Lenzburg
Erfolglose «Bonus-Card» – «Centrum»-Präsident trat im März 2013 zurück

Mit einer Rabattkarte wollte die Vereinigung der Lenzburger Innenstadtgeschäfte mehr Umsatz generieren. Doch die Gewerbler wollten dies nicht. Jetzt kommt heraus: «Centrum Lenzburg»-Präsident Thomas Schneider ist im März 2013 zurückgetreten.

Ruth Steiner
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In drei verschiedenen Quartieren in der Stadt wird gefeiert.

In drei verschiedenen Quartieren in der Stadt wird gefeiert.

EMANUEL PER FREUDIGER

Mit einer Rabattkarte, der sogenannten «Lenzburger Bonus-Card», plante «Centrum Lenzburg», die Vereinigung der Lenzburger Innenstadtgeschäfte, vergangenen Frühling ihren Umsatz anzukurbeln. Die Rabattkarte sollte zudem die Spezialwochen (blauer Teppich, Jagdfieber) ersetzen. Diese hatten zuletzt den erhofften Kundenzustrom vermissen lassen.

Schlussendlich ist jedoch alles anders gekommen. Die Gewerbler zeigten an der Generalversammlung im März 2013 wenig Interesse an der vom Vorstand präsentierten Innovation.

«Centrum Lenzburg»: Aktive Altstadt

Vor über 35 Jahren gründete Schuhhändler Martin Bertschinger mit den Geschäften in der Altstadt die Vereinigung «Centrum Lenzburg». Sie ist eine Untergruppe des Gewerbevereins Lenzburg.Das Markenzeichen ist das C im Namen Centrum. Das Erkennungsmerkmal ist eine Plakette des Lenzburger Wappens und ist jeweils an der Ladentüre der Fachgeschäfte zu finden. Die Vereinigung wurde ins Leben gerufen, um die Aktivitäten der Geschäfte zu koordinieren und das Quartier mit zusätzlichen Aktionen zu beleben. «Centrum Lenzburg» umfasst derzeit 27 Aktiv- und 7 Passivmitglieder sowie 9 Gastrobetriebe. Nach Abschluss der Bauarbeiten in der Innenstadt 2006 wurde ein Animationsfilm über die neu geschaffene Begegnungs- und Einkaufszone gedreht. Bei dieser Gelegenheit entstand der bekannte Slogan: «Z Lenzburg stoppe und go schoppe.» (str)

Wie nachträglich nun bekannt wurde, sorgten die Meinungsverschiedenheiten um die Einführung des neuen Marketinginstruments im Anschluss an die Generalversammlung gar für einen Eklat im Centrum-Vorstand. Präsident Thomas Schneider, geistiger Vater der Rabattkarte, zog die Konsequenzen und legte das Präsidium per sofort nieder.

Schneider hatte im Vorfeld sämtliche Abklärungen für das neue Bonus-System getätigt und seine Kollegen an der Mitgliederversammlung dafür zu begeistern versucht. Vergeblich, die Karte wurde abgeschmettert.

Mitglieder wachrütteln wollen

Heute streicht Schneider die Absicht hervor, die vor Jahresfrist hinter seinem abrupten Abgang als Präsident der Vereinigung stand. Er habe mit seiner Demission bewusst die Grundsatzfrage auslösen wollen: Die Mitglieder sollten sich zu «Centrum Lenzburg» bekennen – oder eben nicht, sagt er. Im Anschluss an Schneiders Abgang wurden zwei ausserordentliche Generalversammlungen durchgeführt. Als Tagungsleiter wurde «Centrum»-Mitglied Jürg Haller berufen.

Ein neuer Präsident konnte unter den 43 Aktiv- und Passivmitgliedern sowie Gastrobetrieben trotz aller Bemühungen nicht evaluiert werden. Ebenso wenig wollten die Mitglieder die Vereinigung auflösen. Hingegen beschloss man, die gemeinsamen Aktionen auf Sparflamme zu setzen: Die Frühlings- und Herbstwochen mit den blauen Begrüssungsteppichen vor den Eingangstüren der Geschäfte sind vorerst aufs Eis gelegt.

Festgehalten wird einzig an der Organisation der jährlichen Weihnachtsbeleuchtung und den Tannenbäumen in der Innenstadt, dem Jugendfest-Apéro, sowie dem «Centrum»-Schaufenster in der Bahnhof-Unterführung.

Die Aktivitäten zur Unterstützung der Sonntagsverkäufe im Dezember erschöpfen sich in zwei Zeitungs-Inseraten mit dem Hinweis auf die Öffnungszeiten. Der Samichlaus und weitere Aktionen zur Belebung dieser vorweihnachtlichen Einkaufsgelegenheit sind vorerst gestrichen. «Zudem haben wir unser Kind, das Gauklerfestival, nun in die Selbstständigkeit entlassen», sagt Vorstandsmitglied Bea Kleiner vom Geschenkladen «s’ Himmelrych». Das im August stattfindende Festival wurde im vergangenen Jahr zum letzten Mal mit 5000 Franken unterstützt.

Auch die Website kommt eher bescheiden daher. Aufgeschaltet sind derzeit ein Minimum an Informationen. Zu finden sind die Mitgliederliste, der Stadtplan und eine Information über die Schulferien.

Mehr Solidarität gefordert

Wie sieht die Situation in der Vereinigung heute aus? Sie wird mit einem Vorstand von drei Personen über Wasser gehalten: Bea Kleiner, seit vielen Jahren Kassierin, Marianne von Bergen, Jori Silber & Stein, und neu Jürg Haller, ehemals Bäckerei Haller, als Aktuar.

Ungeachtet der Vorfälle setze er alles daran, «Centrum Lenzburg» am Leben zu erhalten, sagt auch Thomas Schneider: «Obwohl ich nicht mehr Präsident bin, habe ich den Mitgliedern mögliche neue Organisationsstrukturen aufgezeigt.» Zudem: Viele Anfragen an die Vereinigung liefen nach wie vor über seinen Tisch. Der ehemalige Präsident betont denn auch: «Eine gemeinsame Plattform der Innenstadt-Geschäfte liegt mir sehr am Herzen.» Gleichzeitig fordert er von den Mitgliedern unbedingt mehr Solidarität.

Neuer Aufruf zu Aktivität

Ein Weiterbestehen der Vereinigung fordert auch Roland Frey. Er führt in der Rathausgasse ein Uhren- und Bijouteriegeschäft. Doch agiert er, wie er sagt, lieber im Hintergrund, will das Präsidium nicht übernehmen. Jedoch hat Frey den Mitgliedern zusammen mit seinen Neujahrswünschen eine Statistik über die erfolgreiche Lancierung einer Geschenkkarte der Rheinfelder Altstadt-Geschäfte zukommen lassen. Seine Familie führt dort ebenfalls eine Filiale.

Gleichzeitig mit seiner Grussbotschaft erhob Roland Frey seinen Geschäftskollegen den Mahnfinger: «Ich will euch am Beispiel Rheinfelden zeigen, was wir verpassen, wenn wir keine Bonuskarte machen. Und ich kann euch nur bitten: Wacht endlich auf und werdet gemeinsam aktiv. Lenzburg als Einkaufsort wird sonst untergehen.»

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