Seetal
Eine Seetaler Bezirksschule muss weg – doch kaum jemanden kümmerts

Die bevorstehende Schliessung der Bezirksschule Fahrwangen, Seon oder Seengen ist in der Bevölkerung kaum ein Thema. «Das Bewusstsein für den Ernst der Lage ist noch nicht vorhanden», vermutet Michael Lutz, Schulleiter der Kreisschule Oberes Seetal.

Pascal Meier
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Eine der drei Seetaler Bezirksschulen soll aufgehoben werden

Eine der drei Seetaler Bezirksschulen soll aufgehoben werden

Als 2014 in Gränichen die Bezirksschule geschlossen wurde, gingen die Wogen hoch. «Das war hochemotional», sagt die damalige Gesamtschulleiterin Marietta Müller. «Nebst dem Verlust der Schule herrschte Angst, dass Familien wegziehen oder nicht nach Gränichen zügeln.» Auch für die Lehrer sei die Situation sehr schwierig gewesen.

Auf eine solche Situation müssen sich auch die Gemeinden im Seetal einstellen: Eine der drei Bezirksschulen in Seengen, Seon und Fahrwangen wird wegen tiefer Schülerzahlen geschlossen (die az berichtete).

Denn ab 2022 müssen Bezirksschulen mindestens 6 Abteilungen (2 Klassen pro Jahrgang) mit mindestens 18 Schülern führen. Der Kanton forciert grössere Oberstufenzentrum, die den Schülern mehr Freifächer und Lehrern höhere Pensen bieten. Die Schliessung einer Bezirksschule macht pädagogisch und organisatorisch Sinn, hört man auch aus Seetaler Gemeinden.

Dass die Bezirksschule Seon, Seengen oder Fahrwangen geschlossen wird, ist seit Ende 2012 bekannt. In der Bevölkerung ist dies aber kein grosses Thema. Das sei enttäuschend, tönt es aus einem Seetaler Lehrerzimmer, wo die Unsicherheit gross ist. Diese Unsicherheit an den Schulen bestätigt der Seoner Schulleiter André Hunziker: «Im Lehrerzimmer ist das ein grosses Thema. Der eigene Arbeitsplatz ist bedroht.».

Doch ein Diktat aus Aarau

Eine mögliche Erklärung für die Ruhe in der Öffentlichkeit ist die Strategie, welche das Seetal gewählt hat: 2015 wurde eine Arbeitgruppe mit zwei Dutzend Mitgliedern aus allen elf betroffenen Dörfern gegründet, um eine regionale Lösung zu finden und ein Diktat aus Aarau zu verhindern.

Das ist im Sinne von Alex Hürzeler: «Die Gemeinden müssen sich arrangieren», sagte der Bildungsdirektor 2014. «Ich bin dagegen, dass man in Aarau aufgrund der Landkarte Entscheide fällt.»

Doch genau das droht dem Seetal. Der ambitiöse Versuch, regional eine Lösung zu finden, ist im Sommer gescheitert: Die Arbeitsgruppe kam zum Schluss, dass es «keine eindeutige Vorzugsvariante» gibt.

Was jetzt passiert, ist Formsache: Die Gemeinderäte der elf Dörfer werden zum Abschlussbericht Stellung nehmen und ihre Haltung dem jeweiligen Bez-Standort melden. Dieser teilt dann der Arbeitsgruppe mit, ob er an der Schule festhält oder diese opfert. Letzteres wäre eine Überraschung. «Wir gehen davon aus, dass niemand freiwillig seine Schule aufgibt», sagt der Seenger Gemeindeammann Jörg Bruder, der die Arbeitsgruppe präsidiert.

Das heisst: Die Seetaler werden an der Abschlusssitzung der Arbeitsgruppe vom 16. November mit grösster Wahrscheinlichkeit das Heft aus der Hand geben und dem Regierungsrat den Entscheid überlassen «Wir werden dafür alle Unterlagen nach Aarau schicken», sagt Bruder. «Alle Fakten liegen damit auf dem Tisch.»

Grosser Rat will Kurs beibehalten

Als im Sommer publik wurde, dass die Arbeitsgruppe keine Lösung gefunden hat, löste dies ebenfalls kaum Reaktionen aus. «Das Bewusstsein für den Ernst der Lage ist noch nicht vorhanden», vermutet Michael Lutz, Schulleiter der Kreisschule Oberes Seetal mit der Bezirksschule Fahrwangen. «Ich gehe davon aus, dass die öffentliche Diskussion nach der Abschlusssitzung der Arbeitsgruppe beginnt.»

Ähnlich äussert sich der Seenger Schulleiter Urs Bögli. «Die Bevölkerung wiegt sich in einer falschen Sicherheit. Man glaubt, dass es die eigene Schule sicher nicht trifft, weil diese ja funktioniert.» Diesen Eindruck hat auch Jörg Bruder: «Man glaubt nicht nur, dass es einen anderen Standort trifft. Man glaubt, dass es gar keinen trifft.»

Jörg Bruder bestätigt damit, was man auch noch aus dem Seetal hört: Weil in der Aargauer Bildungslandschaft eine Reform die nächste jagt, hofft man, dass sich bis 2022 die Ausgangslage wieder ändert und die Schulen bleiben.

Dass dies blauäugig ist, zeigte sich diese Woche im Grossen Rat, wo ein Vorstoss der SP-Fraktion mit 72 zu 43 Stimmen abgelehnt wurde: Die SP forderte, dass jene kleinen Bezirksschulen nicht geschlossen werden sollen, wenn diese in einem Oberstufenzentrum mit Sek und Real untergebracht sind. Angestossen hatte die Motion der Seoner Oberstufen-Schulleiter André Hunziker.

Der Grosse Rat hatte dafür kein Gehör. Zwar äusserten Parteien Sympathien für das Anliegen. Man könne aber den Volksentscheid von 2012 nicht teilweise umstossen. Auch Bildungsdirektor Alex Hürzeler stellte klar, dass kleine Bezirksschulen geschlossen werden: «Wir wollen keine Kurskorrektur auf halbem Weg.»

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