Lenzburg

Es meldeten sich nur vier Personen – die Feuerwehr muss noch einmal rekrutieren

Viele Einsätze und zahlreiche Übungen, wie hier auf der Schulanlage Angelrain: Für Dienstpflichtige immer weniger attraktive Aussichten.

Viele Einsätze und zahlreiche Übungen, wie hier auf der Schulanlage Angelrain: Für Dienstpflichtige immer weniger attraktive Aussichten.

Die Regio Feuerwehr Lenzburg hat Nachwuchsprobleme: Gleich zwei Mal im Monat muss sie rekrutieren. Obwohl die Situation akut ist, zum Einsatz zwingen kann man niemanden.

Feuerwehren brauchen dringend Nachwuchs – das ist kein Geheimnis. Jedes Jahr gibt es dafür eine offizielle Rekrutierung. Dass eine Feuerwehr aber zweimal im selben Monat neue Leute anwirbt, ist bemerkenswert. Derzeit ist das bei der Regio Feuerwehr Lenzburg der Fall. Es herrscht Notstand. So stark, dass man nachrekrutieren muss.

Die Rekrutierung Anfang September habe «leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht», schreibt die Lenzburger Feuerwehrkommission in einer Mitteilung. Um den Bedarf zu decken, wird der Anlass am 26. September im Magazin an der Niederlenzerstrasse wiederholt. Wie prekär die Lage wirklich ist, dazu will Feuerwehrkommandant Roger Strebel auf Anfrage nichts sagen.

Dafür äussert sich Stadträtin und Sicherheitsvorsteherin Franziska Möhl (CVP), die beim ersten Rekrutierungsabend dabei war. «Wir haben insgesamt 350 Personen angeschrieben», sagt sie. Rund 100 hätten sich im Vorfeld abgemeldet. Von den verbliebenen 250 Personen seien etwa 30 erschienen. «Letztendlich», so Möhl, «haben vier Personen zugesagt, Feuerwehrdienst zu leisten.»

Mindestens zwölf Neue werden benötigt

Zu wenig für die Regio Feuerwehr Lenzburg. Sie erreicht zwar gerade noch den von der Aargauischen Gebäudeversicherung vorgegebenen Sollbestand von rund 115 Einsatzkräften. Um allfällige Abgänge im neuen Jahr zu kompensieren, braucht es aber neues Personal. Zwölf bis 15 Leute, knapp zehn Prozent des Bestandes, sind die erklärte Vorgabe, sagt Möhl.

Weil diese nicht erfüllt wurde, braucht es den zweiten Anlauf. Dabei setzt die Feuerwehr auf dieselbe Strategie wie zuvor: Anschreiben, inserieren und aktive Mund-zu-Mund-Propaganda der jetzigen Einsatzkräfte. Zielgruppe sind Lenzburger, Ammerswiler und Staufner zwischen 25 und 30 Jahren. Das hat einen Grund, sagt Möhl: «Wenn man jünger ist, steckt man oft in der Ausbildung oder im Studium. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass man umzieht, ist höher.»

Umstände, die regelmässigen Feuerwehreinsätzen nicht gerade zuträglich sind.
«Grundsätzlich kann man sagen, dass das Milizsystem je länger, je mehr an den Anschlag gerät» findet Möhl. Bei vielen sinke die Bereitschaft, aktiv in der Feuerwehr dabei zu sein – trotz eigentlicher Dienstpflicht. Wie andere Feuerwehren kämpft auch die Regio Feuerwehr dafür, dass ihr Korps tagsüber verfügbar ist. Dafür brauche es genügend Personen, die im Einsatzgebiet wohnen und arbeiten, sagt Möhl. Das zu erreichen, sei eine grosse Herausforderung.

Franziska Möhl hat schon einmal erlebt, dass die Regio Feuerwehr Lenzburg nachrekrutiert. Damals mit Erfolg: «Das Rekrutierungsziel wurde erreicht.» Das wünscht sie sich auch dieses Mal. Sie hofft, dass die Angeschriebenen «die zweite Chance nutzen und sich für einen sinnvollen Einsatz zugunsten der Bevölkerung begeistern lassen». Zwingen, betont Möhl, wolle man niemanden. Der Feuerwehrkommission sei es wichtig, motivierte Leute im Korps zu haben. «Sie sollen frei entscheiden können, ob sie Dienst leisten wollen – oder nicht.»

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