Lenzburg

Gefährlich und nicht wettertauglich: «Die Radroute ins Seetal ist unzumutbar»

Pro Velo Lenzburg-Mitglied Werner Christen beim Hotspot zwischen Lenzburg und Seon, wo der Radweg Kantonsstrasse und Bahngeleise quert.

Pro Velo Lenzburg-Mitglied Werner Christen beim Hotspot zwischen Lenzburg und Seon, wo der Radweg Kantonsstrasse und Bahngeleise quert.

Pro Velo Lenzburg hat auf dem kantonalen Radweg R 550 eine Testfahrt absolviert. Sie sind mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden: Der Veloweg ist ungenügend.

Mit dem Spatenstich zur Radwegverbindung von Staufen nach Seon soll die letzte Lücke auf der kantonalen Radroute R 550, die von Lenzburg nach Beinwil am See führt, geschlossen werden. Die Bauarbeiten wurden in der vergangenen Woche in Angriff genommen. Das Teilstück soll in Etappen realisiert werden.

Paradoxerweise ist die R 550 auf dem kantonalen Radroutennetz, welches das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) auf der Website publiziert hat, jedoch durchgehend aufgeführt. Schon seit Jahren. Als Teil des 950 Kilometer langen, breit gefächerten Velowegnetzes im Aargau.

Mitglieder von Pro Velo Lenzburg haben die Route nun vor einigen Wochen getestet. Mit dem Resultat sind sie gar nicht zufrieden. Werner Christen, langjähriger ehemaliger Präsident und Vorstandsmitglied von Pro Velo sagt: «Der Radweg ins Seetal ist unzumutbar.»

Pro Velo hat die georteten Schwachstellen auf der R 550 fein säuberlich dokumentiert, Lösungsvorschläge erarbeitet und diese beim Kanton eingereicht.

Seetalroute: Testergebnis ungenügend

Laut Pro Velo kann die Veloroute R 550 von Lenzburg nach Beinwil am See im jetzigen Zustand nicht als sichere Verbindung gewertet werden. Die Strecke vermöge den vom Kanton selber gesetzten Ansprüchen in keiner Art und Weise zu genügen. Sie sei weder «eine übergeordnete Veloverbindung für den Pendler-, Alltags- und Schülerverkehr», noch bestehe «eine direkte Linienführung» geschweige denn «ein allwettertauglicher Strassenbelag», moniert Werner Christen.

Gekrönt werde das Ganze von einer geradezu gefährlichen Routenführung. «Auf dem Weg von Beinwil am See nach Lenzburg muss der Velofahrer nicht weniger als sechs Mal die Hauptstrasse überqueren.» Dreimal sei das innerorts der Fall und dreimal ausserorts, so Christen.

Hinzu kommt: So lange die Bauarbeiten in Staufen andauern, müssen die Velofahrer zwischen Seon und Staufen hauptsächlich auf der viel befahrenen Hauptstrasse fahren. Um dies abzuwenden, schlägt Pro Velo vor, zwischen Lenzburg und Seon eine Ersatzroute zu signalisieren.

Einer der von Pro Velo beanstandeten Hotspots befindet sich zwischen Lenzburg und Seon. Auf der geraden Strecke ausserorts müssen Velofahrer die praktisch zu jeder Tageszeit stark frequentierte Kantonsstrasse und das Geleise der Seetalbahn queren. Dabei markiert einzig ein kleines rotes Schild am Strassenrand den Veloweg. Auf der Strasse direkt angebrachte Kennzeichen, die auf die Veloroute hinweisen, gibt es nicht.

Handlungsbedarf beim Coop Verteilzentrum

Die Radrouten sind ebenfalls Teil des in den vergangenen Jahren erarbeiteten Kommunalen Gesamtplans Verkehr (KGV) der Gemeinden Lenzburg, Niederlenz und Staufen. Dort ist die kantonale Radroute R 550 blau markiert, was soviel bedeutet wie «weit fortgeschritten». Pro Velo war an der Realisation des KGV mitbeteiligt. In diesem Plan wird denn auch eine direkte Veloverbindung vom Bahnhof Lenzburg zum Coop Verteilzentrum in Schafisheim gefordert.

Coop beschäftigt in Schafisheim einige hundert Mitarbeitende. Das Verteilzentrum ist an das Busnetz der Regionalen Busbetriebe Lenzburg (RBL) angeschlossen. Ebenso liegt der Betrieb in Schafisheim laut Christen «in idealer Velodistanz zum Bahnhof Lenzburg». Die kantonale Radroute Lenzburg – Rupperswil wird ganz in der Nähe durchgeführt. Mit einem neuen Verbindungsstück könnte das Verteilzentrum nun an die bestehende kantonale Radroute angeschlossen werden.

Das BVU hatte jedoch kein Musikgehör für den Wunsch von Pro Velo, dieses kurze Teilstück zu realisieren und das Coop Verteilzentrum an den bestehenden Radweg anzuschliessen. Die Antwort aus Aarau auf den Vorstoss von Pro Velo lautete: «Dieses Anliegen ist nicht Teil des kantonalen Radwegnetzes.» Pro Velo geht es hauptsächlich darum, dass die Velofahrer nicht irgendwelche Umwege fahren müssen, sondern möglichst direkt und schnell vom Bahnhof zum Arbeitsort fahren können, so Christen.

Schlussbericht KGV liegt vor

Mit dem KGV wird sich auch der Einwohnerrat am 31. Oktober beschäftigen. Zum einen hat er den Schlussbericht zur Kenntnis zu nehmen, zum andern ist die Abrechnung für dessen Realisation von 311 228.95 Franken (Anteil Lenzburg 173 977 Franken) zu behandeln.

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