Auf Facebook sorgt derzeit ein emotionaler Text der Feuerwehr Seon-Egliswil für zahlreiche Reaktionen und viel Zuspruch. Verfasst hat ihn Gruppenführer Thomas Gerber. Er schildert darin, was Feuerwehrleute im Dienst erleben müssen; bloss, weil sie ihre Aufgabe erfüllen.

Passiert sind die Ereignisse, die im wütenden Text mündeten, am vergangenen Samstag. Am Morgen um 7 Uhr trafen sich die Rettungskräfte zu einer geplanten Übung. «Das Übungsobjekt befand sich in Seon, in unmittelbarer Nähe zur Seetalstrasse», schildert Gerber. «Um dieses Szenario möglichst realitätsnah zu üben, und zum Schutz unserer Einsatzkräfte, wurde der Verkehr auf der Strasse gegen 8 Uhr, während des Auslegens der ca. 250 Meter langen Zubringerleitung mit dem Schlauchwagen, kurzfristig angehalten.»

Vor und hinter den Feuerwehrfahrzeugen seien «unverwechselbar gekennzeichnete Funktionäre» der Feuerwehr-Verkehrsabteilung gestanden. «Trotz unmissverständlichen Anweisungen konnte sich ein Herr nicht an die Regeln halten und setzte zum Überholen an. Der Lenker fuhr bei diesem Manöver frontal auf einen Verkehrsfunktionär zu, welcher sich glücklicherweise mit einem Seitenschritt aus der misslichen Lage befreien konnte, damit der Rowdy sein waghalsiges Manöver (trotz Gegenverkehr) ‹erfolgreich› abschliessen konnte.»

Schwangere fast überfahren

Zufällig hatte sich am Nachmittag nach der Übung, etwa um 14 Uhr, auch noch ein Ernstfall ereignet – ebenfalls auf der Seetalstrasse. Es sei ein «spektakulärer Wasserrohrbruch» gewesen, und für die Behebung des Schadens hätte die Strasse wieder vollständig gesperrt werden müssen. «Bei starkem Regen sowie nasskalten Temperaturen um den Gefrierpunkt standen unsere Einsatzkräfte bis nach 20 Uhr im Einsatz», schreibt Gerber. Der Verkehr habe grossräumig umgeleitet werden müssen, einige Quartierstrassen waren deshalb gesperrt. Das habe dazu geführt, so Gerber weiter, dass eine genervte Autofahrerin sowohl die Signalisation als auch die Anweisungen der im Einsatz stehenden Feuerwehrfrau ignorierte und frontal auf diese zufuhr. «Wäre die schwangere Funktionärin und Mutter nicht zur Seite gesprungen, wäre es zu einer Kollision gekommen.» Das sei bei weitem nicht der einzige Vorfall gewesen: «An diesem Nachmittag wurden unsere Feuerwehrleute der Verkehrsabteilung mehrfach beschimpft.» Zahlreiche Autofahrer hätten kein Verständnis für die «notwendige und unausweichliche Strassensperrung» aufgebracht.

Auf Nachfrage der AZ beim Chef Verkehr der Feuerwehr Seon-Egliswil, Florian Küng, bestätigt dieser: «Solche Ereignisse kommen leider immer häufiger vor. Das wird uns auch von anderen Feuerwehren bestätigt. Es sind zwar längst nicht alle Autofahrer, die so reagieren – aber die Aggressionen und das Unverständnis haben beträchtlich zugenommen.»

Fahrer sind bekannt

In seinem Post auf der Facebook-Seite der Feuerwehr stellt Thomas Gerber an die Adresse der unflätigen Autofahrer die Frage, ob diese das Gefühl hätten, die Feuerwehr würde nur zum Spass die Strasse sperren oder bei strömendem Regen stundenlang auf der Strasse stehen. «Sind Sie sich bewusst, dass wir zu jeder Zeit unsere Freizeit für Ihre Sicherheit aufwenden, für das Wohl der Bevölkerung, für Ihr Wohl?» Er lädt die betroffenen Autofahrer ein, bei der Feuerwehr vorbeizuschauen: «Vielleicht melden Sie sich ja bei uns und wir können offen und respektvoll über das Geschehene diskutieren.» Wer die Autofahrer sind, ist der Feuerwehr bekannt; rechtliche Schritte werden geprüft.

Der Post auf Facebook wurde über 500 Mal geteilt – offensichtlich hat er einen Nerv getroffen. Zahlreiche Kommentatoren bedanken sich bei der Feuerwehr für den Einsatz und bekunden Unverständnis für die Autofahrer.