Auch wenn drei Namen auf dem Wahlzettel stehen, kommt es in Lüpu am 10. Februar zu keiner Kampfwahl. Im fünfköpfigen Gemeinderat sind nämlich exakt drei Sitze neu zu besetzen, nachdem im November 2018 gleich drei der fünf Gemeinderäte ihren Rücktritt angekündigt hatten. Zu ihnen gehört Vizeammann Rudolf Hirt, der anschliessend sein Amt Ende Jahr per sofort niederlegte.

Obwohl die Situation im Dorf derzeit etwas «verchachelet» ist, haben nun die Optimisten unter der Bevölkerung recht bekommen; jene nämlich, die überzeugt waren, genügend Interessenten für die Vakanzen im Gemeinderat zu finden. Von den knapp 590 stimmberechtigten Personen sind drei bereit, in einer schwierigen Zeit die politischen Zügel in Leutwil mit in die Hände zu nehmen: Eine Frau und zwei Männer wollen mit Gemeindeammann Monika Müller und Gemeinderätin Eva Hammesfahr am Lüpuer Karren ziehen. Das sind die drei Kandidaten:

Der Benjamin

Lukas Spirgi ist mit 24 Jahren der Benjamin im Kandidatenkreis. Politisch ist er jedoch kein unbeschriebenes Blatt: 2016 kandidierte er auf der Liste der FDP Bezirk Kulm für den Grossen Rat und erreichte 639 Stimmen. Und er ist Kassier der FDP Bezirk Kulm. Trotz seines jugendlichen Alters gibt sich Spirgi selbstbewusst, was seine Wahlchancen anbelangt. «Ich kenne das Dorf sehr gut, ich bin hier geboren und aufgewachsen. Und viele Leute im Dorf kennen mich.» Seine Jugend könne durchaus ein Vorteil sein, sagt der Student der Betriebswirtschaft an der Universität Zürich und Teilzeit-Buchhalter in einer Zürcher Anwaltskanzlei. «Im Gemeinderat braucht es jetzt Leute, die unvoreingenommen und objektiv an die Sache herangehen. Dafür bin ich geeignet», begründet Spirgi seine Kandidatur. Und der Altersunterschied zum übrigen Gemeinderat und den andern beiden Kandidaten? Spirgi winkt ab. «Die Probleme, die Leutwil derzeit hat, sind keine Generationenprobleme.»

Die Rückkehrerin

Die beiden weiteren Kandidaten haben eines gemeinsam: Nach einem langen Berufsleben sind sie pensioniert. Die parteilose Primarlehrerin Brigitta Baumann (64) ist seit dem vergangenen Sommer im Ruhestand. Sie ist verwitwet. Baumann ist eine Rückkehrerin in den Politbetrieb der Gemeinde. «Ich war von 1990 bis 2005 bereits im Gemeinderat», erzählt sie. Das Amt musste sie damals niederlegen, weil als Lehrerin an die Schule Leutwil zurückkehrte. Die zwei Aufgaben waren miteinander nicht vereinbar, erinnert Baumann sich. Sollte sie am 10. Februar in den Rat gewählt werden, so will sie das Amt weniger von der politischen, denn von der gesellschaftlichen Seite her angehen. «Wir müssen Ruhe schaffen im Dorf. Es ist wichtig, dass die Leute in Leutwil wieder lernen, miteinander zu reden», sagt Baumann, dazu wolle sie ihren Beitrag leisten. Ebenso ist Brigitta Baumann überzeugt davon, dass es auf kommunaler Ebene eine der vordringlichsten Aufgaben des Führungsgremiums sein müsse, «dass es den Leuten und dem Dorf gut geht und der Bevölkerung wohl ist».

Die aktuelle Situation ist für die Leutwiler Ortsbürgerin eine Art «Déjà-vu»: «Schon 1990 befand sich die Gemeinde in einer schwierigen Situation und ich bin damals auch eingesprungen.»

Der Manager

Ganz anders ist die Ausgangslage bei Rudolf Sturzenegger: Obwohl der frühere SBB-Spitzenmanager an verschiedenen Orten in der Schweiz gearbeitet hat, ist die Ostschweizer Heimat in seiner Sprache noch heute deutlich zu hören. Nach Leutwil hat es Sturzenegger eher zufällig verschlagen. Ursprünglich beabsichtigte die Familie, sich in Zürich niederzulassen. Dort hatte der einstige Leiter der SBB-Betriebe eine Zeit lang gearbeitet. Doch Zürich war inzwischen zu sehr Grossstadt geworden. Im Übrigen war Familie Sturzenegger auf der Suche nach einem Wohnsitz mit Fernsicht. In Lüpu, auf dem Hügelzug zwischen dem Wynen- und Seetal, ist man fündig geworden. Mehr noch. Von seinem Daheim aus hat der 75-Jährige einen direkten Draht in die Heimat. Begeisterung schwingt in seiner Stimme mit, wenn er vom Weitblick erzählt, der sich ihm von Leutwil aus erschliesst. «Bei schönem Wetter sehe ich bis zum Säntis.»

Rudolf Sturzenegger ist verheiratet, Vater von drei Kindern und er freut sich, wenn die vier Enkel nach Leutwil zu Besuch kommen. Wie die beiden andern Kandidaten spricht auch Sturzenegger von einer «schwierigen Situation, in welcher sich das Dorf aktuell befindet». Auch in seinem Fokus steht «der Teamgedanke, der in den Gemeinderat zurückkehren muss». Politische Erfahrung bringt Sturzenegger keine mit. Er war einige Jahre im Bezirksschulrat des Bezirks Zürich. Doch hat der seit der Pensionierung als selbstständiger Unternehmensberater tätige Gemeinderatskandidat einige Kompetenzen in die Waagschale zu werfen: «Ich bin unternehmerisch ausgebildet, habe Zeit und Lust, noch einmal etwas Neues anzupacken.» Wird er am 10. Februar in den Gemeinderat gewählt, kann Sturzenegger sich einen Einsatz in verschiedenen Ressorts vorstellen. «Infrastruktur, Werke, Finanzen, öffentliche Sicherheit. An erster Stelle steht jedoch, dass jedes Mitglied seine Stärken im Team bestmöglich ausspielen kann, so können ausserordentliche Leistungen erzielt werden», spricht aus Sturzenegger die langjährige Führungsperson. Nebst seiner Kandidatur als Gemeinderat ist der parteilose Rudolf Sturzenegger einziger Bewerber für das Vizeammannamt.