Der Begriff «Ochsentour» ist Grossrätin Barbara Portmann-Müller fremd. Sie hat einen politischen Schnellstart hingelegt, der seinesgleichen sucht. Auf der Liste der damals erstmals antretenden Grünliberalen schaffte die Lenzburgerin 2009 auf Anhieb den Sprung in den Aargauer Grossrat. Und das erst noch vom dritten Listenplatz aus. Zu ihrer eigenen und der Überraschung vieler.

Zehn Jahre später möchte sie die nächste Stufe zünden: Diesmal solls von Listenplatz zwei aus in den Nationalrat gehen. Dazu müsste sie allerdings ihren Parteikollegen Beat Flach (kandidiert gleichzeitig für den Ständerat) überflügeln. Obs durch die Listenverbindung mit der CVP für einen zweiten Sitz reicht, wird zur rechnerischen Angelegenheit. Was treibt die 44-jährige Portmann-Müller nun nach Bern?

Nach zehn Jahren im Kanton möchte sie ihre politische Arbeit auf die nationale und internationale Ebene ausweiten. Oft werde man im Grossen Rat mit der Begründung gebremst, im vorliegenden Fall gelte Bundesrecht, bedauert sie. «Ich hoffe auf mehr Handlungsspielraum in Bern.»

Beim Klimaschutz hinkt der Aargau hinterher

Auch wenn Barbara Portmann-Müller bei ihrer Wahl in den Grossrat politisch «ein Greenhorn» war, wie sie selber sagt, hat sie mit ihren Aktivitäten rasch auf sich aufmerksam gemacht: Dazu gehören insbesondere die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Schaffung von Tagesstrukturen) sowie Themen zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Nicht weniger als 60 Vorstösse gehen auf ihr Konto oder zumindest hat sie sich aktiv daran beteiligt: Unter das Dach der Klimaschutzprojekte geht beispielsweise der Vorstoss zur Minimierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln auf kantonseigenen und vom Kanton gepachteten Grundstücken. «Als grosser Grundeigentümer sollte der Kanton mit gutem Beispiel vorangehen und nicht einfach mit dem Finger auf die Landwirte zeigen», so Portmanns Begründung.

Ein anderes Beispiel ist der Verlust von Fruchtfolgeflächen in der Landwirtschaft. «Stets wurde moniert, dass Massnahmen zum Naturschutz Hauptverursachende des Verlusts von Bodenfläche seien.» Das stimme jedoch nicht. «Es wird deutlich mehr Land durch landwirtschaftliche Bauten bebaut.» Zu diesem Ergebnis geführt hat eine von Portmann geforderte systematische Erhebung entsprechender Daten. «Hier spielt der Aargau eine Vorreiterrolle», freut Portmann sich. Ansonsten jedoch sei im Kanton Aargau in den Bereichen Klimaschutz/Nachhaltigkeit noch einiges Entwicklungspotenzial vorhanden.

Nebst dem politischen Mandat arbeitet die studierte Geografin in einem 60-Prozent-Pensum in der Baudirektion des Kantons Zürich. Im Amt für Landwirtschaft und Natur beschäftigt sie sich mit dem bäuerlichen Boden- und Pachtrecht. «Wenn es um Umweltthemen geht, ist der Kanton Zürich dem Aargau oftmals meilenweit voraus. Meine politische Arbeit hat davon profitiert.»


Zu den politischen Flops ihrer Amtszeit zählt Barbara Portmann-Müller die familienergänzende Kinderbetreuung im Aargau. Sie ärgert sich masslos über die vielen Anläufe, welche es für die heutigen Tagesstrukturen gebraucht hat, ebenso auch über deren Umsetzung. Ihres Erachtens hätte der Kanton dabei eine Schlüsselrolle spielen müssen und nicht einfach jede Gemeinde «chli chlütterle» lassen, wie das derzeit der Fall sei, ereifert sie sich.

Gründung GLP lancierte politische Karriere

«Frau Portmann, sind Sie ein Politturbo?» Auf ihre dynamische Persönlichkeit angesprochen lacht sie und winkt ab. «Ich würde es so sagen: Ich bin sicher eine fleissige Grossrätin. Dabei geht es mir jedoch nicht um Quantität. Die Qualität meiner politischen Arbeit geht vor.»
Schon als junge Frau hat sich Barbara Portmann-Müller für politische Themen interessiert. Dass sie nicht früher auf der politischen Bühne in Erscheinung trat, hat damit zu tun, dass die bestehende Parteilandschaft die Umweltthemen ihrer Meinung nach nur mangelhaft abdeckte. Erst mit der Gründung der Grünliberalen Partei fand sie eine politische Heimat. Im Kanton Aargau war dies 2008 der Fall. Ein Jahr später war Portmann Grossrätin. Heute ist sie Fraktionspräsidentin und sitzt in der Geschäftsleitung der kantonalen GLP.

Nebst Beruf und Politik absolviert die Mutter von zwei Teenagern einen CAS «Management und Politik öffentlicher Institutionen» an den Universitäten in Bern und St. Gallen. Die Zeit ist ein rares Gut geworden, die vielen Engagements zwangen sie zum Kürzertreten bei den Freizeitbeschäftigungen. Das Chorsingen liege im Moment nicht mehr drin, was sie zutiefst bedaure. Geblieben sind die wöchentliche Turnstunde mit einer Frauengruppe und das Pilates-Training. Als naturverbundener Mensch grüble sie gerne ab und zu in der Erde im Garten. Die Früchte vom eigenen Pfirsichbaum werden in der portmannschen Küche zu Konfitüre verkocht.

Mitgründerin des Familienzentrums

Nicht ganz von der Leine lassen mochte sie die Ehrenämter. «Etwas zu gestalten, das nur in Freiwilligenarbeit realisierbar ist, bereitet mir grosse Freude und Befriedigung», sagt Portmann. Als Beispiel nennt sie das Familienzentrum «familie+» in Lenzburg, das sie gemeinsam mit der CVP-Grossrätin und ehemaligen Einwohnerrätin Sabine Sutter-Suter angestossen und realisiert hat. 2011 wurde es eröffnet. Mittlerweile ist die Institution zu einer wichtigen Drehscheibe im gesellschaftlichen Zusammenleben in Lenzburg geworden.

Sollte sie tatsächlich in den Nationalrat gewählt werden, sei sie sich bewusst, dass sie ihre verschiedenen Tätigkeiten erneut überdenken müsste, sagt Kandidatin Portmann. «Alles andere wäre nicht sorgfältig dem Mandat gegenüber.»

Geht man von der aktuellen Ausgangslage aus, wird es der Lenzburgerin jedoch kaum nach Bern reichen. Doch Portmann hat bereits 2009 vorgemacht, dass sie für Überraschungen gut ist. Fragen zu diesem Thema beantwortet sie einzig mit einem verschmitzten Lächeln.