Dintikon

Eine Vereinsgründung mit amüsanter Panne

Die Musikgesellschaft wird 150 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum mit Behördenvertretern, Gönnern und ehemaligen Mitgliedern, die sich um den Verein verdient gemacht haben. Oberste Priorität bleibt den Mitgliederbestand aufrecht zu halten

Mit einem Leiterwagen im Schlepptau machten sich im Jahr 1869 sechs Männer auf einen langen Fussmarsch von Dintikon nach Aarau. Ihr Ziel war das Musikhaus Hirsbrunner. Dort nahmen sie die Occasions-Instrumente in Empfang, um zuhause die Musikgesellschaft Dintikon ins Leben zu rufen.

Die Stimmung auf der Heimreise muss äusserst heiter und fröhlich gewesen sein und so bemerkten die Neumusikanten zuerst nicht, dass sich ein Rad am Leiterwagen löste und einige der Instrumente aus dem Wagen kullerten.

Der Fauxpas wurde glücklicherweise doch noch registriert und die Instrumente wieder eingesammelt. Der Gründung des Musikvereins stand nun nichts mehr im Wege.

150 Jahre sind seit diesem pannenbehafteten, doch vergnügten Tag ins Land gegangen. An diesem Freitag feiert die Musikgesellschaft Dintikon ihren Geburtstag mit einem Jubiläumsabend für geladene Gäste, darunter offizielle Vertreter, Gönner und ehemalige Vereinsmitglieder.

«Mit musikalischer Unterhaltung und einem offerierten Nachtessen wollen wir denjenigen Personen etwas zurückgeben, die uns bei unseren Vereinsaktivitäten in den vergangenen Jahren grosszügig unterstützt haben», sagt Präsident Daniel Schüpbach.

Eine Musik mit Festgeschäft

Für das Jubiläumsjahr hat Daniel Schüpbach, der von 1995 bis 2008 auch den Taktstock in der Musikgesellschaft führte, die Geschichte des Dintiker Korps in einer Jubiläumsschrift aufgearbeitet.

Dabei konnte er sich vor allem auf die Vorarbeit seiner Frau Christina Schüpbach stützen. Sie hatte 1985 ihre Matura-Arbeit in Geschichte zum Thema «Musikgesellschaft Dintikon» verfasst und dabei sowohl das Vereinsarchiv als auch verschiedene Zeitungsarchive akribisch durchforstet.

Überraschenderweise sind bis auf den Hinweis zur Leiterwagenreise im Gründungsjahr für die ersten 40 Jahre der Vereinsgeschichte kaum weitere Dokumente aufzufinden. Bekannt ist, dass die Musikproben am Samstagabend im Arbeitsschulzimmer des alten Schulhauses stattfanden und dass die Musikgesellschaft Dintikon überwiegend Märsche, Walzer und Polkas in ihr Repertoire integrierte.

Als aussergewöhnlich kann sicher eine Geschäftsidee der Dintiker Musikanten gelten. Von 1926 bis Ende der 1950er-Jahre betrieb die Musikgesellschaft ihr eigenes Hochrad, das man bei Festen im Dorf und der näheren Umgebung aufstellte, um die Vereinskasse zu füllen.

Auch amüsante Anekdoten sind in der Jubiläumsschrift vermerkt. Beispielsweise suchte ein Dintiker Bauer und Musikant per Inserat im Jahr 1923 nach einem Vieh- und Güterknecht, wobei sich dieser für eine Einstellung als «tüchtiger Musiker» auszuweisen hatte.

Heute zählt die Musikgesellschaft Dintikon, die seit diesem Januar von Andi Huber dirigiert wird und in jedem Jahr ein Frühlings- sowie ein Jahreskonzert präsentiert, noch 17 aktive Mitglieder.

Wie andere Musikvereine wird sie von Nachwuchssorgen geplagt. Aus diesem Grund bildet der Verein seit sechs Jahren unter der Führung von Ruedi Bieri aus Ammerswil seine Jungbläser und Jungbläserinnen gleich selbst und kostenfrei aus.

«Mein oberstes Ziel», sagt Präsident Schüpbach, «ist es denn auch, dass wir in den kommenden Jahren unseren Mitgliederbestand halten können. Dafür sind wir nicht auf der Suche nach Spitzenbläsern, aber nach begeisterten Musikantinnen und Musikanten, die auch bereit sind, bei Anlässen mit anzupacken».

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