Esther Gebhard

Ehemalige Wanderweg-Präsidentin: «Kantone rühmen den Aargau für das Wanderwegnetz»

Wandern fängt für Esther Gebhard vor der Haustür an.

Wandern fängt für Esther Gebhard vor der Haustür an.

Die scheidende Präsidentin der Aargauer Wanderwege, Esther Gebhard-Schöni, spricht über den Wanderboom und schrumpfende Mitgliederzahlen.

Esther Gebhard hatte vorgewarnt: «Mein Haus ist eine Baustelle.» Das über 150 Jahre alte Bauernhaus in Möriken-Wild­egg wird saniert und wieder in ein Zweigenerationenhaus um­gebaut. Im Parterre schafft sich Gebhard ein neues Daheim. Noch ist nicht viel zu sehen: Das Erdgeschoss ist grossenteils ausgehöhlt. So ein Abbruch ist auch ein Abschied.

Loslassen und Neubeginn ist auch bei Esther Gebhard angesagt: Im letzten Jahr ist ihr Mann gestorben. Das geplante Bauprojekt führt sie ohne ihn weiter. Getrennt hat sich die ehemalige EVP-Grossrätin und Möriker Gemeinderätin auch von ihrem letzten öffentlichen Amt: Ende April ist die 61-Jährige als Präsidentin der Aargauer Wanderwege zurückgetreten. 2015 gewählt, stellt sie den Posten ein Jahr vor Ablauf der zweiten Amtsperiode zur Verfügung. Vorgesehen ist Vizepräsidentin Brigitte Suter-Hunziker. Coronabedingt wurde die Wahl auf die Mitgliederversammlung 2021 verschoben. Abgesagt sind auch die geführten Wanderungen der Aargauer Wanderwege, vorerst bis Ende Juli.

Wandern ist wirksames Seelentraining

Längst hat Wandern sein Image als altbacken abgestreift und sich zur beliebtesten Freizeitaktivität der Schweizer gemausert. Laut den «Schweizer Wanderwege» sind 2,7 Millionen Menschen regelmässig zu Fuss auf dem gelben Wegnetz unterwegs. Das entspricht etwa 44 Prozent der Bevölkerung. Auch Esther Gebhard gerät ins Schwärmen, wenn sie vom Wandern für das physische und psychische Wohlbefinden spricht. «Es gibt kaum etwas Schöneres, als den gelben Zeichen folgend an der frischen Luft durch die Natur zu streifen und die Jahreszeiten hautnah zu er­leben.» Nebenbei erwähnt sie noch, dass es kaum etwas Bequemeres gebe, als beschilderten Wanderrouten zu folgen. «Wer sich an die Wegweiser hält, kann sich gar nicht verirren. Irgendwann landet man ganz sicher an einer Bus- oder Bahnhaltestelle.»

Auch Esther Gebhard hat nicht erst mit ihrer Berufung zur Aargauer Vorwanderin die Wanderschuhe geschnürt. Tessin und Wallis hat Familie Gebhard in den Ferien wandernd näher kennen gelernt. «Auch den Aargau habe ich ganz gut gekannt, zumindest war ich der Meinung», sagt sie und lacht. Mitnichten, wie sie feststellen musste. «Das Vereinspräsidium hat mich in bisher kaum bekannte, schöne Orte im Kanton gebracht.» Das waren in den fünf Jahren einige. Beim Amtsantritt 2015 hatte sich Esther Gebhard nämlich vorgenommen, «den Wanderwegen ein Gesicht zu geben in der Öffentlichkeit, deshalb habe ich an vielen Anlässen teilgenommen». Noch ganz Präsidentin sagt sie: «Der Verein muss erste Adresse sein, wenn es ums Wandern geht.» Und sie betont, mit dem Amt sei ein Auftrag verbunden, den der Verein vom Kanton habe: «Die Aargauer Wanderwege müssen das Wegnetz bewirtschaften. Und den Gesundheitsauftrag umsetzen.» Das scheint den Vereinsmitgliedern ganz gut zu gelingen. «Kollegen aus an­deren Kantonen rühmen den Aargau für das gepflegte und gut unterhaltene Wanderwegnetz.» Auf der Website bietet der Verein umfassende Informationen zum Wandern und geführte Routen an. In den letzten Jahren sind mit den Highlight-Wanderungen neue Programme entstanden. Es heisse, der Aargau sei der Kanton der Regionen, sagt Gebhard und bestätigt, dass dem so sei.

Das Aargauer Wanderwegnetz führt auf 1650 Kilometern vorbei an Flüssen, Auenlandschaften und Seen, entlang an Hügelzügen und über die Jurahöhenwege. 2400 Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 20 beziehungsweise 30 Franken für Einzelmitglieder oder Familien. Die scheidende Präsidentin hofft, dass auch die Mitgliederzahl vom Wanderboom profitieren wird.

Esther Gebhard wird sich in Zukunft kaum über Mangel an Beschäftigung beklagen müssen. Nebst ihrem Teilzeitpensum als Primarlehrerin wartet eine neue Aufgabe auf sie. «Ich werde zum ersten Mal Grossmutter», verrät sie und strahlt über das ganze Gesicht.

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