Lenzburg

Erst scheiterte das «Stadtgässli» – nun fällt ein weiteres Bauprojekt zurück auf Feld eins

Werden vorerst nicht abgebrochen: Die Häuser an der Aavorstadt.

Werden vorerst nicht abgebrochen: Die Häuser an der Aavorstadt.

Nach dem Scheitern des Projektes «Stadtgässli» in Lenzburg muss auch das Bauvorhaben «Aavorstadt» überarbeitet werden.

Das Ortsbild von Lenzburg ist gemäss dem Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) national bedeutend. Lange sah es danach aus, als ob das ISOS im Fall von Lenzburg kaum mehr Wirkung erzeugen würde. Doch jetzt hat der Wind gedreht. Innerhalb eines halben Jahres erleidet bereits das zweite Projekt in der Ringzone Schiffbruch.

Investorin beugt sich dem neuen Druck der Stadt

«Meine Klientin wird das Projekt überarbeiten», schreibt eine Zürcher Anwältin der Stadt Lenzburg. Dies hatte unter dem Druck der letzten Entscheide des Kantons Ende August von der Aavorstadt-Investorin acht Anpassungen verlangt. Eine Weiterführung des Baugesuchsverfahrens (Auflage im Februar 2019) wäre aussichtslos gewesen. Nach der Überarbeitung, unter anderem der Anpassung an die historische Umgebung, wird eine neuerliche Auflage nötig sein.

Die Strasse mit Namen Aavorstadt ist die Westeinfahrt in die Altstadt von Lenzburg. Die Investorin möchte zwei markante Mehrfamilienhäuser und ein von der Strasse aus nicht sichtbares Gewerbegebäude abreisen und durch eine Wohnüberbauung (31 Wohnungen) mit Gewerbeateliers und Tiefgarage (21 Plätze) ersetzen.

Die Stadt hat bei der Entwicklung des Projektes anfänglich so stark mitgeholfen, dass der Kanton wegen des «Anscheins von Befangenheit» Bau-Stadtrat Martin Stücheli (SVP) und Bauverwalter Christoph Schnegg für faktisch befangen erklärte. Diese sind jetzt im Ausstand.

Verändert hat sich auch die Einschätzung der Wirkungskraft der ISOS-Einstufung. Dies im Gefolge des «Stadtgässli»-Entscheids. Es ging um ein Projekt (zwölf Wohnungen) auf dem Areal der einstigen Schreinerei Hächler zwischen dem Gasthof Ochsen und dem Seifi-Parkplatz. Der Regierungsrat hat im Frühling den Stadtrat zurückgepfiffen, weil er bei der Erteilung der Baubewilligung das ISOS zu wenig beachtet hatte. Das war ein Grosserfolg für alle, denen das Stadtbild von Lenzburg am Herzen liegt.

Ähnliches ist jetzt beim Projekt Aavorstadt passiert – auch wenn es keines übergeordneten Entscheides mehr bedurft hatte. Der Stadtrat hatte nämlich unter dem Eindruck des «Stadtgässli»-Flops freiwillig bei der Kantonalen Abteilung Orts-, Siedlungs- und Regionalplanung (OSR) eine fachliche Stellungnahme («unabhängige Drittbeurteilung») eingeholt. Deren Fazit: Das Projekt vermöge «bezüglich der Einordnung in das Ortsbild noch nicht in allen Punkten zu überzeugen». Und: «Dem Gemeinderat wird empfohlen, das Projekt in dieser Form nicht zu bewilligen.»

Knacknuss ist auch die Verkehrserschliessung

Neben der Einpassung ins Ortsbild dürfte sich verkehrsmässige Erschliessung als Knacknuss erweisen. Der Stadtrat verlangt jetzt ein Gutachten über die Auswirkungen des zusätzlichen Verkehrsaufkommens (verursacht durch den geplanten Neubau) auf die Bachstrasse. Es geht primär um die schon heute schwierige Einmündung von der Bachstrasse in Aavorstadt.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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