Seetal
Eine Bez soll weg: Jetzt suchen die Gemeinden eine Lösung

Der Kanton fordert die Schliessung von einer der drei Bezirksschulen Fahrwangen, Seengen oder Seon. Jetzt haben die betroffenen Gemeinden eine Arbeitsgruppe gegründet. Diese will aber erst prüfen, ob wirklich ein Standort geschlossen werden muss.

Pascal Meier
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Seetaler Bezirksschulen auf dem Prüfstand

Seetaler Bezirksschulen auf dem Prüfstand

Aargauer Zeitung

Eine der drei Bezirksschulen im Seetal muss geschlossen werden. Diese Bombe liess der Kanton Ende 2012 an einem Treffen mit den Standortgemeinden Fahrwangen, Seengen und Seon platzen.

Die Gemeinden erhielten den Auftrag, bis 2018 gemeinsam eine Lösung zu finden und diese bis 2022 umzusetzen. Dann läuft die Übergangsfrist ab, wonach jede Bezirksschule mindestens 6 Abteilungen (2 Klassen pro Jahrgang) mit je mindestens 18 Schülern führen muss. Aktuell erfüllen nur Fahrwangen und Seengen diese Vorgabe. Die Bezirksschule Seon führt 4 Abteilungen.

Der Kanton forciert grössere Oberstufenzentren auch, weil dadurch ein breiteres Angebot (u. a. Wahlfächer und Tagesstrukturen) mit besserer Infrastruktur möglich sei. Zudem könnten Arbeitsabläufe im Lehrerkollegium effizienter gestaltet werden.

21 Vertreter diskutieren mit

Dass es dem Kanton mit seinen Plänen im Seetal ernst ist, bekräftige Bildungsdirektor Alex Hürzeler im November 2013 am Landammann-Stammtisch im Seenger Rebstock: «Im Seetal gibt es mindestens eine Bezirksschule zu viel.» Der Termin für die Schliessung werde nicht verlängert, der Ball liege nun bei den Gemeinden. Ansonsten entscheide der Kanton.

Ein Diktat aus Aarau wollen die betroffenen Gemeinden um jeden Preis verhindern. Deshalb ist nun eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die nicht weniger als 21 Mitglieder aus elf Seetaler Gemeinden zählt. Mit dabei sind Gemeinderäte, Schulpfleger und Schulleiter aus den drei Standortgemeinden sowie je ein Gemeinderat aus den acht umliegenden Gemeinden, die ihre Bezler nach Fahrwangen, Seengen und Seon schicken (siehe Grafik).

Alle Standorte haben trotz unterschiedlich vielen Vertretern gleich viele Stimmen. «Hier geht es um eine regionale Frage, die regional diskutiert werden muss», sagt der Seenger Ammann Jörg Bruder, der den Vorsitz der Arbeitsgruppe übernommen hat. «Es kann nicht sein, dass jede Gemeinde nur für ihre eigene Schule schaut und hofft, dass eine andere Schule geschlossen wird.»

Ungewissheit im Lehrerzimmer

Die Arbeitsgruppe wird ihre Arbeit im Juni beginnen. Dabei geht es laut Jörg Bruder in einem ersten Schritt nicht darum, welche Schule geschlossen werden soll. «Wir wollen zuerst prüfen, ob überhaupt ein Standort aufgehoben werden muss.»

Von dieser Notwendigkeit sei man nicht überzeugt. Das bestätigt der Fahrwanger Ammann Patrick Fischer: «Es geht nicht, dass man eine Schule wegen ein paar Schülern zu wenig schliesst – und später die Mindest-Schülerzahl infolge des Bevölkerungswachstums womöglich wieder erreicht wird.» Jede Schule habe Tradition und sei für eine Gemeinde ein Standortvorteil.

Da alle 21 Mitglieder der gemeinsamen Arbeitsgruppe gleichzeitig Partei sind und ihnen die eigene Schule naturgemäss am nächsten ist, soll ein externes Büro die Leitung übernehmen und die Diskussionen moderieren. Offerten wurden bereits eingeholt. «Uns ist wichtig, dass die Projektleitung Erfahrung mit dem Schulsystem hat», sagt Patrick Fischer. «Wir sind ja nicht die einzigen im Kanton mit diesem Problem.»

Wann die Arbeitsgruppe konkrete Ergebnisse vorlegen kann, ist noch ungewiss. Sehnlichst erwartet werden diese vor allem in den Lehrerzimmern. Dort herrscht seit längerem Ungewissheit, ob die eigene Schule eine Zukunft hat.

Auf Zeit spielen ist gefährlich Der Kommentar von Fritz Thut Die Schule ist in der Kommunalpolitik ein emotionales Thema. Möglichst viele Schulstufen im eigenen Dorf anbieten zu können, ist einer der raren Standortvorteile, mit denen man sich vom Nachbardorf abheben kann. Da ist es verständlich, dass die Alarmglocken schrillen, wenn der Kanton verlangt, dass im Seetal einer von drei Bezirksschulstandorten bis ins Jahr 2022 geschlossen werden soll. Es ist den poltischen Entscheidungsträgern hoch anzurechnen, dass sie einen Weg suchen, selbst auszuhandeln, wer aus dem Trio Fahrwangen, Seengen und Seon über die Klinge springen soll. Viele Bürger stellen sich höchstens die Frage, ob für die Lösung dieser an sich simplen Frage ein derart grosser Aufwand mit teuren externen Moderatoren und einer riesigen Arbeitsgruppe betrieben werden muss. Vielleicht ist dieses Vorgehen der schon erwähnten Emotionalität des Themas geschuldet. Bis 2018 hat man Zeit, dem Erziehungsdepartement zu melden, welcher der prestigeträchtigen Bezirksschulstandorte geopfert werden soll. Dies sind ab jetzt fast vier Jahre, eine ganze Legislatur. Erschwerend kommen die Neuwahlen im Herbst 2017 dazwischen. Die Verlockung, sich Zeit zu lassen oder auf Zeit zu spielen (die Hoffnung, dass der Kanton auf seine Vorgabe zurückkommt, ist wohl illusorisch), ist jedoch gefährlich. Die Erstbezler von 2022 gehen bald in den Kindergarten; die Zahlen sind also bekannt. Als weitere Basis für die Verhandlungen kennt man die räumliche und verkehrstechnische Infrastruktur der involvierten Gemeinden. Sogar ein Blick über den Seetaler Perimeter hinaus sollte in nützlicher Frist möglich sein. Eine durchdachte, aber trotzdem schnelle Lösung ist also anzustreben. Dies im Interesse der betroffenen Lehrer und vor allem der Kinder.

Auf Zeit spielen ist gefährlich Der Kommentar von Fritz Thut Die Schule ist in der Kommunalpolitik ein emotionales Thema. Möglichst viele Schulstufen im eigenen Dorf anbieten zu können, ist einer der raren Standortvorteile, mit denen man sich vom Nachbardorf abheben kann. Da ist es verständlich, dass die Alarmglocken schrillen, wenn der Kanton verlangt, dass im Seetal einer von drei Bezirksschulstandorten bis ins Jahr 2022 geschlossen werden soll. Es ist den poltischen Entscheidungsträgern hoch anzurechnen, dass sie einen Weg suchen, selbst auszuhandeln, wer aus dem Trio Fahrwangen, Seengen und Seon über die Klinge springen soll. Viele Bürger stellen sich höchstens die Frage, ob für die Lösung dieser an sich simplen Frage ein derart grosser Aufwand mit teuren externen Moderatoren und einer riesigen Arbeitsgruppe betrieben werden muss. Vielleicht ist dieses Vorgehen der schon erwähnten Emotionalität des Themas geschuldet. Bis 2018 hat man Zeit, dem Erziehungsdepartement zu melden, welcher der prestigeträchtigen Bezirksschulstandorte geopfert werden soll. Dies sind ab jetzt fast vier Jahre, eine ganze Legislatur. Erschwerend kommen die Neuwahlen im Herbst 2017 dazwischen. Die Verlockung, sich Zeit zu lassen oder auf Zeit zu spielen (die Hoffnung, dass der Kanton auf seine Vorgabe zurückkommt, ist wohl illusorisch), ist jedoch gefährlich. Die Erstbezler von 2022 gehen bald in den Kindergarten; die Zahlen sind also bekannt. Als weitere Basis für die Verhandlungen kennt man die räumliche und verkehrstechnische Infrastruktur der involvierten Gemeinden. Sogar ein Blick über den Seetaler Perimeter hinaus sollte in nützlicher Frist möglich sein. Eine durchdachte, aber trotzdem schnelle Lösung ist also anzustreben. Dies im Interesse der betroffenen Lehrer und vor allem der Kinder.

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