Möriken-Wildegg

Grossratskandidat mit Nahtoderfahrung: Beat Fehlmann (SVP) will sein Leben in den Dienst für andere stellen

Der 55-jährige Beat Fehlmann ist Gemeinderat in Möriken Wildegg.

Der 55-jährige Beat Fehlmann ist Gemeinderat in Möriken Wildegg.

Der 55-jährige Beat Fehlmann aus Möriken-Wildegg ist Geschäftsführer der Sika Bau AG. Nun möchte er für die SVP in den Grossen Rat. In Paris hatte er einst ein Erlebnis der besonderen Art.

Nie ist die Bühne weit vom politischen Betrieb entfernt. Sind Bürger und Beobachter der taktischen und parteiischen Spielereien zuweilen überdrüssig, ist gern vom Polittheater die Rede. Wahlkämpfe nehmen wir metaphorisch und kritisch längst auch über die Begriffe der Show und der Inszenierung wahr. Doch kann theatralisches Vokabular auch dazu beitragen, komplexere Phänomene zu erhellen.

Im Fall von Beat Fehlmann dienen drei ausgewählte Szenenbilder dazu, den Ursprüngen seines politischen Engagements und seiner politischen Leitmotive auf die Spur zu kommen. Der 55-jährige Baumeister, Ehemann, Vater von drei Söhnen und Gemeinderat von Möriken-­Wildegg kandidiert am 18. Oktober für die SVP für den Grossen Rat.

«Von Titeln und Positionen halte ich nichts»

Szene eins führt ins Erdinnere und präsentiert sich im ersten Moment ein wenig unübersichtlich. Im Hintergrund dröhnen massive Turbinen, am Rand öffnet sich ein dunkler und feuchter Zugangsstollen. Im Vordergrund sind viele Arbeiter in Schutzwesten, Handwerker mit Helmen, Ingenieure mit ihren Klemmbrettern zu sehen. Sie gratulieren sich gegenseitig zur erfolgreichen Inbetriebnahme eines neuen Wasserkraftwerks.

«Diese Momente des gemeinsamen Erfolgs auf einer Grossbaustelle haben meine Einstellung zur Arbeit und auch zur Politik entschieden geprägt», sagt Beat Fehlmann, der eine Lehre zum Zimmermann und später die Ausbildung zum diplomierten Baumeister absolvierte. Während vieler Jahre widmete er sich dem Wasserkraftwerksbau.

Aus dieser Zeit resultiert auch seine Wertschätzung für flache Hierarchien. «Von Titeln und Positionen halte ich nichts, allein die Kompetenzen sollen einen Arbeitsplatz strukturieren», sagt er. «Ein oberstes Prinzip meiner politischen Einstellung, das von der Baustelle her rührt, ist die Eigenverantwortung. Um diese im Aargau zu stärken, würde ich mich auch im Grossen Rat einsetzen.»

Lohnerhöhungen in der Pflege und nicht für Lehrer

Szene zwei zeigt vier Kinder mit den Eltern bei der Arbeit auf einem frisch gepflügten Acker. Beat Fehlmann, der heutige Geschäftsführer der Sika Bau AG, ist mit zwei Brüdern und einer Schwester auf einem Bauernhof in Möriken-Wildegg aufgewachsen. «Die Erfahrungen, die ich im elterlichen Betrieb machen durfte, möchte ich um nichts missen», blickt er zurück.

Die Verbundenheit zur heimischen Scholle hat seine politische Einstellung geprägt. Globalisierungstendenzen steht er äusserst kritisch gegenüber. Als Politiker will er sich für lokale und regionale Initiativen starkmachen. In Sachen dezentraler Organisation und Vernetzung der KMU hält er den Aargau für einen Musterkanton. Nicht zufrieden mit der kantonalen Politik zeigt er sich dagegen im Bereich der Bildung. «Hier gibt es, viel zu verbessern. Lohnerhöhungen für Lehrer halte ich zum Beispiel für falsch, mehr Lohn muss es in der Pflege geben.»

«Mit dem Parteibuch der SVP kann ich mich in weiten Teilen identifizieren», sagt Fehlmann. Nicht ganz auf Parteilinie politisiert er in der Frage der Energiewende. Am 27. September hat er für das neue Energiegesetz gestimmt und ist der Meinung, die Zeit für fossile Energieträger müsse zu Ende gehen.

Ausserkörperliches Erlebnis nach Unfall in Paris

Die letzte Szene gehört zur Gattung der Tragödie. Handlungsort ist Paris. Mit 18 Jahren besuchte Beat Fehlmann seine Schwester. Auf einem Spaziergang beim geschichtsträchtigen Marsfeld wurde er von einem Auto erfasst und 30 Meter durch die Luft geschleudert. Die Verletzungen waren schwerwiegend.

Fehlmann erinnert sich an eine ausserkörperliche Erfahrung. Er empfand, er schwebe über seinem eigenen Leib. «Ich spürte damals eine Art Urvertrauen, die Gewissheit, dass der Tod nichts Schlimmes ist. Gleichzeitig denke ich, mit dem Unfall wurde mir eine zweite Chance geschenkt.» Das Erlebnis in Paris habe sicher auch seinen Entscheid beeinflusst, sich in der Öffentlichkeit zu engagieren. «Es ist meine Überzeugung, dass man sein Leben immer wieder in den Dienst für andere stellen sollte.»

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