Fusion?
Die Nachbargemeinden geben Gross-Seon einen Korb

Seon, Dürrenäsch und Hallwil erwägen eine engere Zusammenarbeit bis hin zur Fusion. Die Nachbargemeinden wurden eingeladen, mitzumachen. Doch sie winken ab.

Anja Suter
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Seon versandte Einladungen um für das Projekt «Gemeinsam die Region gestalten».

Seon versandte Einladungen um für das Projekt «Gemeinsam die Region gestalten».

Michael Küng

Mitte März kam die überraschende Mitteilung: Die Gemeinden Seon (Steuerfuss 108 Prozent, 5196 Einwohner), Dürrenäsch (Steuerfuss 105 Prozent, 1327 Einwohner) und Hallwil (Steuerfuss 127 Prozent, 951 Einwohner) bandeln an – und laden weitere Kommunen zum Mitmachen ein. In der Medienmitteilung war von einer Zusammenarbeit die Rede, das Wort Fusion kam kein einziges Mal vor. Im Interview mit der AZ wurde der Seoner Gemeindeammann Hans Peter Dössegger dann jedoch deutlicher. «Wir möchten im Moment nicht von einer Fusion sprechen, sondern eine Auslegeordnung machen, um den Bürgern Vor- und Nachteile aufzeigen zu können. Damit die Bürger entscheiden können, ob sie den Schritt wirklich gehen möchten.» Als Gründe für die angestrebte «Zusammenarbeit» führen die Gemeinden zunehmende Aufgaben, den Mangel an Fachkräften und Probleme bei Rekrutieren des politischen Personals (Gemeinderäte, Kommissionen) an.

Ursprünglich gestartet war das Vorhaben mit fünf Gemeinden. Hallwil, Dürrenäsch, Leutwil, Birrwil und Boniswil. Nach drei gemeinsamen Sitzungen erteilten die letzten drei dem Projekt jedoch eine Absage.

Einladungen an vier Gemeinden versandt

Dafür wurden vor einigen Wochen noch weitere Gemeinden eingeladen, sich eine Teilnahme zu überlegen: Seengen (Steuerfuss 77 Prozent, 4125 Einwohner), Egliswil (Steuerfuss 105 Prozent, 1488 Einwohner), Schafisheim (Steuerfuss 99 Prozent, 3041 Einwohner) und Staufen (Steuerfuss 76 Prozent, 4068 Einwohner). Doch alle diese vier Gemeinden geben dem Projekt – jedenfalls sofern es auf eine Fusion hinausläuft – einen Korb, wie Recherchen der AZ nun zeigen.

Der Seenger Gemeindeammann Jörg Bruder sagte bereits Anfang April im Rahmen der Rechnungspressekonferenz, seine Gemeinde werde auf die Einladung von Seon nicht eintreten. «Der Gemeinderat hat einstimmig entschieden, dass Seengen am Projekt nicht teilnimmt.»

Auch in Schafisheim hat man sich intensiv mit der Einladung auseinandergesetzt. «Der Gemeinderat Schafisheim hat in seinem Leitbild definiert, dass Schofise weiterhin eigenständig bleiben will», sagt Gemeindeammann Roland Huggler auf Anfrage. Eine Fusion steht also nicht zur Diskussion. Für regionale Zusammenarbeiten sei der Gemeinderat jedoch sehr aufgeschlossen, sofern es zweckdienlich und finanziell tragbar sei. Bereits heute arbeite der Gemeinderat in verschiedenen Bereichen mit anderen Gemeinden zusammen. Man sei interessiert an Zusammenarbeitsmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen. «Der Gemeinderat beziehungsweise eine Delegation nimmt gerne an Gesprächen darüber teil», so Huggler. Aber nicht an Fusionsgesprächen.

Fusionsprojekt wird mit grossem Interesse verfolgt

In Egliswil hat sich der Gemeinderat gegen eine Mitwirkung am Projekt «Gemeinsam die Region gestalten» entschieden. «Der Gemeinderat Egliswil setzt auf politische Eigenständigkeit und gleichzeitig auf spezifische, nachbarschaftliche Kooperationen und Leistungsaufträge», so der Egliswiler Gemeindeammann Ueli Vögeli. «Entsprechend verfolgen wir dieses Fusionsprojekt natürlich trotzdem mit grossem Interesse und leisten grundsätzlich gerne unseren Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Region.»

Auch im Gemeinderat Staufen wurde die Einladung geprüft. Der Vorschlag wurde jedoch «dankend abgelehnt», wie Gemeindeammann Otto Moser sagt. «Zwischen Seon, Hallwil, Dürrenäsch und Staufen bestehen keine engen Bindungen, die zu vertiefen wären.»

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