Lenzburg

Ex-Polizist Kyburz: Freund und Helfer zu sein, ist heute nicht mehr möglich

Moderator Peter Buri mit Jörg Kyburz und Magdalena Schaub im Müllerhaus.

Moderator Peter Buri mit Jörg Kyburz und Magdalena Schaub im Müllerhaus.

Bei der vierten Auflage von «Lenzburg Persönlich» im Müllerhaus unterhielt sich Peter Buri am Sonntagmorgen mit der Hausärztin Magdalena Schaub und dem ehemaligen Sicherheitsbeamten Jörg Kyburz.

Die Brücke zwischen den beiden Gesprächspartnern besteht bei den Themen Gesundheit und Krankheit. Jörg Kyburz, als Sprecher der Kantonspolizei einst bekannt als «Mr. Bareggstau», hat ein beeindruckendes Buch über seine Krankheit geschrieben. Magdalena Schaub ist von Berufes wegen mit Gesundheit und Krankheit konfrontiert. Parallelen auch bei der Berufswahl: Polizei und Medizin haben mit Helfen und Dienst am Mitmenschen zu tun. Der gelernte Mechaniker fand daher im Polizeidienst die eigentliche Berufung; «Freund und Helfer» zu sein indes sei heute nicht mehr möglich, die Polizei sei ein «wirtschaftliches Unternehmen» geworden. Bussen brauche es, doch sei dies «eine Frage des Masses». Kyburz fiel die berufliche Umstellung deshalb leichter, er firmiert heute als Leiter Infrastruktur.

«Wie sag ichs meinem Patienten?»

Magdalena Schaub fasziniert an ihrem Beruf über das Medizinische hinaus die Nähe zum Menschen; wie bei ihrem Vater, Pfarrer in Adelboden, sei Seelsorge zunehmend auch beim Hausarzt gefragt. Allerdings kann die Nähe zum Patienten nebst dem grossen Pensum sehr belasten, Ausgleich ist wichtig.

Moderator Peter Buri nahm das Stichwort auf: «Wie sag ichs meinem Patienten?» Jörg Kyburz, in jungen Jahren mit der Diagnose Krebs konfrontiert, betont das Vertrauen zum Hausarzt, deshalb sei dieses Modell weiterhin so wichtig. Trotz guten Erfahrungen machte er sich beim zweiten Schub über Internet kundig, stiess indes auf Grenzen: Widersprüche in der Fülle der Informationen und die Fragen nach der Gewichtung liessen ihn wieder zum persönlichen Vertrauensverhältnis zurückkehren. Schulmedizin und Komplementärmedizin haben bei ihm beide Platz. Die Hausärztin äussert sich zurückhaltend.

«Meine Krankheit ist auch eine Chance»

Und schon stand das grosse Tabuthema Tod im Raum. Kyburz, seit 25 Jahren «mit Bruder Krebs unterwegs» hat sein Schicksal dank der Auseinandersetzung im Buch über die Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg akzeptieren und bewältigen gelernt. «Sterben gehört zum Leben», Anfang und Ende sind natürlich und gottgegeben – so erscheint der Tod in einem andern Licht. «Meine Krankheit ist präsent, ein Teil von mir – so wird sie auch zur Chance.»

Doch zurück zum Leben – die Diagnose über Lenzburg: Berufliche und geografische Gründe führten Magdalena Schaub 1989 ins Städtchen, wo sie mit ihrer Familie hängenblieb und sich heute «ganz wohl fühlt». Sie schätzt hier viele wertvolle, spannende, fordernde, lehrreiche, liebe, bereichernde, berufliche und private Kontakte und Begegnungen. Vom Jugendfest anfänglich «befremdet», schätzt sie heute diesen Brauch – «es gibt keine wirkliche Alternative.» Der Verlust der Wilmatte hingegen beschäftigt sie, und die Koordination Bus-Bahn wäre verbesserungswürdig.

Jörg Kyburz aus Unterkulm wurde 1986 beim Wegzug aus dem Wynental vor der «Aristokraten-Stadt» gewarnt; doch hat er hier bei den Menschen seine Heimat gefunden. «Das tägliche Gespräch am Gartenzaun» möchte er nicht missen, hingegen beklagt er «die stiefmütterliche Behandlung des Westquartiers; das Gesicht von Lenzburg zeigt sich nicht nur in der Altstadt».

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