Eine Tracht hält ein Leben lang. Aber was machen, wenn sie nicht mehr passt, die Farbe nicht mehr gefällt oder das kostbare Gewand der Trägerin schlicht und einfach verleidet ist? Für diesen Fall hat die Trachtenschneiderin Lotti Läuppi mit einer Kollegin vor gut einem Vierteljahrhundert die Trachtenbörse gegründet. So standen im Dorfmuseum Seon zahlreiche Trachten aus dem Berner Aargau zum Verkauf. Auch für Männer und Kinder gab es eine Auswahl, dazu viele Accessoires wie Schuhe, Taschen, Hüte, Halstüchlein, sogenannte Fichus, oder Silberschmuck. Die Landfrauen des Bezirks Lenzburg sorgen mit Kuchen und Kaffee für Stärkung.

Für Lotti Läuppi (82) und ihre Tochter Susanne Estermann (57), welche mit Barbara Rytz für die fachliche Leitung der Börse verantwortlich sind, gehören Trachten zum Leben. «Es ist eine Leidenschaft, ich habe Freude am Brauchtum, auch am Singen und Tanzen, es umfasst das ganze Leben», erklärte Lotti Läuppi. Sieben oder acht Trachten hängen in ihrem Kleiderschrank. Eine Tracht zu tragen sei nicht schwierig, erklärte Lotti Läuppi. Doch man müsse einige Vorschriften beachten. «Zum Beispiel gehören Seidenschürze und Stickereien immer zusammen», führte sie aus. «Doch zu einem gestickten Latz darf kein Fichu getragen werden.» Der Rock sollte zudem etwa 25 Zentimeter ab Boden enden. «Die Käuferinnen werden bei uns nicht allein gelassen. Wir haben hier ein ganzes Team, das sie berät», versicherte Läuppi. In Umkleidekabinen konnten die Trachten angezogen werden, kundige Hände zupften das Kleid zurecht und die neue, oft sogar erstmalige Trachtenträgerin erhielt Hilfe bei der Entscheidung. «Es kommen viele junge Frauen», erzählte Läuppi. «Einige sind in Trachtenvereinen, aber längst nicht alle.»

Trachten liegen im Trend und sind nachhaltig, sie können 50 bis 60 Jahre lang gebraucht werden. «Ich habe in einer Festtagstracht geheiratet und kann diese auch bei anderen festlichen Anlässen immer wieder tragen», erzählte Susanne Estermann und fügte hinzu: «Die Tracht leidet am meisten, wenn sie im Kasten hängt.» Allerdings haben die Trachtenschneiderinnen immer mehr Mühe, qualitativ hochstehende Materialien zu finden. Ursprünglich stammten die Wolle und Leinen für Trachten aus der Region. Doch heute gibt es in der Schweiz kaum noch Lieferanten, die Materialien kommen häufig aus dem Fernen Osten. «Ein Deko-Samtband ist nach ein- oder zweimaligem Tragen bereits abgegriffen», erklärte Lotti Läuppi. «An einer Tracht sollte so etwas hingegen viele Jahre lang halten.»