Seit siebzehn Jahren leitet Heidi Sommer den Effingerhort. An ihre erste Begegnung mit Klienten in einem Beschäftigungsprogramm erinnert sie sie noch genau – als wäre es gestern gewesen.

«Da sassen gestandene Männer, die nach dem Entzug wieder in den regulären Arbeitsmarkt eingegliedert werden sollten, und was machten sie?» Sommer gibt die Antwort gleich selber: «Einige haben zum Beispiel Perlen auf einen Draht gefädelt oder machten einfache, monotone Arbeiten.»

Du meine Güte, habe sie sich entsetzt, wie demütigend für diese Menschen. Der Gedanke daran entlockt Heidi Sommer nach so langer Zeit zwar ein Lachen, zugleich muss sie immer noch den Kopf schütteln.

Was sie angetroffen hat, hat sie schliesslich bewogen, nach anspruchsvolleren Arbeiten für diese Menschen zu suchen, welche sie in ihrer Situation aber auch zu bewältigen vermochten. Dadurch konnte auch der verlorene Selbstwert dieser Menschen wieder aufgebaut werden.»

Seither hat sich viel geändert in der Institution auf dem Kernenberg: Der Effingerhort ist kontinuierlich gewachsen, ist heute für Frauen und Männer offen, und bietet ein breites Spektrum an Beschäftigungsplätzen «mit rechter Arbeit» an.

In dieser Zeit hat sich auch die Klienten-Struktur stark verändert, sagt Geschäftsleiterin Sommer. «Wer heute zu uns kommt, schafft es kaum mehr zurück auf den primären Arbeitsmarkt.» Mehr noch: Durch ihre Suchterkrankung würden die Menschen oftmals aus ihren Sozialnetzen katapultiert und etliche hätten niemanden mehr, der sich um sie kümmere.

Neubau für 6,5 Millionen Franken

Vor sechs Jahren hat der Effingerhort sein Angebot um das betreute Wohnungen ausgeweitet. Die Nachfrage ist derart gross, dass die bisherigen 16 Plätze nun auf 32 aufgestockt werden.

Die Anlagekosten für den Neubau mit 26 Zimmern und zusätzliche durch die Erweiterung bedingte bauliche Anpassungen betragen 6,5 Millionen Franken. Wir platzen aus allen Nähten, heisst es vonseiten der Von-Effinger-Stiftung und der Effingerhort AG.

Beim Spatenstich vorgestern hatte kaum jemand ein Auge für die prächtige Aussicht vom Kernenberg in die Weiten des Aaretals. Die kalte Bise fegte den am Bau Beteiligten Personen und den zahlreichen Effingerhort-Klienten eisig um die Ohren.

Effingerhort-AG-Verwaltungspräsidentin Martina Sigg liess die Anwesenden auch nicht lange in der Kälte schlottern, sondern machte zügig vorwärts. Bevor Sigg jedoch die Schaufel in den Boden rammte und das erste Stück Erde aushob, erinnerte sie sich an die ersten Skizzen zu diesem Projekt, die vor 5,5 Jahren erstellt worden seien.

«Es ist das Eckstück eines Puzzles, das nun noch eingefügt wird», sagte Sigg. Laut Architekt Fred Zimmer aus Lenzburg soll der Neubau 2017 bezogen werden können. Vor acht Jahren hatte das Büro bereits den Wettbewerb für die Gesamtsanierung des Effingerhorts gewonnen.

«Die Erweiterungsbauten sind eine konzeptionelle Weiterführung der bisherigen Arbeiten», folgerte Zimmerli. Auch was die Materialisierung anbelangt, soll das, was sich bewährt hat, übernommen werden. Der Neubau wird an die bestehende Schnitzelheizung angeschlossen. Das Warmwasser wird, soweit möglich, mit Sonnenkollektoren aufbereitet.

Mit 28 Plätzen im Wohnheim und 32 in der Reha kann der Effingerhort künftig 60 Klienten aufnehmen. «Es ist ein grosses Bauprojekt für uns», sagt Heidi Sommer. Bedarf dafür ist vorhanden: Für die künftigen Wohnkapazitäten liege bereits eine lange Warteliste vor.