Holderbank

Geschichtsträchtige Sommergmeind: Der Millionen-Landverkauf soll das Schulhaus finanzieren

Die Baubewilligung fehlt noch für den dringend benötigten Neubau. Neben dem Schulhaus stehen die Container, die die Gemeinde aufgestellt hat, um auch bis zur Einweihung des Schulhauses für ausreichend Schulraum zu sorgen.

Die Baubewilligung fehlt noch für den dringend benötigten Neubau. Neben dem Schulhaus stehen die Container, die die Gemeinde aufgestellt hat, um auch bis zur Einweihung des Schulhauses für ausreichend Schulraum zu sorgen.

In Holderbank geht es an der Gemeindeversammlung um zukunftsweisende Entscheidungen für das Dorf. Um den Bau eines neuen Schulhauses mit einer Einfachturnhalle finanziell stemmen zu können, will die Gemeinde für 4,2 Millionen Franken Land verkaufen.

Viele Gemeinden haben ihre Sommergemeindeversammlungen Corona wegen ersatzlos gestrichen. Wer nach dem Lockdown nun trotzdem eine Gmeind ansetzt, hat meistens Gewichtiges auf der Traktandenliste. Allen voran Holderbank. Für das 1380-Seelen-Dorf hat die Versammlung vom 26. August gar geschichtsträchtigen Charakter: Es geht um den Bau eines neuen Schulhauses mit einer Einfachturnhalle. Kostenpunkt: 15,35 Millionen Franken (die AZ berichtete). Der Gemeinderat beantragt nun einen Baukredit von 13,85 Millionen Franken (für Planung und Projektierung waren im April 2019 bereits 1,5 Millionen Franken bewilligt worden).

Mit dem Schulhauskredit direkt verbunden ist ein weiteres Millionengeschäft: Für 4,2 Millionen Franken will die Gemeinde Land verkaufen. Das hat Gemeindeammann Herbert Anderegg bei früherer Gelegenheit bereits angekündigt. Der Erlös des Grundstückverkaufs soll der kleinen Gemeinde Holderbank ermöglichen, die vergleichsweise grosse Investition in die Schulinfrastruktur zu stemmen.

Holderbank ist stark gewachsen

Es macht den Anschein, dass sich Holderbank mit dem Grossprojekt nebst dem dringend notwendigen Schulraum auch Grundlagen für die Sicherung einer eigenständigen Zukunft schaffen will. Eine eigene Schule ist für eine Gemeinde auch heutzutage ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor, wenn es um die Wohnortattraktivität geht und Neuzuzüger, vor allem Familien, angelockt werden sollen.

Holderbank ist in der Vergangenheit stark gewachsen. Seit der Jahrtausendwende ist die Einwohnerzahl von damals 800 Personen um über 70 Prozent gestiegen.

Bauland im «Schümel» verkaufen

Mit mehreren geplanten Mehrfamilienhäusern (70 Wohnungen) entlang der Hauptstrasse zeigt die Bevölkerungskurve weiter nach oben. Und mit Blick auf die vorhandenen Baulandreserven ist kein Ende in Sicht. Während Bauland in vielen Gemeinden in den vergangenen Jahren ein rares Gut geworden ist, so ist Holderbank in einer komfortablen Situation. Auf der Gemeindewebsite wirbt das Dorf mit «Baulandreserven von ca. 2,1 Hektaren».

Vom bestehenden Bauland will die Gemeinde nun 7224 Quadratmeter verkaufen. Das Grundstück liegt im Gebiet Schümel, dem einstigen Steinbruch der «Zementi».

Ein Kaufangebot liegt auf dem Tisch: Die Thermo Systems GmbH in Wollerau ist bereit, die von der Gemeinde Holderbank geforderten 4,2 Millionen Franken (580 Franken/m2) zu bezahlen. Offenbar steht bereits fest, wie die Fläche dereinst bebaut werden soll: Der Interessent plane eine Überbauung mit Terrassenhäusern, schreibt der Gemeinderat in der Botschaft zum Geschäft.

Zwei Informationsanlässe zu den Projekten

Wie wichtig die Versammlungsentscheide für die Zukunft der Gemeinde sind, zeigt die Tatsache, dass der Gemeinderat den Holderbankern gleich zwei Möglichkeiten gibt, sich vor der Gmeind über die traktandierten Geschäfte zu informieren: Jeweils am Samstag, 15. und 22. August, morgens von 10 bis 12 Uhr, stehen Vertreter des Gemeinderates sowie die Architekten des neuen Schulhauses, MJ2B Architekten AG aus Murten, in den Räumen der La­fargeHolcim Red und Antwort.

Nicht den üblichen Gepflogenheiten entsprechend, wurde das Baugesuch vor der Gmeind aufgelegt. Dieser Weg sei gewählt worden, damit nicht noch mehr Zeit verloren gehe, begründet der Gemeinderat den Entscheid. Nach den ursprünglichen Plänen hätte alles den normalen Verlauf genommen: Kreditvorlage an der (abgesagten) Gmeind vom 10. Juni und anschliessend die Auflage des Baugesuchs bis Ende Juli. Auf das Baugesuch sind keine Einwendungen eingegangen, heisst es auf Anfrage bei der Gemeindekanzlei.

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