Seengen

Erstes «Cabrio-Restaurant» der Schweiz: Nach 150 Jahren erfindet sich der «Eichberg» neu

Geschäftsführer Eli Wengenmaier vor dem alten Gebäude. An dieser Stelle wird der Neubau realisiert.

Geschäftsführer Eli Wengenmaier vor dem alten Gebäude. An dieser Stelle wird der Neubau realisiert.

Das 150-jährige Restaurant «Eichberg» in Seengen soll bald einem Neubau für 6,8 Millionen weichen. Geplant sind unter anderem absenkbare Glasfronten. Damit wird die Gemeinde das erste «Cabrio-Restaurant» der Schweiz erhalten.

Die hohen Bauprofile, die rund um das Restaurant Eichberg ausgesteckt sind, erregen bei Spaziergängern Aufmerksamkeit: «Gibt es hier ein grosses Projekt?», möchte eine Frau von Eli Wengenmaier (45) wissen. Der «Eichberg»-­Geschäftsführer bejaht und nimmt sich Zeit, ihr zu erklären, was hier oben geplant ist.

Die Änderung ist gross: Das rund 150-jährige Restaurant mit den darüberliegenden Hotelzimmern wird abgerissen. An seiner Stelle soll ein Neubau entstehen, ohne Hotelzimmer. Damit verkleinert der «Eichberg» sein Angebot von 23 auf sieben Zimmer (im Nebengebäude). Das Baugesuch liegt bis zum 7. Dezember auf.

Noch vor zwei Jahren waren die Pläne andere – da war ein zusätzliches Hotel mit 60 Zimmer geplant, das sich auf den Gesundheitsbereich spezialisiert hätte. «Die Planung war bewilligt und wir hatten einen Partner für die Zusammenarbeit, diese kam dann aber doch nicht zu Stande», so der Geschäftsführer. Die Familie Wengenmaier und der Verwaltungsrat der Eichberg Seengen AG entschied dann, die Strategie zu ändern. «Unser Kerngeschäft ist die Restauration, hier sind wir zu Hause und hier benötigen wir keine Partner.»

Dank Vordach ist leichter Regen kein Problem

Aus diesem Grund investiert die Eichberg Seengen AG 8,6 Millionen Franken (gemäss Baugesuch) in ein neues Restaurant. Dieses soll mit einer Finesse ausgestattet sein: «Wir werden hier oben das erste Cabrio-Restaurant der Schweiz haben», so Wengenmaier. «Die Glasfront des Restaurants wird sich auf der vorderen Seite komplett absenken und das Glasdach zurückfahren lassen.» Dank des Vordaches sei auch ein leichter Regen kein Problem. Erst bei einem heftigen Regenschauer mit Wind würde es hereinregnen. «Dann müssen die Gäste aber nicht mit ihren Tellern reinflüchten wie früher, wir schliessen einfach die Verglasung», sagt Wengenmaier schmunzelnd.

Auslöser für diese Pläne sei das Problem mit dem Wetter gewesen: «Bei schönem Wetter wollten alle Gäste draussen Platz nehmen, die 85 Innenplätze blieben aber beinahe unbesetzt.» Handkerum sei der «Eichberg» bei schlechtem Wetter sehr schnell ausgebucht. Dieses Problem will Wengenmaier mit dem Cabrio-Restaurant lösen. 150 Sitzplätze gibt es im Erdgeschoss.

Zudem sind einige Aussenplätze geplant, weitere 200 im ersten Stock, wo sich der Bankettsaal befindet. «Den Saal können wir in vier Räume aufteilen, alle werden Seesicht haben», sagt Wengenmaier stolz. Der «Eichberg» soll nach dem Umbau weiterhin ein Ziel für Restaurant- und Ausfluggäste bleiben, man möchte aber auch im Bereich Bankette und Events stärker werden, so Wengenmaier.

Während der Bauarbeiten ist das Restaurant im Provisorium

Dass es sich um ein Grossprojekt handelt, ist dem Geschäftsführer bewusst. «Es gibt sicher auch Leute, die finden, dass es nicht nötig ist. Aber wir investieren hier in unsere Zukunft», sagt er. «Das Kursegment, in dem wir jahrelang aktiv waren, ist extrem eingebrochen, die Nachfrage wurde über die Jahre immer kleiner.»

Man habe den Wegfall mit Business-Kunden kompensieren können, «aber der Preiskampf ist hart und die Zimmer über dem Restaurant sind unsere ältesten, sie entsprechen nicht mehr dem aktuellen Zeitgeist». Die Belegung der Hotelzimmer belaufe sich ungefähr auf 50 Prozent. Eine Renovation des alten Gebäudes würde sich nicht mehr lohnen, «das haben wir vor einigen Jahren schon getan, wir wären dann aber in spätestens zehn Jahren wieder am gleichen Ausgangspunkt», sagt Eli Wengenmaier.

Starten sollen die Arbeiten Anfang nächsten Jahres. «Dann ist zuerst der Rückbau des alten Gebäudes geplant.» Während der rund einjährigen Bauzeit wird das Restaurant nicht geschlossen. «Wir werden ein Provisorium bauen, in welches wir auch unser Inventar samt Küche zügeln, eigentlich fast wie ein Pop-up-Restaurant», sagt Wengenmaier. Das Provisorium habe zwei Vorteile: «Somit können wir während des Jahres weiterhin Gäste empfangen. Es wäre gefährlich, wenn wir uns für die volle Zeit des Neubaus vom Markt nehmen. Zudem können wir so das Team weiterbeschäftigen.» Mit dem Neubau steht auch eine Vergrösserung des Teams an. Neu werden sich auf dem «Eichberg» rund 80 Mitarbeitende 60 Vollzeitstellen teilen.

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