Lenzburg

Fotograf Hans Weber hält fest, wie sich das Hero-Areal gewandelt hat

Der Lenzburger Fotograf Hans Weber dokumentierte den Wandel des Hero-Areals vom Industrie- zum Wohnquartier.

Hans Weber ist ein Fotograf und Mann der alten Schule. Er stammt aus einer Zeit, in der Männer den Lauf der Welt bestimmten und Schweizer Tageszeitungen achtseitige Reportagen aus fernen Ländern abdruckten.

Als Fotojournalist – «Ich habe das Glück, fotografieren und schreiben zu können» – bereiste er die Welt und produzierte Abertausende von Dias, bevor auch er «als letzter Mohikaner» auf die digitale Fotografie umstieg.

Als er erfuhr, dass das Hero-Areal in Lenzburg zu einem Wohnquartier werden sollte, rief er den Stadtrat an. Er wollte wissen, ob dieser Wandel dokumentiert werde. «Das haben wir vergessen», habe die Antwort gelautet.

Die Stadt und die Generalunternehmerin Losinger Marazzi stellten Weber an, um das Fabrikareal zu dokumentieren, was 2013 in einer Ausstellung resultierte. Im Anschluss an die Fabrikdokumentation fotografierte Weber für Losinger Marazzi den Abbruch und den Aufbau des neuen Quartiers.

Eine Aufgabe, die der Fotograf äusserst ernst nahm und – wenn von ihm als nötig erachtet – auch gegen Berufskollegen verteidigte.

Ein Stück Lenzburger Geschichte verschwindet

Nun ist der Bildband «Hero – Im Lenz, Vom Fabrikareal zum Stadtquartier» im Badener Verlag Hier und Jetzt erschienen. Er enthält Bilder, die Hans Weber während sechs Jahren auf dem Areal gemacht hat.

Im ersten Teil die Fabrikgebäude. Verwaist, «aber man hätte dort noch arbeiten können, wären die technischen Einrichtungen saniert und modernisiert worden», sagt Weber.

An den Wänden kleben Kleber mit Parolen – Frauenstreik 1991, Hirne bim Lüpfe, Etiketten für Herogel (Frischhalte-Glanzgelée). Hero verabschiedete sich 2010 vom traditionsreichen Areal an den Bahngleisen.

Hans Weber hat mit seinen Bildern der Fabrik ein würdiges Abschiedsporträt geknipst. Es sind keine Gruselaufnahmen aus verlassenen Fabrikhallen, sondern eine systematische Dokumentation vom blauen Firmenschild auf dem Dach über hölzerne Dachbalken, grün schimmernde Hallen bis zum blühenden Unkraut zwischen den Bahnschienen.

Die Aufnahmen sind nüchtern, das Wissen um die Vergänglichkeit der Gebäude fügt die nötige Prise Melancholie hinzu. Im zweiten Teil des Buchs kommen mit dem Abbruch die Menschen zurück auf das Areal und in die Bilder.

Und es treten Bagger, Kräne und Kieshaufen auf. Zum Schluss fotografierte Weber aus einer nigelnagelneuen Wohnung die Aussicht aufs Schloss. Seine Bilder wurden auch für das Marketing der Neubauten verwendet.

«Der Modellfall der Verwandlung einer Industriebrache zu einem neuen Quartier», sagt Weber beim Spaziergang durch das «Im Lenz». Am besten gefalle es ihm im östlichen Bereich des «Im Lenz», dort wo es grünt.

Er erinnert sich noch an die süssen Düfte, die in seiner Kindheit durch die Stadt zogen, als in der Konservi Konfitüre gemacht wurde. «Aber es muss auch Platz für Entwicklung geben.»

Was ist schlimmer, Beton oder Brunnen?

In den letzten Jahren hat sich das neue Quartier gemacht. Abgesehen vom Markus-Roth-Platz, dem Inbegriff von Beton, ist es grün geworden um die Wohnhäuser in verschiedenen Stilen. «In manchen Wohnungen könnte ich mir vorstellen, einzuziehen», sagt Weber. «Oben, wo es viel Licht hat.» Über den Brunnen auf dem Markus-Roth-Platz will Weber kein Urteil abgeben.

Vernissage Heute Samstag, 21. September, 16 Uhr, Brasserie Barracuda in Lenzburg. Ansprache von Stadtammann Daniel Mosimann, Würdigung durch Schriftsteller Markus Kirchhofer.

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