Lenzburg

Für die eine riecht die Stadt nach Wähe, für den anderen nach Moder und Wiesen

Hans Huber und Maja Riniker-Baumann im Gespräch mit Tinu Niederhauser (rechts) im Müllerhaus

Hans Huber und Maja Riniker-Baumann im Gespräch mit Tinu Niederhauser (rechts) im Müllerhaus

Witzig, spannend, emotional war die Gesprächsveranstaltung «Lenzburg Persönlich» mit Grossrätin Maja Riniker-Baumann und dem langjährigen Stadtammann Hans Huber im Müllerhaus

Maja Riniker-Baumann ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr in Lenzburg wohnhaft und doch sagt sie: «Wenn ich nach Lenzburg fahre und das Schloss sehe, dann weiss ich, ich komme heim.»


Zusammen mit dem langjährigen Stadtammann Hans Huber stellte sich Maja Riniker-Baumann am Sonntagmorgen bei der Gesprächsveranstaltung «Lenzburg Persönlich» im Müllerhaus den Fragen von Moderator Tinu Niederhauser. Und der Gesprächsleiter verstand es auf eindrückliche Weise, den Persönlichkeiten seiner Gesprächspartner auf die Spur zu kommen und, um es etwas pathetisch zu formulieren, den Menschen hinter dem Politiker vorzustellen.


Dabei war natürlich die Stadt Lenzburg eines der zentralen Themen. Maja Riniker-Baumann teilte mit den zahlreichen Zuhörern im Müllerhaus ihre Erinnerungen an den strengen und prägenden Lehrer Brüngger. Ebenfalls überlegte sie und verriet, welchen Geruch sie mit Lenzburg verbinde. Nämlich den von Wähe. Für Hans Huber dagegen sind die Gerüche von Moder und Wiesen, die er bei seinen Waldspaziergängen wahrnimmt, für Lenzburg definierend.


Lenzburg musste wachsen
Sieben Jahre lang führte Huber das Amt des Stadtammanns aus und hatte deshalb nachvollziehbarerweise die stadtpolitisch etwas kniffligeren Fragen zu beantworten. Ob er etwa stolz sei auf seine Beinamen, zu denen unter anderem «Betonhans» gehört, wollte Tinu Niederhauser wissen.

Hans Huber antwortete darauf, die Bauentwicklung in der Stadt während der vergangenen Jahre sei nötig gewesen. «Auch wenn nicht alles so gekommen ist, wie gewünscht. Zum Beispiel die Farbgebung bei manchen Gebäuden.» Mit Betonung fasste er seine Ausführungen zusammen: Nur wenn Lenzburg eine gewisse Grösse habe, werde es vom Kanton nicht übergangen.


Die Frage, welches Adjektiv Lenzburg besser beschreibe, zugebaut oder zuversichtlich, beantwortete Hans Huber ohne zu zögern: «Zuversichtlich». Um gleich hinzuzufügen: «Zuversichtlich, dass weiter gebaut wird.» Mit seinem Wortwitz brachte der ehemalige Stadtammann die Zuhörer wiederholt zum Lachen.


Doch das spannende Gespräch im Müllerhaus bot auch Raum für emotionalere Töne. Maja Riniker-Baumann berichtete von ihrem schweren Unfall, als sie mit 17 Jahren am Goffersberg abstürzte und einen Wirbelbruch erlitt.


Hans Huber rekapitulierte im Müllerhaus seine Gefühlslage beim Coming-out seines Sohnes, das vor über 20 Jahren erfolgte. Das Ereignis habe ihn sehr stark verunsichert in seinen Wertvorstellungen. Er habe Zeit gebraucht, um die Situation akzeptieren zu können. Heute wünscht er den Menschen den nötigen Mut, den es braucht, das eigene Coming-out zu kommunizieren. 

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