Egliswil
Die Gegner von hohen Dächern können aufatmen, jene von Aprikosentunnels nicht

Die Gemeinde hat die Mitwirkungsphase für die neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) gestartet. Die Volksinitiative für tiefere Firsthöhen ist im neuen Entwurf berücksichtigt. Ausserdem sollen die Aprikosenbäume unter den umstrittenen Folientunneln ausgezont werden.

Valérie Jost
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Die Egliswiler machen sich Sorgen um ihr dörfliches Ortsbild, hier die Engelgasse.

Die Egliswiler machen sich Sorgen um ihr dörfliches Ortsbild, hier die Engelgasse.

Valérie Jost /
Aargauer Zeitung

«Die heutige Informationsveranstaltung ist noch nicht zur breiten Diskussion gedacht», stellte der Egliswiler Gemeindeammann Ueli Voegeli (SVP) gleich zu Beginn klar. Fragen zum Entwurf der neuen Zonenplanung sowie Bau- und Nutzungsordnung (BNO) jedoch seien erlaubt und erwünscht. Aber obwohl sich zum Start des Mitwirkungsverfahrens, das bis 15. August läuft, geschätzt 100 Einwohnende in der Mehrzweckhalle eingefunden hatten, gab es nur wenige Fragen.

Volksinitiative zur Firsthöhe umgesetzt

Zu erwarten gewesen wären sie vor allem bezüglich der neu vorgeschlagenen Maximal-Firsthöhen im Dorfzentrum. Vor knapp zwei Jahren hatten 190 Unterzeichnende eine Volksinitiative eingereicht – was in Egliswil seit Menschengedenken nicht mehr vorgekommen war –, um die dort erlaubte Firsthöhe von aktuell 15,8 Metern auf 12,8 Meter zu senken. An der Gemeindeversammlung Ende 2019 kam der Antrag des Gemeinderats, das Anliegen in die laufende BNO-Revision zu integrieren (statt eines separaten Verfahrens), mit klarer Mehrheit durch.

Die Minderheit, die besorgt war, das Anliegen werde so nicht ernst genug genommen, dürfte nun aufatmen. Der neue BNO-Entwurf sieht in der betroffenen Kernzone, die in eine kleinere Kernzone sowie eine Dorfzone und eine Übergangszone aufgeteilt werden soll, deutlich tiefere Maximalmasse vor: 12,5 Meter in der Kern- und neuen Dorfzone und 12 Meter in der neuen Übergangszone. Zusätzlich davon abzuziehen sind je nach Untergrund bis zu 1,5 Meter. Dies wegen der neuen Messweise von Fassaden- und Gesamthöhe statt wie bisher Gebäude- und Firsthöhe.

Ausserdem sollen im Zentrum Strassenzüge mit vielen alten Gebäuden oder charakteristischer wechselseitiger Strassensäumung, wie es in der Engelgasse oder der Winkelstrasse der Fall ist, in ihrer Struktur erhalten bleiben. Neu- und Umbauten, die sich zu wenig gut in diese dörfliche Umgebung einfügen, werden gemäss neuem BNO-Entwurf nicht bewilligt.

Starkes Wachstum in den letzten Jahren

Trotzdem muss Egliswil, wie viele andere ländliche Gemeinden auch, verdichten. Dies schreibt der Kanton vor. Heute leben in Egliswil 1491 Personen, das sind knapp 32 Personen pro Hektare – deutlich weniger als in anderen Gemeinden. «Unsere Bauzonen sind tendenziell zu gross», so Frau Vizeammann Gaby Dössegger.

Egliswil ist traditionell ein Bauerndorf; der Dorfkern ist von grossen, alten Häusern, oft mit viel Umschwung, geprägt. Doch die Gemeinde ist auch stark gewachsen: Das zeigt sich am Bevölkerungswachstum, das zwischen 1990 und 2016 bei rund 50 Prozent lag. Im kantonalen Vergleich ist das überdurchschnittlich viel. Entsprechend wurde in den letzten Jahren viel gebaut – so entstanden etliche moderne Überbauungen, die in den Augen mancher so gar nicht zum ländlichen Charakter Egliswils passen wollen.

Kommt der Kanton der Gemeinde in die Quere?

Man wolle denn auch «nur noch moderat wachsen», so Ammann Voegeli. Die dörfliche Struktur, die Natur- und Kulturlandschaft sowie die Erholungsgebiete seien ein regionales Alleinstellungsmerkmal und sollen erhalten bleiben. Im neuen BNO-Entwurf wird deshalb für die unüberbauten Wohn- und Mischzonen (6,12 Hektaren) mit einer Einwohnerdichte von 40 bis 60 Personen pro Hektare gerechnet. Der kantonale Richtplan schreibt 60 Personen pro Hektare vor. Voegeli sagt:

«Wir hoffen, dass der Kanton das schützenswerte Ortsbild von Egliswil als Argument für eine etwas tiefere Spannweite anerkennen wird.»

Da die Egliswiler Baureserven zumeist einzelne Parzellen sind statt grosser, zusammenhängender Flächen, schätze er die Chancen dafür als intakt ein.

Aprikosenbauer mit Umzonung unterstützt

Im Zuge der Revision wurden auch die Schutzzonen und -objekte überarbeitet. Am spannendsten ist eine bestimmte Änderung in der Landschaftsschutzzone: Jene der Parzellen, auf denen die Aprikosenbäume unter den umstrittenen Folientunneln stehen, soll aus dem Schutz entlassen werden. Eine Beschwerde gegen die Tunnel seitens Pro Natura wurde 2020 vom Regierungsrat gutgeheissen – da die Gemeinde es versäumt hatte, das Baugesuch im Amtsblatt zu publizieren und da das Gebiet in der Richtplangesamtkarte als Landschaft von kantonaler Bedeutung aufgeführt ist. Ans Verwaltungsgericht weitergezogen, erhielt jedoch die Landwirtefamilie teilweise recht.

Das Verfahren ist zwar noch nicht abgeschlossen, doch mit der Entlassung der Parzelle aus dem Schutz wolle man die regionale Obstproduktion unterstützen. Ammann Voegeli:

«Wir wollen ermöglichen, auf dem Gebiet weiterhin zonenkonform und standortgerecht zu wirtschaften. In der Schutzzone wäre dies kaum mehr möglich gewesen.»

So nutze man die Möglichkeit, die Zonen so zu gestalten, wie es der Gemeinde entspreche. Um die Auszonung bei den Bäumen zu kompensieren, sei die Schutzzone bis zum Feldweg hin verbreitert worden.