht, von 1 bis 24. Ein Adventskalender gehört dem 19-jährigen Andrin, einer ist für den 17-jährigen Silvan und einer für Linus. Er ist mit 15 Jahren der Jüngste. Früher war das Gotti dafür zuständig, dass die Jungs jeden Tag eine Überraschung aus dem Säckli klauben konnten.

Heute macht es die Mutter. Als sie grösser wurden, mochten die Buben nicht auf das Adventsritual verzichten. Die Söhne sind sich einig: «Am Morgen ein Säckli öffnen ist ein positiver Start in den Tag und bringt die Vorfreude auf Weihnachten ins Haus.»

Dem Konsumwahn die Stirn geboten

Die Buben seien genügsam gewesen, sagen die Eltern. Andrin, Silvan und Linus nicken. Manchmal habe sogar ein Geschenk genügt, und die Welt sei rundum in Ordnung gewesen, kramen sie in der Erinnerungskiste.

Lustige Geschichten aus der Vergangenheit werden wach. Zum Beispiel diese: «Als Linus das Lego-Päckli mit dem Starwars-Raumschiff geschenkt bekam, war er hin und weg. Nichts anderes mehr hat ihn interessiert. Die übrigen Geschenke blieben verpackt unter dem Baum liegen», erinnern sich die Brüder.

Mit erzieherischen Massnahmen habe das Handeln der Eltern nichts zu tun, beteuern Beatrice und Daniel Taubert. Eher mit der eigenen Abneigung gegen all den Überfluss, der zur Weihnachtszeit über die Kinder hereinbricht. Ein gesundes Mass an Umweltbewusstsein in den eigenen Lebensalltag legen, haben sich Tauberts schon vor langem auf die Fahne geschrieben. Bevor der Klimawandel in aller Munde war.

Der eigene Konsum habe einen grossen Einfluss auf den ökologischen Fussabdruck eines jeden, sagt Beatrice Taubert. Seit einigen Jahren ist sie bei der Stadt Lenzburg für das Label Energiestadt zuständig. «Vorleben, nicht missionieren», ist Tauberts Credo. Das ist bei ihren Söhnen angekommen. Wenn es um Umweltbelange geht, zeigen sich die jungen Männer sehr sensibilisiert. Und was das Materielle anbelangt, so sagen die drei Taubert-Brüder unisono: «Wir sind nicht zu kurz gekommen».

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