Boniswil

Eigenes Trinkwasser abgeben und dafür aufbereitetes Seewasser von auswärts beziehen? Der Gemeinderat wehrt sich

Am Hallwilersee

Boniswil soll Wasser aus dem Hallwilersee beziehen. Das sorgt für Diskussionen. (Symbolbild)

Am Hallwilersee

Boniswil soll sein gutes Trinkwasser in den See leiten und stattdessen aufwendig aufbereitetes Seewasser aus Meisterschwanden beziehen. Dagegen regt sich jetzt aber Widerstand.

Selbstverständlich ist alles rechtens. Und ebenso selbstverständlich machen die zuständigen Beamten nichts anderes, als die Paragrafen wortgetreu umzusetzen. Aber das Resultat ist so absurd, dass sich der Gemeinderat Boniswil das nicht gefallen lässt. Mittels einer Beschwerde wird er eine Verfügung des Departements von FDP-Regierungsrat Stephan Attiger anfechten. In der Hoffnung auf eine Ausnahmeregelung und im Wissen, dass es eigentlich eine Änderung des kantonalen Gesetzes bräuchte.

Die Schutzzone ist laut neuer Verordnung zu klein

Die Ausgangslage für Boniswil ist eigentlich komfortabel: Die Gemeinde (1500 Einwohner) kann ihren gesamten Trinkwasserbedarf auf fünf Quellen decken. Mehr noch: Sie kann auch das benachbarte Hallwil mit Wasser beliefern. Und beide Gemeinden haben für den Fall einer Verschmutzung je ein Back-up (Leitungen nach Zetzwil und Dürrenäsch).

Das Problem: Die Schutzzonen der Boniswiler Quellen sind noch relativ neu (aus dem Jahr 1997), entsprechen aber nicht mehr den Anforderungen der neuen Gewässerschutzverordnung (aus dem Jahr 1998). Der Kanton verlangt eine Anpassung der Schutzzonen bis Ende 2022. Doch das ist praktisch nicht möglich, weil die vergrösserten Schutzzonen grossflächig Baugebiet und teilweise bereits überbautes Gebiet tangieren würden. Das in der Gemeinde Leutwil. Der Kanton kennt kein Pardon: Ohne vergrösserte Schutzzonen darf kein Trinkwasser mehr aus den fünf Quellen mehr bezogen werden.

Ein teuerer Umweg über Meisterschwanden?

Und woher hätte Boniswil künftig sein Wasser? Aus einem eigenen Seewasserwerk (unrealistisch, aber vom Kanton als Lösungsmöglichkeit in Erwägung gezogen) oder aus dem vor der Realisierung stehenden Seewasserwerk Meisterschwanden. In einem Gemeinderatsprotokoll heisst es: «Die buchstabengetreue Umsetzung der eigenössichen Gewässerschutzverordnung durch den Kanton bewirkt im speziellen Fall der Gemeinde Boniswil, dass das einwandfreie Trinkwasser aus den Boniswiler Quellen dem Hallwilersee zugeführt werden muss. In Meisterschwanden wird das belastete Wasser dem See wieder entnommen, zu Trinkwasser aufbereitet und dann über eine neu zu erstellende Leitung quer durch den See zurück nach Boniswil gepumpt.»

Die Boniswiler sind überzeugt, dass ihr Quellwasser so elektronisch überwacht werden könnte, dass es auch ohne grössere Schutzzone nutzbar wäre.

Boniswil kämpft in der Wasserfrage an zwei Fronten: Neben der Beschwerde in der Quellenfrage hat die Gemeinde auch eine Beschwerde gegen Konzession für die Seewassernutzung durch Meisterschwanden gemacht. Man ist nicht gegen das Seewasserwerk, sondern fordert, dass Meisterschwanden verpflichtet wird, seine Kunden (wahrscheinlich auch Boniswil) nach Bedarf (nicht eine feste Menge) und zum Selbstkostenpreis zu beliefern.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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