Treff
Heute sind auch die Männer willkommen

In der Adventszeit finden sich Alleinstehende im Kirchgemeindehaus Othmarsingen. Vor 35 Jahren war der Treff nur Witwen vorbehalten.

Carla Stampfli
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Mit einem Lied stimmen die Alleinstehenden und das OK-Team im Kirchgemeindehaus Othmarsingen die Adventsfeier ein.

Mit einem Lied stimmen die Alleinstehenden und das OK-Team im Kirchgemeindehaus Othmarsingen die Adventsfeier ein.

Alex Spichale

Clementinen, Baumnüsse und Kaffeetassen liegen auf den Tischen. Kerzchen brennen. Ringsherum haben es sich rund 20 Seniorinnen und Senioren gemütlich gemacht. Feierlich und heimelig ist die Stimmung an diesem Nachmittag im Kirchgemeindehaus in Othmarsingen. Das hat seinen guten Grund: Die Besucher des Treffs der Alleinstehenden feiern die Adventszeit.

Sozialdiakon Rolf Friderich begrüsst die Anwesenden und stimmt die kommenden Stunden mit einem Stück aus dem «Liederbüchlein für die ältere Generation» ein. Zu Gitarrenklängen wird gesungen, die erste, die zweite und schliesslich auch die letzte Strophe.

Dann legt der Sozialdiakon das Liederbüchlein zur Seite und nimmt ein Buch mit Weihnachtsgeschichten hervor. Rolf Friderich beginnt darin zu lesen. Gespannt hören ihm die Seniorinnen und Senioren zu.

35 Jahre ist es her, seit sich zum ersten Mal Alleinstehende getroffen und einige Stunden in Gesellschaft verbracht haben. «Männer waren damals aber nicht willkommen», erklärt Rolf Friderich. Der Treff sei früher ausschliesslich für Witwen gewesen. «Das könnten wir uns heute nicht mehr vorstellen», sagt er lachend und schaut in die Runde.

Ob Seniorinnen oder Senioren, Ledige oder Verwitwete, am Treff sind die Alleinstehenden kunterbunt gemischt. Rund sechsmal im Jahr organisiert die Kirchgemeinde den Treff für Alleinstehende. Auf dem Programm stehen unter anderem gemütliches Zusammensein, gemeinsames Spielen, Bräteln im Pfarrgarten und verschiedene Ausflüge.

An diesem Nachmittag werden abwechslungsweise Lieder gesungen und Weihnachtsgeschichten erzählt. Die Zeit vergeht. «Mögt ihr noch?», fragt der Sozialdiakon. «Jaaa», ertönt es aus der Runde. Schliesslich habe man zu Hause auch immer zugehört.

Rolf Friderich erzählt eine letzte Geschichte, dann wünscht er den Seniorinnen und Senioren eine schöne Adventszeit. «Geniesst sie», sagt er und fügt an: «Und auch die Plätzchen, die es jetzt gibt.» Kaffee, selbst gebackene Guetzli und Weggli-Sandwiches werden aufgetischt. Es wird geschwatzt und gelacht.

Eine schöne Sache sei der Treff, sagt eine Seniorin, die seit 25 Jahren verwitwet ist. Vor 10 Jahren besuchte sie zum ersten Mal den Treff, seither schätzt sie das regelmässige Zusammensein sehr. Soziale Kontakte seien wichtig, sagt die 72-Jährige. «Man muss sie sich aber suchen. Sie kommen nicht von alleine.»

Am Treff habe sie viele Leute kennen gelernt, die Menschen seien sehr offen. Damit spricht sie auch die Tatsache an, dass sie sich als Katholikin zu Beginn gar nicht getraut hätte, zu einem Treffen hinzugehen. Einmal ging sie doch und wurde «herzlich willkommen geheissen».

Eine Seniorin, die am Tisch gegenüber sitzt, schätzt die Ausflüge, das Bräteln im Sommer und die Tatsache, «dass man sich sieht». Seit über 15 Jahren nimmt sie an den Treffen teil. Als Ledige, sagt die 80-Jährige lachend, sei sie jedoch eine Ausnahme: Die meisten Seniorinnen, die den Treff besuchen, seien verwitwet.

Maria Scherrer, Dora Müller und Susi Fischer kreisen um die Tische. Sie füllen die Tellerchen mit Guetzli auf und unterhalten sich mit den Anwesenden. Gemeinsam mit Sozialdiakon Rolf Friderich sind die Frauen für die Organisation zuständig.

Die Adventsfeier ist an diesem Nachmittag das letzte Beisammensein, der nächste Treff ist Mitte Februar 2015 vorgesehen. «Jetzt sind wir daran, Ideen zu sammeln», sagt Susi Fischer und schenkt einer Seniorin eine Tasse Kaffee nach.

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