Hendschiken

Dieser Aargauer Imker vermietet seine Bienen – davon profitieren auch die Bauern

Stephan Lendenmann gründete «bee happy».

Stephan Lendenmann gründete «bee happy».

Imker Stephan Lendenmann (35) aus Hendschiken hat sich mit «bee happy» selbstständig gemacht. Sein Honig kommt aus drei Kantonen.

Zur Imkerei kam Stephan Lendenmann eher unfreiwillig. Genauer gesagt kamen die Bienen zu ihm. «Ich bin mit Bienen aufgewachsen, mein Götti ist Imker», erzählt er. «2012 wusste mein Götti, dass er bald mit der Imkerei aufhören möchte – also stellte er mir einfach eines seiner Völker vor die Haustüre. Im Jahr darauf drei weitere und im dritten Jahr waren es bereits 30.» Heute, acht Jahre später, ist Lendenmann Ertragsimker und hat die gesamte Imkerei übernommen.

Um das Wissen, dass er über Jahre von seinem Götti erhalten hat, zu vertiefen, absolvierte Lendenmann die Weiterbildung zum Imker mit eidgenössischem Fachausweis. Zusammen mit seiner Frau Mirjam hat sich der Hendschiker selbstständig gemacht: Unter dem Namen «bee happy» vertreibt die Familie Bienenhonig aus der Region – aber auch aus den Kantonen Zürich und Bern.

Grund dafür ist das «Risikomanagement», wie es Lendenmann nennt. Waldhonig entsteht aus Honigtau. Einer süssen Masse, die Insekten, wie Blattläuse ausscheiden. Der Honigtau wird von den Bienen gesammelt und zum Waldhonig weiterverarbeitet. Gibt es in der Region jedoch starke Gewitter, werden die Blattläuse von den Blättern und Nadeln gewaschen. Somit bleibt der Waldhonig in der Region aus. Um das zu verhindern, bewirtschaftet der Imker mehrere Standorte. «Wenn ich sehe, dass es an einem Standort ein kräftiges Gewitter gab, transportiere ich die Völker zum nächsten und habe dadurch weiterhin Honigertrag.»

Auch Bauern profitieren von den Bienen

Auch für den Frühlingshonigertrag arbeitet Lendenmann mit Strategie: Die Bienenvölker platziert er, wann immer möglich, in der Nähe von Rapsfeldern, Blumenwiesen oder Obstplantagen. Im besten Fall finden die Bienen in einem Umkreis von weniger als 500 Meter den Blütennektar, denn sie zur Produktion des Frühlingshonigs benötigen. Je weiter die Bienen für den Nektar fliegen müssen, desto mehr Energie benötigen sie. «Bei einem Flugweg von einem Kilometer nimmt der Honigertrag etwa um 50 Prozent ab», so Lendenmann. Von den mobilen Bienenvölkern profitieren auch die Bauern. Die kleinen Arbeiterinnen steigern dank der Bestäubung den Ertrag ihrer Pflanzen und Bäume.

Im August wird jeweils ausgemistet

Dass Lendenmann überhaupt strategisch für seinen Frühlingshonig planen muss, hat einen bitteren Grund. «Die Biodiversität in der Schweiz ist eine Katastrophe», so der Imker. «Probieren Sie mal einen grossen Blumenstrauss mit zehn verschiedenen Blumen auf einer Wiese zu pflücken – ich bezweifle, dass es machbar ist.» Der Imker probiert, seine Bienen so natürlich wie möglich zu behandeln. Anstatt mit Ameisensäure gegen die Varroamilbe anzukämpfen, greift Lendenmann zu einer natürlicheren, aber auch aufwendigeren Methode. «Jeweils im Augst misten wir bei unseren Völkern aus. Die milbenbelastete Brut wird komplett entfernt. Dabei werden auch alle alten Rahmen entsorgt, die Beuten geputzt und die Bienen erhalten neue Mittelwände aus unserem eigenen Wachskreislauf. Somit sind sie milbenfrei.» Nur im Dezember behandelt Lendenmann die Bienen mit Oxalsäure. «Weil auch Bienen aus anderen Völkern in den Stock fliegen, kommt es zwangsläufig zu einer Reinvasion mit den Milben», sagt er.

Da sich die Stephan Lendenmanns Bienen die Wanderschaft gewöhnt sind, vermietet der Imker seine Völker auch an Menschen, die gerne einmal Honig aus ihrem eigenen Garten haben möchten. «Anfang April stelle ich das Bienenvolk in den Garten des Mieters. In der Hochsaison von April bis Mai bin ich einmal pro Woche vor Ort und kümmere mich um die Bienen», sagt Lendenmann. Die Mieter des Volkes erhalten nach der Saison fünf Kilo Honig. «Da ein Volk meist mehr Honig liefert, kann auch noch mehr Honig nachbestellt werden», sagt Lendenmann. Da der Imker die verschiedenen Rahmen beim Schleudern streng trennt, können die Empfänger auch sicher sein, dass der Honig, den sie erhalten, direkt aus ihrem eigenen Garten stammt.

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