Lenzburg

Ehemalige Zara-Frau macht jetzt Secondhand für einen guten Zweck

Tanja Stöcklin (28) will über die negativen Folgen der Modeindustrie aufklären.

Tanja Stöcklin (28) will über die negativen Folgen der Modeindustrie aufklären.

Die 28-jährige Tanja Stöcklin verkauft am Pop Up Markt alte Kleider an junge Menschen. Der Erlös geht fast vollumfänglich an die Caritas und die Heilsarmee. Der Event soll auf die durch «Fast Fashion» hervorgerufenen Umweltprobleme aufmerksam machen.

Tanja Stöcklin war gerade einmal zwei Wochen in Brighton, als sie ihre Arbeit bei Zara anfing. Eigentlich wollte sich die Maturandin an der Kasse nur ihr Reisegeld etwas aufbessern. Schliesslich blieb sie – beim Textilkonzern Zara noch länger als in England. Mit nur 23 Jahren leitete sie schweizweit den Dekorationsbereich des spanischen Unternehmens. Vor einem Jahr kam dann die Kehrtwende. Die heute 28-Jährige wollte weg von der Massenproduktion, hin zu nachhaltiger Mode. Mit ihrem jungen Unternehmen «ema – ethics meet aesthetics» (dt. «Ethik trifft auf Ästhetik») veranstaltet sie von Donnerstag bis Samstag an der Rathausgasse 32 in Lenzburg einen speziellen dreitägigen Flohmarkt.

Der «Secondhand Pop Up» ist anders, als herkömmliche Altkleider-Märkte. Jede einzelne Jacke, jede Bluse, jede Jeans hat die 28-Jährige sorgfältig ausgewählt, mit recycelten Preisschildern versehen und die Einzelteile zu modischen Outfits zusammengestellt. «Ich habe stundenlang in Kleidersäcken gewühlt», sagt sie lachend.

Mit dem Event will die ehemalige Freiämterin auf die Umweltprobleme aufmerksam machen, die schnelle Mode mit sich bringt. «Wenn wir immer mehr kaufen, wird auch immer mehr produziert. Das ist nicht nachhaltig», sagt Tanja Stöcklin. Ihr sei jedoch bewusst, dass Menschen gerne konsumieren. Eine mögliche Lösung sei Secondhand Mode. Also Kleider, die schon mal jemandem gehörten. «Viele Leute haben Vorurteile gegenüber bereits getragener Kleidung. Dabei ist vieles wie neu.»

Keine Konkurrenz für Brocki

Die Kleidungsstücke bezieht Tanja Stöcklin von der Heilsarmee Brocki, der Caritas Aargau und einzelnen privaten Spendern. Eine Konkurrenz zur Brocki sei sie aber nicht. «Mir geht es darum, neue jüngere Kundschaft zu sensibilisieren.» Die ausgewählten Stücke seien vorwiegend solche, die in der Brocki und den Caritas-Läden keinen Platz gefunden hätten. Einen dauerhaften Secondhand-Laden will Tanja Stöcklin nicht eröffnen. «Wenn der Pop Up Markt Erfolg hat, werde ich ihn im Frühling wieder durchführen.»

Ein innerer Konflikt

Kleider auf Flohmärkten zu kaufen ist einer von vielen Tipps von Tanja Stöcklin, wie man der Umwelt mit dem eigenen Kleiderschrank eine Gunst erweisen kann. «Es gibt eine Reihe von Dingen, die jeder umsetzen kann.» Beispielsweise solle man alte Kleider wenn möglich reparieren. Ausserdem solle man auf abbaubare Materialien wie Baumwolle und Leinen achten und Kunstfaserstücke in Waschbeuteln waschen, damit weniger Mikroplastik ins Abwasser gelangt. «Und vor allem soll man sich an der Kasse immer fragen, ob man den neuen Pulli wirklich braucht.»

Dass solche Umstellungen möglich sind, will sich Tanja Stöcklin auch selbst beweisen. Bis vor einem Jahr habe sie sehr oft Kleider eingekauft, ohne gross zu hinterfragen. «Das war auch Teil meines Berufs.» Die Zeit bei Zara sei lehrreich gewesen. Doch die 28-Jährige sei immer wieder in einen inneren Konflikt gekommen. «Jeder Kassenbon ist auch eine Art Abstimmungszettel.» Deshalb hat sich Tanja Stöcklin nach ihrer Kündigung selbst auf Einkaufs-Diät gesetzt. Im letzten Jahr habe sie fast nichts gekauft.

Am Pop Up Markt sollen die Leute aber sehr wohl einkaufen. Der Erlös geht fast vollumfänglich zurück an die Caritas und die Heilsarmee Brocki. «Man kann sich richtig austoben. Neue Kleider werden deshalb nicht produziert.» An der Rathausgasse sei das Event im Vorfeld sehr gut angekommen. Einige Ladenbetreiber hätten sogar Spenden beigetragen. Tanja Stöcklin sagt: «Ich freue mich sehr. Damit hätte ich nicht gerechnet.»

Pop Up Markt: 13. bis 15. Dezember (Do 12–20 Uhr, Fr 9–20 Uhr, Sa 9–18 Uhr) an der Rathausgasse 32.

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