Hunzenschwil

«Es braucht nicht so viele Spitäler»: Ein Mediziner tritt für die SVP in Lenzburg an

Entspannt blickt Grossratskandidat René Fiechter in die Kamera und den Wahlen am 18. Oktober entgegen.

Entspannt blickt Grossratskandidat René Fiechter in die Kamera und den Wahlen am 18. Oktober entgegen.

Wo Fachmediziner René Fiechter (SVP) aus Hunzenschwil in der Gesundheitspolitik den Hebel ansetzen möchte und wie er zur Partei steht.

Bei den Gesamterneuerungswahlen 2021–24 für den Grossrat startet er von Platz vier aus, auf der Liste der SVP Bezirk Lenzburg, hinter den drei Bisherigen Pascal Furer (Staufen), Rolf Jäggi (Egliswil) und Jacqueline Felder (Boniswil). Dieser Platz unterstreicht die Ambitionen von René Fiechter. Wohl auch für die Partei scheint der Mediziner aus Hunzenschwil politisch ein Versprechen zu sein. Das ist mehr eine Feststellung, denn eine Frage. Fiechter schmunzelt. «Ich denke schon, dass es weniger an meinem guten Aussehen liegt.» Im Gespräch lässt er da und dort einen feinen Humor aufblitzen, bleibt jedoch sehr ernst, wenn es um die Sache geht. Während er spricht, hält er sein Gegenüber mit einem wachen Blick fest, als wolle er sich vergewissern, dass seine Message tatsächlich verstanden wird. Der 50-jährige Arzt sitzt entspannt am Tisch im Restaurant, die Beine über einander geschlagen, die Hände verschränkt. Vor sich hat er einen Kaffee und ein Mineralwasser stehen. Es ist Samstagmorgen. Die Dynamik seines Berufsalltags scheint weit entfernt.

René Fiechter ist Spezialist für Lungenerkrankungen und Schlafprobleme. Beides sind brandaktuelle Themen. Nein, die Coronapandemie bereite ihm keine Sorgen, beantwortet er die entsprechende Frage. Sorglosigkeit sei jedoch ebenso wenig angebracht, sagt Fiechter, und betont: «Corona wird Teil unseres Lebensalltags werden, genau so wie andere Grippeerkrankungen auch.» Dementsprechend seien auch Schutzvorkehrungen zu treffen. Wie wie steht es mit der Schlafqualität des Spezialisten? Fiechter lacht, die Frage habe er erwartet. «Ich habe sehr gut geschlafen.» Er sei ein Kurzschläfer: vier, maximal sechs Stunden pro Nacht genügten. «Ich kann um fünf Uhr in der Früh aufstehen und bin fit wie ein Turnschuh.»

Der Mediziner als Gesundheitspolitiker

Und wie steht es mit der Politik? Hat er das Gefühl, dass die ­Politik schläft? René Fiechter schmunzelt. «Ich würde es eher so formulieren: Es wird an der Gesellschaft vorbeipolitisiert», sagt er und bringt dann die Sprache – was kaum verwundert – auf die Gesundheitspolitik. Er torpediert die Fallpauschalen. «Die ganzheitliche Betreuung der Patienten geht verloren.» Er hebt den Mahnfinger bei den explodierenden Gesundheitskosten, welche die Krankenkassen aushöhlten. «Wenn wir die Kassen weiter so plündern, wie wir dran sind, müssen das unsere Kinder ausbaden.» Er möchte, dass auch seine Kinder von der Hightechmedizin profitieren können. «Hier müssen wir jetzt Verantwortung übernehmen.» Die Krankenkassenprämien könnten nicht beliebig steigen, betont der Facharzt und weist auf Fälle in seiner Praxis hin, bei denen junge Patienten mit einem hohen Selbstbehalt bei der Krankenkasse (damit sie die Prämien bezahlen können) sich eine Behandlung gar nicht mehr leisten könnten.

Wie will Politiker Fiechter die Probleme lösen? Ansetzen will der Grossratskandidat unter anderem bei der Gesundheitsinfrastruktur. «Es braucht nicht so viele Privat-, Kantonal- und Regionalspitäler.» Im Kanton Aargau ist nach Ansicht ­Fiechters einiges im Argen. Die Spitäler würden lieber eigene Züglein fahren, anstatt Synergien zu schaffen. Zum Beispiel würde ein Herzzentrum reichen. Und er empfiehlt den Spitälern, in den rückwärtigen Bereichen (Administration) zu koope­rieren.

René Fiechter passt kaum in die gängigen SVP-Klischees. Die Zeit der SVP-Haudegen sei vorbei, sagt er. Er sei an der gemässigten Seite der SVP angesiedelt. Argumente statt Aggression. Und er betont: «Ich stehe für die SVP als Anstandspartei für den Mittelstand.» Mit einem Augenzwinkern meint er: «Wir sind hier nicht mehr bei den Pfahlbauern, wo einer dem andern die Axt auf die Rübe haut, wenn er anderer Meinung ist.»

Als Ortsparteipräsident in den Grossen Rat

Auf Parteikurs ist der Grossratskandidat mit der Aussage «wir müssen Sorge tragen zu unseren Schweizer Werten». In der Umsetzung weicht er jedoch von der SVP-Linie ab. Die Forderung, die Bevölkerungszahl zu begrenzen, sei zu einseitig, meint er. Jetzt spricht ganz der Unternehmer, der selber Fachkräfte aus dem Ausland beschäftigt. Im März hat Fiechter in der alten Spinnerei in Aathal eine eigene Praxis eröffnet: ein Kompetenzzentrum für Lungenerkrankungen und Schlafprobleme. Zudem ist er leitender Arzt Pneumologie und ambulante Schlafmedizin im Seespital Brunnen.

Beruflich hält er sich im Zürcher Oberland und in der Zen­tralschweiz auf. René Fiechter ist jedoch im Aargau verankert. Aufgewachsen in Suhr und Aarau, wohnt er seit zwölf Jahren mit seiner Frau Jeannine und drei Söhnen im Teenageralter in Hunzenschwil. Sein politisches Engagement erklärt unter anderem so: «Wir wollen hier nicht nur schlafen und Steuern bezahlen, wir wollen auch mitgestalten.» Schliesslich müssten die Kinder dereinst auslöffeln, was wir ihnen jetzt einbrockten, sagt er. Seit vier Jahren präsidiert Fiechter die örtliche SVP und ist Mitglied der Steuerkommission.

In der spärlichen Freizeit ist Fiechter gerne auf Reisen, fährt Ski oder taucht. Die ganze Familie sei vom Tauchvirus befallen, erzählt er. Seine Tauchgänge gehen jedoch über den vergnüglichen Rahmen hinaus. René Fiechter ist auch als Tauchmediziner im Einsatz und arbeitet dabei unter anderem mit der Rega zusammen.

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