Seon

Von Corona liess er sich nicht unterkriegen: 58-jähriger Aargauer durfte endlich sein Restaurant eröffnen

Ralf Höger und Sein Team.

Ralf Höger und Sein Team.

Ein Spätberufener, der sich auch von Corona nicht hat unterkriegen lassen: Ralf Höger führt das «Unterdorf» in Seon.

Eigentlich wäre alles für die Eröffnung bereit gewesen. Die Wände wurden frisch gestrichen, die Pflanzen arrangiert und die Speisekarten lagen bereit. Doch Corona machte Ralf Höger einen Strich durch die Rechnung. Am 17. März wollte der Wirt sein Restaurant Unterdorf in Seon eröffnen. Am 16. März, am frühen Abend, verkündete der Bundesrat den Lockdown – womit die geplante Eröffnung ins Wasser fiel.

Eine Überraschung sei es nicht gewesen, erklärt er: «Ich bin Realist. Ich habe damit gerechnet, dass ich nicht öffnen darf.» Seit dem 12. Mai ist das Restaurant Unterdorf (vorher Kafi Müli) nun geöffnet. Mit dem «Unterdorf» erfüllt sich der 58-Jährige einen Traum, der schon seit Jahrzehnten in seinem Hinterkopf ist: «Es ist sozusagen mein letztes berufliches Highlight», erklärt er lachend. Höger ist gelernter Koch, nach einigen Jahren wechselte er jedoch zur Post. «Wir waren dabei eine Familie zu gründen. Wäre ich Koch geblieben, hätte ich meine Frau und die Kinder zu selten gesehen.» Vor 12 Jahren verstarb Hörers Frau. «Dadurch ändert sich auch die Einstellung, ich plane heute nicht mehr ewig weit voraus, sondern entscheide vorzu.» Den Traum vom eigenen Restaurant erfüllte er sich nicht leichtfertig: «Für mich musste wirklich alles stimmen, sonst hätte ich es gelassen», so der Wirt.

Trotz Stammtisch keine typische Beiz

Das Restaurant Unterdorf ist eine typische Beiz mit einem grossen runden Stammtisch. Doch ganz so typisch eben doch wieder nicht. Höger liess die Wände in einem zurückhaltenden Grünton streichen, passend dazu stehen an vielen Ecken Grünpflanzen. Zudem findet sich bei jedem Tisch eine Steckdose. «Geplant ist, dass es zukünftig freitags auf Bestellung Tischgrill gibt», so Höger. In der Küche des Restaurants Unterdorf steht der Chef persönlich. Die Gäste können normalerweise zwischen vier verschiedenen Tagesmenüs und einem Wochenhit auswählen. Zu Coronazeiten beschränkt sich Höger jedoch auf drei Menüs. Nicht nur die Menüauswahl ist Corona-bedingt eingeschränkt. «Normalerweise hätten wir von Dienstag bis Freitag bis sieben Uhr am Abend geöffnet, momentan schliessen wir um vier», so der Wirt. Zudem hat er dort, wo sich der Sicherheitsabstand nicht einhalten lässt, Trennwände einbauen lassen und die Servicefachkräfte tragen Masken.

Frische Patisserie mit Seenger Erdbeeren

Die Gäste, die das Restaurant besuchen, scheint dies wenig zu stören. Sie bestellen ihren Kaffee und lassen sich zu einem Erdbeertörtchen mit Seenger Erdbeeren verführen. Die frische Patisserie backt eine von Högers Mitarbeiterinnen, die gelernte Konditorin ist.

Höger, der seit rund 25 Jahren in Niederlenz wohnt, fühlt sich in Seon wohl. «Wissen Sie, Dörfer sind immer ein wenig speziell. Hier in Seon schauen die Ladenbetreiber aufeinander und man unterstützt sich gegenseitig. Das ist sehr schön.» So arbeite er unter anderem mit der Metzgerei Burkart zusammen. Auch wenn die Eröffnung ganz anders als geplant ablief, ist Ralf Höger kein Mensch, der sich so schnell aus der Ruhe bringen lässt. «Mein Motto ist, ‹es wäre schön, wenn›, es gibt aber auch immer noch ein ‹wenn nicht, dann nicht›.» Ziel sei es, dass er irgendwann so walten könne, wie er möchte. «Bis es so weit ist, machen wir das Beste aus dieser speziellen Situation.»

Aargauer Gastro-News 2020

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