Niederlenz

Genügt künftige Tempo-30-Zone? Selbst der Kanton hat Zweifel

Selbst Kanton bezweifelt, ob auf dem Schleichweg Staufbergstrasse in Niederlenz die neue Limite eingehalten wird.

Die Staufbergstrasse zwischen Niederlenz und Lenzburg ist in mehrfacher Hinsicht aussergewöhnlich: Sie führt mitten durch ein über Jahrzehnte entstandenes Wohnquartier. Die Strassen links und rechts sind mit Tempo 30 belegt. Auf der Strasse sei, so klagen Anwohner, der Lastwagen-Anteil sehr hoch. Verursacht durch Kipper des nahen Kiewerks (Kies Lenz AG) und Sattelschlepper, teilweise fehlgeleitet von Navis. Überhaupt sei die Staufbergstrasse ein Schleichweg.

Baugesuch für Tempo 30 liegt jetzt auf

Seit Jahren kämpfen die Anwohner für Tempo 30. 2018 mit einer von 177 Personen unterzeichneten Petition. Sie wurden vertröstet und es gab im letzten Winter eine peinliche Messpanne. Zwischenzeitlich wurden die Messungen nochmals gemacht und im Sommer kündigte die Gemeinde die rasche Einführung von Tempo 30 an. Es dauerte dann aber wieder Monate, bis am Montag die Auflage «Tempo-30-Zone, Staufbergstrasse» gestartet werden konnte (bis 12. November).

Den Baugesuchsunterlagen ist zu entnehmen, dass die Geschwindigkeit auf einer Länge von 600 Metern von 50 auf 30 km/h reduziert werden soll. Laut einer Studie dürfte das keine negativen Auswirkungen auf die Fahrzeit haben. Im Extremfall seien Autos 30 Sekunden länger unterwegs. Der Bus sogar nur etwa 15 Sekunden (wegen des Bremsens und Anfahrens bei den Haltestellen).

In einem ersten Schritt wird Tempo 30 mit einfachen Massnahmen eingeführt. Der Gemeinderat rechnet mit Kosten von 20'000 Franken. Auf der Seite Dorfrain wird die Tafel Ende-30-Zone entfernt, und an der Gemeindegrenze Lenzburg, unmittelbar vor der Autobahnunterführung, wird eine Einengung (kleine Insel mit Velo-Durchfahrt) mit Zone-30-Tafel gebaut. Es verschwinden zudem in 13 Seitenstrassen die bisherigen Tempo-30-Tafeln. Damit wird künftig auch klar sein, wer Vorfahrt hat: Es gilt Rechtsvortritt. Weg kommen auch zwei Fussgängerstreifen (Schlossweg und Oberer Brunnrain). Der Zebrastreifen zwischen Schlossweg und Breitmattstrasse bleibt wegen des Kindergartens.

Zweifel, ob die baulichen Massnahmen genügen

In den Baugesuchsunterlagen liegt auch ein Schreiben des Kantons: Darin werden Bedenken geäussert, ob die geringen baulichen Massnahmen genügen: «Wenn die Tempo-30-Zone eingeführt ist und das Erscheinungsbild (der Strasse) immer noch dasselbe ist, bezweifeln wir, dass das gewünschte Geschwindigkeitsniveau erreicht wird.» Und: Es werden hohe Übertretungsraten bei Geschwindigkeitskontrollen befürchtet: «Wir plädieren deshalb für eine faire Signalisation und Verhinderung von Bussenfallen.»

«Es braucht zusätzlich ein Lastwagenfahrverbot»

Peter Grimm, 73, wohnt seit 40 Jahren an der Staufbergstrasse. «Früher war das ein ruhiges Wohngebiet», erinnert er sich. Dass der Kampf für Tempo 30 jetzt von Erfolg gekrönt wird, freut ihn. Aber genügt das? «Die Zustände mit dem Lastwagenlärm sind hier wirklich unerträglich», findet Grimm. «Die Lastwagen voller Kies vom örtlichen Kieswerk der Ortsbürger machen Staub, Dreck und Lärm wohl auch dann, wenn sie sich an die neue Tempolimite halten werden.» Grimm fordert im Namen der Petitionäre: «Es braucht zusätzlich zu Tempo 30 ein Lastwagenfahrverbot – zum Beispiel in Form von «Zubringerdienst gestattet».

Verwandtes Thema:

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

Meistgesehen

Artboard 1