Seon

«Gault Millau und ich passen nicht immer» – Marianne Müller und Martin Bänziger führen den «Bänziger» in dritter Generation

Marianne Müller und Martin Bänziger führen seit 20 Jahren gemeinsam den «Bänziger».

Marianne Müller und Martin Bänziger führen seit 20 Jahren gemeinsam den «Bänziger».

Die beiden Gastgeber wirten seit 20 Jahren gemeinsam im Seoner Restaurant. Derzeit hat es 14 Gault Millau-Punkte.

Eher unscheinbar steht das Restaurant Bänziger an der Seetalstrasse in Seon. Der Aussenbereich mit den knallroten Stühlen liegt im Hinterhof des Restaurants, gut abgeschirmt vom Strassenlärm.

Vor dem Haus befindet sich bloss ein einziger runder Tisch, geschmückt mit Blumen, der darauf hinweist, dass im Inneren Martin Bänziger (55) zusammen mit Marianne Müller (Alter geheim) in der dritten Generation Gäste bewirtet.

«Mein Grossvater hat um 1900 das Restaurant eröffnet, mein Vater hat es nach dem Krieg übernommen», erklärt Martin Bänziger. Er selbst wirtet seit 1988 im Restaurant, seit 20 Jahren wird er dabei von Marianne Müller unterstützt. Koch habe er schon immer werden wollen, erklärt Martin Bänziger: «Aber ich hätte nie gedacht, dass ich es so lange machen werde.»

Kennenlernen beim Tango Tanzen

Martin Bänziger und Marianne Müller lernten sich auf dem Tanzparkett beim Tango Tanzen kennen. Dass sie mal in einem Restaurant arbeiten würde, hatte Müller nie geplant. «Ich bin eine klassische Quereinsteigerin, ich habe aber das Gastgeber-Gen», so Müller. Die gelernte Bibliothekarin arbeitete unter anderem auch in der Kunstbranche. Ihre berufliche Vergangenheit ist im «Bänziger» gut ersichtlich.

An den Wänden hängen diverse Gemälde, deren Geschichte Marianne Müller kennt. Auf den freien Ablageflächen sind Bücher aus den verschiedensten Genres zu finden.

«In der schnelllebigen Zeit, in der wir heute leben, möchte ich für unsere Gäste eine Oase schaffen, in der sie für einige Stunden entspannen und geniessen können», sagt Marianne Müller. Während Martin Bänziger in der Küche waltet, übernimmt Müller den Service und die Betreuung der Gäste.

Für das Paar liegt der langjährige Erfolg des «Bänziger» in ihrer Zusammenarbeit. «Obwohl wir einen unterschiedlichen Werdegang haben, verfügen wir über ähnliche Ansichten, wie man ein Restaurant führt», erklärt Martin Bänziger. «Ich hatte nie ein Konzept, wir sind organisch gewachsen. Wir verfeinern unsere Arbeit immer wieder, es ist ein Prozess. Keine Wiederholung sondern eine stetige Weiterentwicklung», so der Wirt.

Das Arbeiten ohne Konzept scheint aufzugehen: Der «Bänziger» war 1988 das erste Mal im Gault Millau Restaurant Führer, aber nur für ein Jahr. Seit Ende der 90er erscheint das Restaurant konstant in der kulinarischen Bibel.

Für Bänziger ist die jährliche Erwähnung ein Plus, aber nicht unbedingt notwendig. «Ich setze in meiner Küche um, was mir gefällt und was den Gästen gefallen könnte. Gault Millau und ich passen dabei nicht immer zusammen. Wir leben von unserer Kundschaft und nicht von einer Klassifizierung.»

«Unsere wichtigste Bewertung bekommen wir jeden Abend aufs Neue», ergänzt Marianne Müller. «Man spürt, ob es den Gästen bei uns wohl ist oder nicht.»  Marianne Müller und Martin Bänziger ergänzen sich in ihrer Arbeit. Sie bezeichnet ihn als «Fels in der Brandung», der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und hebt seine Kreationen hervor. Er rückt ihre Begabung im Umsorgen der Gäste in den Vordergrund.

«Keiner kann ohne den anderen funktionieren». Marianne Müller bezeichnet den «Bänziger» als «Klassiker, der mit der Zeit gehen möchte». Wer das Restaurant besucht, erhält keine klassische Speisekarte. Das aktuelle Menü schreibt Marianne Müller alle zwei Wochen von Hand auf.

Zusätzlich lancierte das Paar das Menü «Suprise». Es besteht wahlweise aus vier oder sechs Gängen. «Das Menü kommt bei den Gästen sehr gut an, was uns sehr überrascht hat. Wir hätten nicht vermutet, dass sich so viele Gäste darauf einlassen», so Martin Bänziger.

Er könne es sich sogar vorstellen, in weiter Zukunft nur noch ein Überraschungsmenü anzubieten. Ans Aufhören denkt Bänziger auch nach 31 Jahren noch nicht, dafür ist die Leidenschaft zu gross.

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